Stubete-Gäng-Aurel: «Nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen»
Aurel Hassler spricht mit Nau.ch über Familie, sein Ego, den älter werdenden Papi und darüber, warum hinter der Stubete Gäng nicht immer alles harmonisch läuft.

Das Wichtigste in Kürze
- Stubete-Gäng-Sänger Aurel Hassler spricht offen über Familie, Band und sein Ego.
- Der Bandleader gibt zu: Loslassen und Verantwortung abgeben fällt ihm nicht immer leicht.
- Sein Vater steht wegen Problemen beim Gehen nur noch selten mit der Band auf der Bühne.
- Ob es die Stubete Gäng mit 50 noch genauso gibt, lässt Hassler bewusst offen.
Aurel Hassler würde dieses Interview abbrechen. Sofort.
Dann nämlich, wenn seine Frau anruft und zu Hause gerade nichts geht. Der Zuger Stubete-Gäng-Sänger (41) würde sofort heimfahren. «Die Familie kann man nicht diskutieren. Das andere steht hinten an», sagt Hassler zu Nau.ch.
Und trotzdem nimmt er sich Zeit für dieses Gespräch. Obwohl bei der Stubete Gäng gerade einiges läuft: Albumrelease, Samichlaus-Tour, Band im Dauereinsatz.

Diese Trennung gelingt Hassler heute besser. «Ich gehe als Aurel, als Familienvater und Ehemann ins Bett. Die Stubete Gäng ist meine Arbeit.»
«Mein Ego hat damit Mühe»
Der Bandleader gibt zu, was in seinem Job ungern jemand zugibt: Er musste lernen, loszulassen.
Hassler ist einer, der gerne antreibt. Einer, der Ideen entwickelt und Dinge durchzieht. «Ich habe unglaublich Drive und Feuer im Füdli», sagt er.
Das habe der Stubete Gäng gerade in den ersten Jahren geholfen. Heute brauche es ihn aber längst nicht mehr überall.
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Die anderen würden selber Verantwortung übernehmen und anpacken. Für Hassler bedeutet das: einen Schritt zurück machen. Einfach ist das nicht immer.
«Manchmal ist es für mein Ego weniger einfach, loszulassen und andere machen zu lassen.» Trotzdem weiss er: «Das Ganze ist nicht von mir abhängig, sondern Teamwork.»
Seine Jungs machen zu Hause Konzert
Zuhause wartet auf Hassler ein anderes Publikum. Mit seiner Frau und den beiden Söhnen, fünf und bald acht Jahre alt, lebt er in Sins AG.
Die Jungs kennen das Leben mit der Stubete Gäng von klein auf. Zu Hause hören sie die Musik ihres Papis und veranstalten selber Konzerte.
Auch an richtige Auftritte kommen sie gerne mit. Besonders spannend finden sie offenbar das Drumherum: Backstage, Technik, Ausladen und wieder Einladen.
«Sie sind sehr interessiert für den ganzen Ablauf eines Konzerts», erzählt Hassler.
Nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen
So viel Harmonie, so viel gute Laune: Das gehört zum Bild der Stubete Gäng. Hinter den Kulissen sieht es natürlich nicht immer gleich aus.
«Es ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen», sagt Hassler.
Auch in der Band gebe es Dispute und Meinungsverschiedenheiten. Als Bandleader habe er lernen müssen, diese stärker zuzulassen.
Mit Bruder Moritz braucht es manchmal ohnehin nicht viele Worte.

Die beiden kennen sich so gut, dass ein Blick reicht, wenn einer gerade zu viel Gas gibt oder sich zurücknimmt.
Wer sturer ist?
Moritz könne bei gewissen Dingen ziemlich standhaft sein. Aurel selbst wiederum habe genug Drive, um etwas unbedingt durchdrücken zu wollen.
Doch früher habe es in der Familie einen klaren Sieger gegeben. «Der Sturste war sicher der Papi (81). Der hat Vollgas durchgezogen.»
Der Papi fehlt immer öfter
Und genau dieser Papi steht heute nur noch selten mit seinen Söhnen auf der Bühne. «Er hat manchmal Mühe mit dem Laufen», erzählt Hassler.
Lange Reisen und Konzerttage seien für seinen Vater inzwischen zu anstrengend.
Bei einem Konzert im Mai in Zug kam er deshalb zum Soundcheck, fuhr danach nochmals nach Hause und kehrte erst für den Auftritt zurück.

Die Band hat sich längst darauf eingestellt, dass der Vater nicht mehr immer dabei ist. «Der Papi als Teil der Stubete Gäng, das geht gut ohne ihn.»
Hart meint Hassler das nicht. Im Gegenteil. «Sein Wesen schwingt, vibt immer etwas mit.»
Und mit dem Älterwerden seines Vaters verändert sich auch bei Aurel etwas.
«Es gibt Momente, in denen ich mich ganz fest als Sohn fühle, wie ich das vorher noch nie gemacht habe.» Manchmal besuche er ihn am Morgen und frage schlicht: «Wie geht es? Wie hast du geschlafen?»
Stubete Gäng mit 50?
Vielleicht ist es auch deshalb kein Thema für Hassler, dass alles für immer genau so bleiben muss.
Auf die Frage, ob er sich die Stubete Gäng mit 50 noch genauso vorstellen könne, kommt die Antwort zunächst deutlich. «Nein, überhaupt nicht.»
In seinem Geschäft plane man ohnehin nur ungefähr eineinhalb bis zwei Jahre voraus. Das heisst nicht, dass er in neun Jahren nicht mehr auf der Bühne stehen will.
«Wenn es mit 50 so sein soll, dann bin ich sicher dabei. In welcher Form auch immer.»
Und wenn nicht? Dann eben nicht. «Da mache ich mir keine Sorgen.»
Musik werde es in seinem Leben sowieso geben. Hassler macht auch eigene Projekte und tritt solo auf.
An einer Sache will er deshalb nicht festhalten: dass die Stubete Gäng für immer genauso aussehen muss wie heute. «Das Leben ist zu vielseitig.»








