Mit «Matrix Resurrections» kehrt der totgeglaubte Erlöser Neo aka Keanu Reeves nach 18 Jahren zurück in die Scheinwelt, die 1999 Filmgeschichte schrieb. Wer die verworrene Story der Trilogie nicht mehr auf der Festplatte hat, kann sie sich hier schnell wieder runterladen.
Einmal mehr findet sich Neo (Keanu Reeves) in der «Matrix» wieder.
Einmal mehr findet sich Neo (Keanu Reeves) in der «Matrix» wieder. - Warner Bros. Entertainment Inc. and Village Roadshow Films (BVI) Limited

Selten passte der Begriff «Reboot» so gut zu einer Filmreihe wie dem «Matrix»-Franchise. Am 23. Dezember fährt sie in der Tat ein viertes Mal auf der Leinwand hoch, die grünstichige Scheinwelt der Wachowski-Schwestern. Im Gegensatz zur ursprünglichen Trilogie hat bei «Matrix Resurrections» zwar erstmals nur Lana Wachowski (56) Regie geführt. Ansonsten scheint sich auf den ersten Blick jedoch wenig an jenem Erfolgsrezept verändert zu haben, das im Jahr 1999 Filmgeschichte schrieb - und ganz nebenbei für gesteigerte Absätze knarzender Lack- und Ledermäntel sorgte.

Gleich aus mehreren Gründen sollten sich interessierte Fans aber noch einmal dringend den Quellcode der ersten drei Filme auf die Festplatte packen, bevor sie sich zum Kino aufmachen. Zum einen ist es bereits unfassbare 18 Jahre her, dass die Reihe mit Teil drei ihr zwischenzeitliches Finale fand. Und zum anderen wurde das Franchise spätestens mit den Enthüllungen in «Matrix Reloaded» so verworren, dass einem vor lauter Stirnrunzeln der Morpheus-Zwickel von der Nase sprang. Zur Erinnerung daher hier noch einmal die wichtigsten Handlungsstränge aus «Matrix», «Matrix Reloaded» und «Matrix Revolutions».

Der Beginn der Simulation

Kurz vor der Jahrtausendwende musste ein gewisser Mr. Anderson (Keanu Reeves, 57) mit Schrecken feststellen, dass nicht nur seine Existenz eine Lüge ist. Die gesamte Menschheit wird - ohne sich dessen bewusst zu sein - in einer Simulation, der Matrix, gefangen gehalten. Die wirkliche Welt ist hingegen eine dystopische Ödnis, in der von Menschenhand gebaute Maschinen die Herrschaft übernommen haben und ihre in die Matrix gesteckten Erzeuger als Energiequelle missbrauchen.

Nur eine Handvoll Menschen wissen von der kargen Realität. Unter der Führung von Morpheus (Laurence Fishburne, 60) haben sie einen aussichtslos erscheinenden Widerstand gegen die Maschinen organisiert. Hier kommt Mr. Anderson alias Hacker Neo ins Spiel: Er, so die Überlieferung, sei der Auserwählte, der die jahrhundertelange Tyrannei endlich durchbrechen kann. Genau danach sah es am Ende von Teil eins auch aus: Neo bezwingt nicht nur das Sicherheitssystem der Simulation, Agent Smith (Hugo Weaving, 61), sondern den Tod selbst und findet in Person von Trinity (Carrie-Anne Moss, 54) auch noch die grosse Liebe.

Die Mär vom freien Willen

Die erste der 2003 erschienenen Fortsetzungen negierte das Happy End von Teil eins. Alles, was sich bislang in der Heldenreise von Neo zugetragen hat, sei nicht mehr als ein Routineablauf gewesen. Tatsächlich enthüllt «Der Architekt» einem entsetzen Neo, dass dessen Rolle als Erlöser nichts anderes als eine Art Sicherheitsprotokoll sei, das lediglich anzeigt, wann es wieder an der Zeit für einen Neustart der Matrix ist. Schon fünf dieser Reboots habe es vor Neo gegeben, er ist schlicht Nummer sechs.

Mit diesem Schlag in die Magengrube beendete Teil zwei augenscheinlich endgültig die Hoffnung auf den freien Willen, der im Vorgänger noch durch die Wahl der roten oder blauen Pille symbolisiert wurde. War wirklich jeder errungene Sieg über Agent Smith und Co. nur ein Teil eines sich ewig drehenden Hamsterrads?

Der sakrale Abschied

Im Abschluss der Trilogie, die ebenfalls 2003 erschien, befindet sich die letzte Bastion der Menschheit in der realen Welt kurz vor der Zerstörung. Weil Neo sich weigerte, den siebten Zyklus der Matrix einzuläuten, drohen jedoch auch alle in ihr gefangenen Menschen ausgelöscht zu werden. Um das zu verhindern, machen sich Neo und Trinity in einem verzweifelten Versuch auf, als erste Menschen überhaupt die Maschinenstadt zu betreten.

Dies gelingt zwar, jedoch zu einem hohen Preis. Neo verliert sein Augenlicht, Trinity gar ihr Leben. In der finalen Wendung des Films realisiert Neo, dass auch er sich im Kampf gegen den abtrünnigen Agent Smith opfern muss, um für Frieden zwischen Menschen und Maschinen zu sorgen. Und so stirbt Neo schliesslich den ultimativen Heiland-Tod. Oder?

Alles auf Anfang in Teil vier?

Gilt «Matrix» als unumstrittenes Meisterwerk der Kinogeschichte, stiessen die beiden Fortsetzungen zahlreichen Fans vor den Kopf. Zu viel religiöse Pseudo-Philosophie verpackt in zu viel Videospiel-Optik anstelle einer kohärenten Sci-Fi-Geschichte, lauteten einige der Vorwürfe. Wird Teil vier die Kurve zurück zu den Tugenden von Teil eins kriegen?

Die Trailer zu «Matrix Resurrections» zeigen, dass Neo ein weiteres Mal die Existenz der Matrix nicht bewusst ist - genau wie im Original. Dafür plagen ihn seltsame Visionen - oder sind es Erinnerungen? Neben ihm kehrt die ebenfalls totgeglaubte Trinity zurück, während der einzige Überlebende des Hauptrios, Morpheus, nun als jüngere Version ihrer selbst von Yahya Abdul-Mateen II gespielt wird. Ist also einfach ein neuer Zyklus der Matrix gestartet worden - und Neo ab dem 23. Dezember 2021 ein weiteres Mal dazu verdammt, ihn zu durchbrechen?

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