Power-Songs, deutsche Texte und im hohen Norden vor Anker: «Northern Soul» heisst das neue Album von Erik Cohen, der viel Sehnsucht in sich trägt.
Bis zum Horizont: Erik Cohen. Foto: Frank Peter/dpa
Bis zum Horizont: Erik Cohen. Foto: Frank Peter/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Wind weht, die Wellen schlagen und das Akkordeon schwebt darüber: Erik Cohen kommt aus Kiel - und im Norden ist der Musiker auch verankert.

«Northern Soul» heisst sein neues Album, das die Rockmusik weiterhin am Leben erhält.

Das Akkordeon mag im «Intro (Northern Soul)» ein schöner Stimmungsmacher für den hohen Norden sein, aber das ist hier nicht die betulich-maritime Haifischbar, in der Lale Andersen oder Ralf Bendix zu Gast waren - hier geben Schlagzeug, Bass und Gitarre vornehmlich den Ton an.

Mit Alben wie «Nostalgie für die Zukunft» oder «Weisses Rausches» hat Erik Cohen in den letzten Jahren dauerhaft bewiesen, dass es da zwischen Schlagerherrlichkeit und Hip-Hop tatsächlich noch etwas anderes gibt.

«In Bewegung» hiess schon ein Song auf seinem 2014 erschienenem Debüt - und in Bewegung ist der Musiker noch immer: zwischen Gestern und Heute, bei der Rückkehr nach dem Sturm oder mit dem Flug über die Dächer der Millionenstadt. Und die Schwalben ziehen tief. Was sollten sie sonst auch tun?

Kraft- und druckvoll ist «Northern Soul» wieder geworden, aber mit ihren eingängigen Melodien, die gerne mit Keyboards wattiert werden, sprechen die elf Power-Songs des neuen Albums immer wieder auch Herz und Gefühl an. Eric Cohen weiss, wie Atmosphäre geht.

Und Erik Cohen bringt auch den Stahl aufs Gleis: Mit Metal-Anleihen dampft die «Lokomotive» über endlose Schienen. Häufig ist eine ordentliche Portion Sehnsucht mit an Bord, die einen - wie in «Schleswig-Holstein» - immer wieder einholt. Und für geballte Fäuste, ein breites Kreuz und Fan-Gesänge ist «Bomberjacken» da.

Und nach einem Besuch auf der Felseninsel mit den leeren Zellen und den Geistersymphonien («Alcatraz») gibt es noch einen Absacker mit viel Nostalgie im «Café Stietzel»: «Die Erinnerung stirbt nie», singt Erik Cohen - und das sollte ganz sicher nicht nur Nordlichter ansprechen. Und wenn es schon keine Konzerte gibt, so geht es doch ab von «Schleswig-Holstein» bis nach «Alcatraz».

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