Wegen Regen: Schon 20 Prozent der Kartoffelernte verfault

    Matthias Bärlocher
    Matthias Bärlocher

    Bern,

    Der Dauerregen begünstigt die Kraut- und Knollenfäule. Die Mehrheit der Kartoffelbauern meldet bereits Ausfälle.

    Kartoffeln
    Verschiedene Kartoffelsorten werden in Körben im Hofladen im Zürcher Seefeld zum Verkauf angboten, aufgenommen am 11. Dezember 2017. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der Dauerregen begünstigt bei Kartoffeln Pilzinfektionen.
    • Die Kraut- und Knollenfäule sorgt bei der Mehrheit der Produzenten für Ausfälle.
    • Diese müssten durch Importe gedeckt werden.

    Ganze Felder müssen umgepflügt werden, bei den betroffenen Bauern sind die finanziellen Verluste gross. Der Dauerregen setzt den Kartoffeln derart zu, dass ein beträchtlicher Teil der vorgesehenen Ernte abgeschrieben werden muss.

    Am liebsten esse ich Kartoffeln als…

    Bei den Kartoffeln wäre eigentlich das Ziel, dass die Schweiz Selbstversorgerin ist. Das geht so weit, dass es für den Import eine Bewilligung braucht: Der Bund gibt jeweils bestimmte Mengen als Kontingent frei. Bereits jetzt ist absehbar, dass es diesen Schritt 2024 wohl brauchen wird. Sonst kann die Nachfrage gar nicht gedeckt werden.

    Fatale Pilzinfektion: Kraut- und Knollenfäule

    Für die Ausfälle verantwortlich ist ein Pilz, der die sogenannte Kraut- und Knollenfäule verursacht. Im 19. Jahrhundert führte dies sogar zur legendären, jahrelangen Hungersnot in Irland.

    Kraut Knollenfäule Phytophthora infestans
    Schnitt durch eine von der Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) befallene Kartoffel. - Agricultural Research Service, USDA

    Heute hilft den Bauern die Chemie – aber auch nur bedingt. Denn der Pilz kann sich mit dem nassen Wetter, das die Felder teilweise unter Wasser setzt, sehr gut ausbreiten.

    Kraut- und Knollenfäule Kartoffeln
    Gemäss einer Umfrage ist die Mehrheit der Kartoffel-Produzenten von Kraut- und Knollenfäule betroffen. - Screenshot schweizerbauer.ch

    Gemäss einer Umfrage der Zeitung «Schweizer Bauer» gibt es kaum noch Produzenten, die nicht betroffen sind. Über 60 Prozent geben Anfang Juli bereits an, dass sie Teilausfälle auf ihren Feldern haben. Rund ein Fünftel muss gar einen Totalausfall beklagen.

    Befall «stark», aber noch nicht abschätzbar

    Wie hoch die Ertragsausfälle sein werden, weiss man bei der Branchenorganisation Swisspatat zwar erst Ende August. «Die konkreten Auswirkungen lassen sich vielerorts erst kurz vor der Ernte beziffern», sagt Geschäftsführer Christian Bucher. «Es ist aber so, dass der Befall durch die Kraut- und Knollenfäule in diesem Jahr stark ist.»

    Pommes Chips Zweifel Kartoffeln
    Ungewürzte Chips werden über Rüttelrinnen und Transportbänder zum nächsten Verarbeitungsschritt befördert, aufgenommen am 13. Februar 2020 in der Produktion der Zweifel Pomy-Chips AG in Spreitenbach. - keystone

    Es sei auch schon jetzt absehbar, dass man nicht ausreichend Schweizer Kartoffeln haben werde und die Lücke durch Importe decken müsse. Beim Chips-Produzenten Zweifel bleibt man noch zuversichtlich. Man habe bei den unter Vertrag stehenden Bauern zwar Fälle von Krautfäule. «Wie immer haben wir eine Reservemenge anbauen lassen, mit welcher wir Ausfälle abfedern können», erklärt Mediensprecherin Anita Binder.

    Importe keine nachhaltige Lösung

    Die Crux bei den Importen: Dank diesen werde die aktuelle Situation zwar nicht zu einer Kartoffelkrise führen. Aber man merkt, dass die Stimmung bei den Produzenten auch schon besser war. Denn: «Der Import von Kartoffeln war bereits in den letzten drei Jahren in grösserem Masse notwendig.»

    ukraine krieg
    Getreide wird im Ukraine-Krieg blockiert: Ein Bub kauft Brot auf einem Markt in Kairo, Ägypten. - DPA

    Kommt dazu, dass die vom Bund bewilligten Kontingente dann zum Beispiel aus Ägypten importiert werden. Also aus Weltgegenden, wo aktuell wegen dem Ukraine-Krieg die Nahrungsmittelpreise explodieren.

    Good News: Es hat genügend nicht infizierte Anbaufläche

    Weil der Krautfäule-Pilz potenziell grosse Schäden anrichten kann, gelten bei Befall auch strenge Regeln. Zwar besteht keine Meldepflicht und bei leichtem Befall sind die Knollen auch noch geniessbar. Aber danach gilt eine Anbaupause von vier Jahren für Kartoffeln auf betroffenen Feldern.

    Kartoffeln Feld Acker
    Ein Bauer bestellt in Hagneck im Berner Seeland sein Kartoffelfeld.(Archivbild) - keystone

    Glücklicherweise werde sich dies aber kaum auf die Produktion auswirken, erklärt Christian Bucher von Swisspatat, denn: «Die minimale Anbaupause gemäss dem ökologischen Leistungsnachweis des Bundes beträgt 3 Jahre.» In der Praxis seien es aber oftmals bereits heute vier Jahre. Somit muss für die Chips-Produktion mit Schweizer «Härdöpfel» in den folgenden Jahren nur noch das Wetter mitspielen.

    Kommentare

    User #5266 (nicht angemeldet)

    Bin froh um EDEKA 😁

    User #3096 (nicht angemeldet)

    Und wieviel erhält der Bauer von dieser Preierhöhung? Meistens wir der Grossteil vom Handel und der Marge aufgefressen.

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