Stadt Zürich

Lämpchen-Verbot auf Resti-Terrassen: Jetzt schaltet sich Politik ein

Jan Strobel
Jan Strobel

Zürich,

Das Verbot von LED-Lämpchen und Lichterketten auf Zürcher Gastroterrassen soll gelockert werden, fordern die Jungfreisinnigen.

Präsident der Jungfreisinnigen Stadt Zürich, kämpft für eine Lockerung der Vorschriften.
Elias Pernet, Präsident der Jungfreisinnigen Stadt Zürich, kämpft für eine Lockerung der Vorschriften. - PD

Das Wichtigste in Kürze

  • In Zürich sind auf öffentlichem Grund für die Boulevardgastronomie elektrische Beleuchtungen nicht gestattet.
  • Das sorgt bei Gastronomen und Gastroverbänden für Unverständnis.
  • Auch auf politischer Ebene sorgt das «Lämpligate» jetzt für Bewegung.

Ende Juni, als die Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher gerade der nächsten Hitzewelle entgegen ächzten, präsentierten sich die Terrassen der Bars und Restaurants bestens besetzt. Die Boulevardgastronomie, so schien es, blickte ihrer besten Saison entgegen.

Doch dann sorgte das «Lämpligate», angestossen durch die Berichterstattung des «Tagblatts» (Ausgabe vom 1. Juli) für Misstöne. Auf der Terrasse des Hotels & Brasserie Spirgarten am Lindenplatz in Zürich-Altstetten hatte die Gewerbepolizei durchgegriffen.

Die dortigen LED-Lämpchen auf den Tischen und die Outdoor-Lichterkette mussten weg. Die Spirgarten-Direktorin, so das Verdikt, hatte gegen den städtischen «Leitfaden zur Boulevardgastronomie», herausgegeben vom Tiefbauamt, verstossen.

Auf öffentlichem Grund, schreibt der Leitfaden unter anderem fest, sind für die Boulevardgastronomie elektrische Beleuchtungen jeglicher Art nicht gestattet.

Beleuchtung
Die Beleuchtung der Terrasse des Hotel & Brasserie Spirgarten musste verschwinden. - PD

Das Vorgehen sorgte bei Gastronomen und Gastroverbänden für Unverständnis. Der Leitfaden, so die Kritik, sei zu rigide, die Gastrobranche werde damit geschädigt.

Lebendigkeit gebremst?

Auch auf politischer Ebene sorgte das «Lämpligate» jetzt für Bewegung. In einer Einzelinitiative fordern die Stadtzürcher Jungfreisinnigen im Gemeinderat unter anderem auch mit Unterstützung von Gastro Stadt Zürich «mehr Gestaltungsfreiheit für die Boulevardgastronomie».

Die Vorschriften des städtischen Leitfadens würden «weit über legitime Sicherheits-, Ordnungs- und Schutzanliegen hinausgehen», so die Initiantinnen und Initianten. Das Tiefbauamt begründete das Verbot von LED-Lämpchen und Lichterketten auf städtischem Grund mit der Reduktion der Lichtverschmutzung.

Licht, das «zu hell oder unspezifisch» in die Umgebung abgestrahlt werde, könne Flora und Fauna schädigen und die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen. Zudem gelte die Verordnung bereits seit 2008, sei also längst verankert.

Künftig, so die Forderung der Jungfreisinnigen, sollen verbindliche Vorgaben nur noch zulässig sein, «wenn sie der Sicherheit, der Hindernisfreiheit, dem Schutz vor übermässigen Emissionen, der Wahrung des Stadtbilds oder der Umsetzung übergeordneten Rechts dienen.»

Findest du das Verbot von Lichtern auf Restaurantterrassen sinnvoll?

Alle «weitergehenden Detailvorgaben» sollen künftig als unverbindliche Empfehlungen ausgestaltet werden. So soll auch elektrische Beleuchtung auf Terrassen zulässig sein.

Für Elias Pernet, Präsident der Jungfreisinnigen Stadt Zürich, ist klar: «Der Leitfaden Boulevardgastronomie steht exemplarisch für eine zu kleinteilige Regulierung, die den Betrieben unnötigen Aufwand verursacht und die Lebendigkeit des städtischen Innenraums bremst.»

Die Stadt plant zumindest eine Ergänzung des Leitfadens. Kleinere Lämpchen, die nicht nach oben leuchten, könnten erlaubt werden.

Nun muss der Gemeinderat innert sechs Monaten über die Einzelinitiative der Jungfreisinnigen befinden. Für eine Überweisung an den Stadtrat sind mindestens 42 Stimmen aus dem Rat nötig.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

Kommentare

User #5318 (nicht angemeldet)

Problembewirtschaftjng für Mitte-Links, die einen verbieten, dass andere erlauben können. Dann wirds wiederverboten wegen Lichtsmog und den armen Insekten.

User #5190 (nicht angemeldet)

Leute die die nichts gescheites zu tun, als solche Verbote zu erfinden, sollte man entlassen. Nebenbei ist es reine Steuergeld Verschwendung.

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