Raoul Peck erzählt 600 Jahre Kolonialgeschichte

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    Die Arte-Doku «Rottet die Bestien aus!» springt rasant zwischen Kontinenten und Epochen. Ihr Macher erklärt, warum das so sein muss.

    Eingeborene von Cordova zwischen 1906 und 1915 am Copper River in Alaska in einer Szene der Dokumentation «Rottet die Bestien aus!». Foto: Library of Congress/Prints&Photographs Division/Arte
    Eingeborene von Cordova zwischen 1906 und 1915 am Copper River in Alaska in einer Szene der Dokumentation «Rottet die Bestien aus!». Foto: Library of Congress/Prints&Photographs Division/Arte - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ausbeutung, Versklavung und die Auslöschung ganzer Zivilisationen: Die Verbrechen der europäischen Nationen im Zeitalter der Kolonialherrschaft und deren Spätfolgen sind seit einigen Jahren ein wachsendes Thema in den Feuilletons.

    Der oscar-nominierte Dokumentarfilmer Raoul Peck («I Am Not Your Negro») hat sich nun an ein Mammutprojekt gewagt. In einer Co-Produktion vom Kultursender Arte und dem für Hochglanzproduktionen bekannten US-Streaminganbieter HBO reist Peck durch 600 Jahre Kolonialgeschichte. Der Vierteiler «Rottet die Bestien aus!» beginnt am Dienstag um 20.15 Uhr bei Arte. Fiktionale Spielszenen und Animationen runden die Geschichtsstunde ab. Alle vier Folgen der Reihe werden an einem Abend ausgestrahlt.

    Das bittere Eingangs-Fazit des Films: «Zivilisation. Kolonisation. Vernichtung. Diese drei Worte reissen eine gewaltsame Spur in die westliche Weltgeschichte und sie bohren sich tief in den Kern der US-Geschichte.» In einem Interview mit Arte schildert Peck seine Motive. Er habe zum Ursprung der weissen Vorherrschaft zurückgehen wollen. «Wann hat das strukturell seinen Lauf genommen? Was waren die einzelnen Schritte?» Er wolle auch die Widersprüche entdecken. «Mich interessieren nicht so sehr Rassenkategorien, sondern die Analyse von Klassen- und Herrschaftsverhältnissen, die Art und Weise, wie sich Machtstrukturen in der Weltgeschichte etabliert haben.»

    Beispiel USA: «Die Entstehung der Vereinigten Staaten beruht natürlich nicht, wie in ihrer Gründungserzählung behauptet, auf der Entdeckung eines angeblich unberührten Landes durch Christoph Kolumbus, sondern auf einem der grössten Völkermorde der Menschheit, nämlich der Ausrottung von fast 90 Millionen Indianern, die diese Gebiete von Nord bis Süd bevölkerten», erläuterte Peck im Interview mit dem Sender. «Forscher haben nachgewiesen, dass die Siedler in dieser Wildnis nicht länger als fünf Monate überlebt hätten. In den ersten Jahren sorgten die Indianer für sie, bis die Siedler gewalttätiger wurden und das Land für sich beanspruchten.»

    Peck entschied sich bewusst für eine nicht-chronologische Erzählweise, wie er gegenüber Arte erläuterte. «Um die historische Erzählung zu dekonstruieren, muss ich auch Form und Struktur dekonstruieren», erläutert der Regisseur. «Meine Filme sind oft in einer Art Spiralbewegung aufgebaut. Mit der Bequemlichkeit des Mainstream-Films, insbesondere des Hollywood-Films zu brechen, scheint mir notwendig.» Er wolle den Zuschauer aufrütteln und zum Hinterfragen alter Wahrheiten anregen. «Dadurch wird er selbst zum Akteur und nicht mehr nur zum Konsumenten der Erzählung.» Peck, in Haiti geboren, lebte als Kind im afrikanischen Zaire, studierte in Frankreich, in den USA und in Deutschland und lebt heute in Paris.

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