Nach Raketenangriff: Iran sperrt Luftraum im Westen des Landes
Der Iran hat erneut Raketen auf Israel gefeuert. Am späten Sonntagabend meldeten Staatsmedien der Islamischen Republik zwei Raketensalven auf den Erzfeind.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Iran hat Raketen in Richtung Israel abgefeuert.
- Die israelischen Streitkräfte haben mehrere Raketen identifizieren können.
- Irans zentrales Militärkommando bestätigte die Raketenangriffe.
Laut dem israelischen Militär wurden alle Raketen der ersten Wellen abgefangen, gleichzeitig habe man weitere Raketenangriffe identifiziert. Die Luftabwehr sei im Einsatz.
Nach Angaben des israelischen TV-Senders N12 schlugen Raketentrümmer im Norden Israels ein, unter anderem nahe der Stadt Tiberias. Es gab zunächst keine Angaben zu Verletzten. Unterricht in allen Schulen Israels wurde laut dem Zivilschutz für Montag abgesagt. Der internationale Flughafen bei Tel Aviv blieb nach Medienberichten zunächst geöffnet.
Irans zentrales Militärkommando bestätigte die Raketenangriffe. In einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung begründeten die iranischen Streitkräfte die Attacke mit «wiederholten Verstössen» der israelischen Armee gegen die Waffenruhe im Libanon. Teheran hatte Israel bereits mit Angriffen gedroht und will damit die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon unterstützen.
Teheran hatte vor Angriffen Israels auf Beiruter Vororte gewarnt
Konkret reagierte der Iran damit auf neue Angriffe Israels in Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut am Sonntag trotz einer von US-Präsident Donald Trump verkündeten Waffenruhe. Die Armee habe in Beirut «Terroristen-Hauptquartiere» als Reaktion auf vorherigen Beschuss Israels durch die Hisbollah angegriffen, teilten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz mit.
Die Hisbollah ist der wichtigste nichtstaatliche Verbündete des Irans. Teheran hatte zuvor gewarnt, dass weitere israelische Angriffe auf den Grossraum Beirut als neuer Eskalationsschritt in der regionalen Konfrontation gewertet würden.
Israel hatte seit Inkrafttreten einer offiziellen Waffenruhe Mitte April die Angriffe im Raum Beiruts deutlich eingeschränkt. US-Präsident Donald Trump hatte dort auch einen Stopp israelischer Angriffe und ein Ende von Angriffen der Hisbollah auf Israel verkündet. Israel hatte jedoch damit gedroht, diese Gebiete im Falle von Hisbollah-Attacken auf Israel erneut anzugreifen und die Bewohner der Vororte erneut zur Flucht gedrängt.
Iran sperrt Luftraum im Westen des Landes
Der Iran hat den Luftraum im Westen des Landes bis auf weiteres gesperrt. Die zivile Luftfahrtbehörde begründete dies nach den iranischen Raketenangriffen auf Israel mit neuen Gefährdungsbewertungen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete.
Die Bevölkerung wurde gebeten, von Fahrten zu den Flughäfen abzusehen und die Medien zu verfolgen.
Luftwaffenstützpunkt in Israel attackiert
Irans Streitkräfte haben eigenen Angaben zufolge bei ihren Raketenangriffen auf Israel unter anderem auf Militäreinrichtungen gezielt. Der Luftwaffenstützpunkt Ramat David sei mit ballistischen Raketen attackiert worden, hiess es in einer von der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim verbreiteten Erklärung der Revolutionsgarden.
In der Mitteilung begründeten Irans Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht des Landes, ihre Angriffe mit der Eskalation im Libanon. Die Waffenruhe im Iran-Krieg Anfang April sei unter der Prämisse ausgehandelt worden, dass der Konflikt an allen Fronten eingestellt werden müsse, hiess es in der Erklärung.

«Doch wie immer hielten sich die USA und das zionistische Regime nicht an ihre Verpflichtungen. Sie setzten sowohl ihre Angriffe und Verbrechen im Libanon fort als auch ihre wiederholten Übergriffe auf iranische Küstengebiete.»
Die nun erfolgten Angriffe bezeichneten die Revolutionsgarden als «Warnung». Sollte der Krieg wieder voll ausbrechen, «werden die Antworten umfassender ausfallen und sämtliche amerikanisch-zionistischen Ziele in der Region einschliessen», teilten die Streitkräfte weiter mit.
Israel will auf Raketenangriffe Irans reagieren
Israel will nach Medienberichten hart auf die ersten iranischen Raketenangriffe seit zwei Monaten reagieren. Der israelische TV-Sender N12 sowie das Nachrichtenportal «ynet» berichteten dies unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten israelischen Regierungsvertreter.
«Der Iran kann vergessen, dass wir das hinnehmen werden – die Reaktion wird hart ausfallen», sagte der Repräsentant nach Angaben von «ynet». Man werde «nicht zulassen, dass sie irgendwelche neuen Spielregeln schaffen und unsere Souveränität verletzen».
Längere Verhandlungen brachten keinen Durchbruch
Am 28. Februar hatten Israel und die USA ihren Krieg gegen den Iran begonnen. Zuletzt hatte der Iran in der Nacht auf den 8. April Raketen auf Israel abgefeuert. Am selben Tag einigten sich die USA und der Iran auf eine zunächst zweiwöchige Waffenruhe, die anschliessend verlängert wurde.
Trump knüpfte diese auch an die Öffnung der Strasse von Hormus. Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über eine dauerhafte Beendigung des Kriegs haben aber bisher keine Einigung gebracht.

Auch nach Beginn einer Seeblockade vonseiten der USA in der Strasse von Hormus hatte es bereits Warnungen vor einer Wiederaufnahme der iranischen Angriffe auf Israel gegeben.
Seit Kriegsbeginn Ende Februar mit US-israelischen Angriffen auf den Iran hatte dieser die weltweit für den Öltransport wichtige Meerenge vor seiner Küste blockiert. Die Durchfahrt von Tankern kam quasi zum Erliegen. In der Folge stiegen die Energiepreise weltweit deutlich an – was auch Trump innenpolitisch unter Druck setzte.












