«Faschisten im Weissen Haus» - Grosse US-Proteste gegen Trump

Keystone-SDA
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Bern,

Kein Krieg gegen den Iran, keine Razzien in US-Städten, kein neuer Ballsaal am Weissen Haus: In den USA sind in zahlreichen Städten Bürger gegen die Regierung von US-Präsident Donald Trump auf die Strasse gegangen. Unter dem Motto «No Kings» («Keine Könige») waren nach Angaben der Veranstalter am Samstag Proteste in allen 50 Bundesstaaten geplant – und auch international formierte sich Widerstand, auch in mehreren deutschen Städten. Demonstrierende forderten die Absetzung und Verhaftung Trumps.

dpatopbilder - Demonstranten halten Pappköpfe, die Politiker der Trump-Adminstration darstellen sollen, während einer «No Kings»-Demonstration in Washington. Foto: Anna Ringle/dpa
dpatopbilder - Demonstranten halten Pappköpfe, die Politiker der Trump-Adminstration darstellen sollen, während einer «No Kings»-Demonstration in Washington. Foto: Anna Ringle/dpa - Keystone/dpa/Anna Ringle

In der US-Hauptstadt Washington zogen am Morgen nach Beobachtung einer dpa-Reporterin geschätzt Zehntausende Demonstrierende, darunter auch zahlreiche ältere Menschen, über die Memorial Bridge in Richtung Innenstadt.

Die Organisatoren, ein Bündnis verschiedener zivilgesellschaftlicher Gruppen, erwarteten Medienberichten zufolge landesweit etwa 3000 Kundgebungen mit insgesamt rund neun Millionen Teilnehmern. Sie sprachen von einer der grössten Protestmobilisierungen in der Geschichte des Landes – unabhängig überprüft sind die Zahlen bislang nicht. Bereits im vergangenen Jahr hatten ähnliche Aktionen jedoch schon Millionen Menschen auf die Strasse gebracht.

In Sprechchören warnten die Demonstranten in Washington vor «Faschisten im Weissen Haus». Einer Pappfigur, die Trumps Vizestabschef und rechten Hardliner Stephen Miller darstellen sollte, hing das Namensschild «Adolf» für Adolf Hitler um.

Viele kamen, um auch international ein Zeichen zu setzen. Eine Demonstrantin, die gegen Trumps Pläne einer vorübergehenden Schliessung des berühmten Washingtoner Kulturhauses Kennedy Center auf die Strasse ging, sagte der dpa, die Leute in Deutschland sollten sehen, dass es in Amerika Protest gegen die Trump-Regierung gebe.

Als zentrale Veranstaltung der landesweiten Proteste gilt eine Grosskundgebung in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota, wo am Nachmittag (Ortszeit) bis zu 100.000 Teilnehmer erwartet werden. Hintergrund sind unter anderem umstrittene Einsätze von Bundesbehörden im Zuge verschärfter Massnahmen gegen Migranten, die in der Region zuvor zu wochenlangen Protesten geführt hatten. Bei den Einsätzen kamen auch zwei US-Bürger durch Schüsse von Bundesbeamten ums Leben.

Zu den angekündigten Teilnehmern in St. Paul zählen prominente Unterstützer aus Kultur und Politik, darunter der Musiker Bruce Springsteen und die Sängerin Joan Baez sowie die Schauspielerin Jane Fonda. Auch der unabhängige Senator Bernie Sanders sowie weitere Aktivisten und Politiker werden erwartet.

Auch in zahlreichen weiteren Städten – von grossen Metropolen bis hin zu kleineren Orten – waren Demonstrationen geplant oder bereits angelaufen. Nach Angaben der Organisatoren in US-Medienberichten stammt ein grosser Teil der Anmeldungen auch aus konservativ geprägten ländlichen Regionen und Vororten, nicht nur aus klassischen Hochburgen der Demokraten.

Das Weisse Haus kritisierte die Proteste. Eine Sprecherin bezeichnete die Veranstaltungen laut Medienberichten vorab als Treffen einer kleinen, von linken Netzwerken unterstützten Gruppe ohne breite Unterstützung in der Bevölkerung.

Auch ausserhalb der USA gab es Solidaritätskundgebungen. In Deutschland fanden unter anderem Demonstrationen in Hamburg, München, Frankfurt am Main und Düsseldorf statt. Auf Plakaten warfen einige hundert Demonstranten in Berlin Trump Angriffe auf die Demokratie vor, kritisierten die Einwanderungsbehörde ICE oder forderten die vollständige Freigabe der sogenannten Epstein-Akten, die sich um den Skandal um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein drehen. In München versammelten sich nach Polizeiangaben bis zu 600 Menschen auf dem Odeonsplatz. In Frankfurt kamen nach dpa-Informationen rund 120 Teilnehmer zusammen.

Kommentare

User #5645 (nicht angemeldet)

Manche sprechen schon von „Faschismus“. Münden die Vereinigten Staaten unter Präsident Trump in ein faschistisches System? Während US-Forscher wie Jason Stanley oder Timothy Snyder das eher bejahen, ist es für andere der falsche Begriff. Gefahren für die Demokratie erkennen alle.

User #4121 (nicht angemeldet)

Trump will als Sieger aus dem Iran-Krieg hervorgehen. Koste es, was es wolle. Zwar hat er diese Woche sein Ultimatum an die Iraner verlängert, doch gleichzeitig schickt er Tausende amerikanische Bodentruppen in die Region. Der amerikanische Präsident spielt mit dem Abgrund. Er verhält sich, als gäbe es kein Morgen mehr, als gäbe es keine Börsen, keine Märkte, keinen Ölpreis, keine Inflation und vor allem keine Zwischenwahlen, die seiner Übermacht ein Ende setzen könnten.

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