Polizisten finden vor zweieinhalb Jahren bei Flensburg einen Welpen - ausgesetzt zwischen Euro-Paletten. Schnell erkennen sie, dass in dem Rüden mehr steckt als ein Familienhund. Jack macht Karriere bei der Polizei - und ist nun offiziell Diensthund.
Jack blickt aus einem Einsatzwagen. Foto: Carsten Rehder
Jack blickt aus einem Einsatzwagen. Foto: Carsten Rehder - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Aufmerksam folgt Jack den Anweisungen von Diensthundeführer Hauke Messer.
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Die beiden schleichen sich an einen Verdächtigen heran. Zumindest im Spiel, das gleichzeitig eine Art Training ist.

Auf einer Wiese in Silberstedt im Norden Schleswig-Holsteins zeigt Jack, ein Malinois-Rüde (Belgischer Schäferhund), was er in den vergangenen Jahren gelernt hat. Vor kurzem beendete er mit Erfolg seine Ausbildung: Jack ist jetzt offiziell Polizeihund mit eigener Dienstnummer.

Der Rüde hat eine besondere Geschichte: Vor zweieinhalb Jahren, am 4. Dezember 2016, sass Jack - bei Minustemperaturen mitten in der Nacht ausgesetzt und eingesperrt zwischen Euro-Paletten - auf einem Grundstück in einem Gewerbegebiet von Handewitt bei Flensburg. Doch der damals etwa zehn Wochen alte Welpe starb nicht den Kältetod, sondern wurde von einer Polizeistreife entdeckt.

Einer der Kollegen habe den jungen Hund mit Einverständnis von Tierheim und Leitstelle erst einmal mit nach Hause genommen, sagt Hauke Messer. «Die hatten ein bisschen Mitleid mit ihm.» Eine ehemalige Diensthundeführerin holte den Malinois dann zu sich, weil sie gerne wieder einen solchen Hund gehabt hätte.

«Aber sie hat schnell gemerkt, dass in ihm mehr steckt als in einem normalen Familienhund», sagt Messer. So übernahm er Jack selbst. Als dieser etwa vier, fünf Monate alt war, stellte der erfahrene Diensthundeführer ihn dem Land vor. «Und die haben gesagt: Ja, stellen wir in den Dienst.»

Die jungen Hunde im Polizeidienst werden nicht sofort als Schutzhunde ausgebildet, sondern erst einmal als Junghunde geführt, sie bekommen spezielle, dem Alter angepasste Aufbauseminare. Ein ausgeprägter Spieltrieb und Neugierde sind wichtig, um aus einem Welpen einen Polizeihund zu machen.

«Wenn er nicht spielen mag, ist das für einen modernen Diensthundeaufbau nicht geeignet», sagt Messer, der auch Leiter der Diensthundestaffel der Polizeidirektion Flensburg ist. «Wir machen ja alles über Clicker, über Spiel, über Futter.» Die Hunde lernten, für ihr Spielzeug oder für eine Belohnung zu arbeiten.

Während seiner Ausbildung fand Jack heraus, was er als Polizeihund brauchte - zum Beispiel die Unterordnung unter seinen Hundeführer und dessen Verteidigung, das Aufspüren und Verbellen von Tätern sowie das angstfreie Laufen über wackelige Brücken und unterschiedliche Böden. Ende März bestand Jack seine Prüfung und bekam die Dienstnummer 1695.

«Er ist jetzt mein ständiger Begleiter. Tag und Nacht, je nachdem wann wir Dienst haben», sagt Messer, der neben seiner Tätigkeit als Diensthundeführer auch noch ganz normalen Dienst auf der Polizeiwache in Silberstedt tut. Jack sitzt während der Bürotätigkeiten dann oft in einer grossen Box im Dienstzimmer.

Der Youngster hat den zehnjährigen Simba, bisher Messers ständiger Begleiter, als Schutzhund abgelöst. Kurz vor der «Pensionierung» sei Simba glücklich, dass er die Nächste nicht mehr im Streifenwagen verbringen müsse, sagt Messer. «Das merkt man schon, er ist sehr entspannt geworden.» Simba steht nur noch als Rauschgiftspürhund zur Verfügung.

Ziel sei, dass Jack den älteren «Kollegen» irgendwann auch als Rauschgiftspürhund ablöst und Simba dann komplett in den Ruhestand wechseln kann. Üblicherweise tut er das nach etwa sieben Jahren Dienstzeit. Den Ruhestand verbringt er bis zum Lebensende bei seinem Hundeführer.

Wenn die Arbeit ruft, bekommt Jack jetzt ein dickes Lederhalsband um. «Dann weiss er, jetzt ist Arbeit», sagt Messer. Nach Dienstschluss ist Jack Familienhund. «Er kann das ganz gut trennen.»

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