Pleite wegen Festival im Hallenstadion: Wie weiter bei Countrypapst?
Sein Traum vom eigenen Countryfestival endete im Konkurs. Doch der Zürcher «Countrypapst» Albi Matter denkt nicht ans Aufhören.

Das Wichtigste in Kürze
- Sein grosser Traum vom eigenen Countryfestival im Hallenstadion endete im Konkurs.
- Ans Aufhören denkt der Zürcher «Countrypapst» Albi Matter deswegen aber nicht.
Seit 40 Jahren organisiert der Stadtzürcher Albi Matter erfolgreich Countrykonzerte. Zum Jubiläum wollte er sich Ende März mit einem eigenen Grossanlass, dem Albi's Country Festival, einen lang gehegten Traum erfüllen und wählte dafür mit dem Hallenstadion die grösste Eventarena der Stadt.
Doch der erhoffte Erfolg blieb aus: Deutlich weniger Besucherinnen und Besucher als erwartet kamen zum Anlass, Matter musste in der Folge mit der eigens dafür gegründeten Albi's Country Festival AG Konkurs anmelden.
Der Countrymusik und der Eventbranche kehrt der 75-Jährige deswegen aber nicht den Rücken.
Redaktion: Das Albi’s Country Festival blieb hinter den Erwartungen zurück. Sie mussten erstmals in 40 Jahren Konkurs anmelden. Was macht das mit einem?
Albi Matter: In erster Linie ist man natürlich enttäuscht, wenn man so viel Herzblut in etwas steckt und es am Ende nicht so läuft, wie man gehofft hat. Wichtig war mir, dass ich die Rechnungen begleichen kann.
Musiker, Hotels und Marketing sind bezahlt. Einzig bei den technischen Leistungen musste ich Abstriche machen, bin dort aber auf Verständnis gestossen. Dennoch blicke ich positiv zurück.
Musikalisch und von der Stimmung her war das Festival für mich ein Hit. Von den Bands und vom Publikum habe ich eigentlich nur sehr gute Rückmeldungen bekommen. Es kamen einfach zu wenig Leute.

Redaktion: 6500 zahlende Besucherinnen und Besucher hätte es gebraucht, 4500 sind gekommen. Dabei hatten Sie ein exklusives Line-up und viel ins Marketing gesteckt. Warum blieb das Publikum fern?
Matter: Darüber kann man nur spekulieren. Ein neuer Anlass hat es immer schwer, von Anfang an genügend Leute anzuziehen. Vielleicht lag es am Datum.
Oder an der wirtschaftlichen Lage, viele Menschen haben nicht mehr viel im Portemonnaie für den Ausgang. Vielleicht aber lag es auch an einer gewissen Abneigung gegenüber traditioneller US-Musik, weil die USA unter Trump nicht gerade beliebt sind. Ich weiss es nicht.
Redaktion: War das Hallenstadion am Ende schlicht eine Nummer zu gross?
Matter: Das glaube ich nicht. Die Countryszene in der Schweiz ist gross, das weiss ich aus 40 Jahren Erfahrung. Ich stehe nach wie vor hinter dem Entscheid für das Hallenstadion.
Ob es in einer kleineren Halle besser gelaufen wäre, weiss niemand. Im Nachhinein kann man vieles sagen.
Redaktion: Waren vielleicht die Ticketpreise zu hoch?
Matter: Nein, auf keinen Fall. Sie waren für diese Menge an hochkarätigen Bands sogar sehr tief angesetzt. Mir ist es seit jeher wichtig, dass sich möglichst viele Menschen einen solchen Anlass leisten können.
Redaktion: Die Veranstaltungsbranche ist härter geworden. Künstlergagen und generelle Kosten steigen, gleichzeitig entscheidet sich das Publikum immer kurzfristiger für den Ticketkauf. So manche Grossveranstaltung pausiert deswegen oder wird wegen mangelnder Vorverkaufszahlen abgesagt. Wie stark haben Sie diese Entwicklung gespürt?
Matter: Sehr stark. Das Festival verursachte Kosten von rund 650’000 Franken, allein die Künstlergagen machten etwa einen Drittel davon aus, obwohl mir die Bands sogar entgegengekommen sind.

Im Herbst vor dem Anlass merkte ich erstmals an den Ticketverkäufen, dass es schwierig werden könnte. Mein damaliger Geschäftspartner stieg aus dem Projekt aus, zudem wurden mir von ihm zugesagte 100’000 Franken nicht ausbezahlt.
Mit diesem Geld hätte ich den Konkurs wohl abwenden können. Aber ich bin einer, der etwas durchzieht, wenn er es sich einmal in den Kopf gesetzt hat. Nun hat das zum ersten Mal nicht funktioniert.
Redaktion: Sie sprechen sehr offen über den Konkurs. Wie sind die Reaktionen darauf?
Matter: Ich habe nichts zu verbergen und gehe deshalb offen damit um. Damit habe ich kein Problem. Die Reaktionen waren sehr positiv. Hunderte Menschen haben sich bei mir gemeldet und mir Mut gemacht. Das hat mich sehr gefreut.
Redaktion: Gab es trotzdem einen Moment, in dem Sie dachten: Jetzt höre ich ganz auf?
Matter: Nein. Ich bin jetzt 75, natürlich macht man irgendwann etwas weniger. Aber ich habe noch immer genug Energie und Lust, weiterzumachen.
Country ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Teil meines Lebens, das hört nicht einfach von heute auf morgen auf.
Redaktion: Das heisst, es könnte nochmals ein Festival von Ihnen geben?
Matter: Sag niemals nie! Im Moment ist zwar nichts Konkretes geplant, aber ausschliessen würde ich es nicht.
Redaktion: Ihre Hauptfirma Show & Music AG ist aber noch gesund. Ein Erfolg von dieser ist Ihr Country-Schiff, «Country Music on the River», das Ende September wieder stattfindet. Wie läuft es dort?
Matter: Sehr gut. Für dieses Jahr haben wir nur noch zwei oder drei Kabinen frei, und wir planen bereits die Ausgabe 2027. Das zeigt mir auch, dass das Interesse an Country nach wie vor vorhanden ist.
Redaktion: Ausserdem sind Sie weiterhin als Manager von Florian Fox tätig. Langweilig dürfte Ihnen also nicht werden.
Matter: Nein, bestimmt nicht! Florian Fox wird immer erfolgreicher, da kommt noch einiges auf uns zu. Solange ich kann, werde ich mich weiter für die Countrymusik einsetzen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.








