Oberland

    «Mister Cordon» liebt erstmals einen Mann – 90 Menschen suchen Rat

    Nach seinem offenen SRF-Auftritt wird «Mister Cordon» Chris Rosser mit Nachrichten überhäuft. Bis zu 90 Menschen vertrauen ihm ihre eigenen Geschichten an.

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    Chris Rosser erzählt Mira Weingart wie er bei Tinder auf Männer switchte. - SRF

    Das Wichtigste in Kürze

    • Chris Rosser (43) ist als «Mister Cordon» und Cordon-bleu-Unternehmer bekannt.
    • Bei SRF spricht er offen über seine erste Beziehung mit einem Mann.
    • Danach melden sich laut Rosser bis zu 90 Menschen bei ihm.

    Man kennt Chris Rosser (43) als «Mister Cordon». Der Berner Oberländer steckt hinter der gleichnamigen Restaurantkette, bei der sich alles ums Cordon bleu dreht.

    Vor fünf Jahren wurde Rosser für «SRF bi de Lüt» porträtiert. Damals stand vor allem sein Hotel- und Gastro-Projekt in Adelboden im Mittelpunkt. Der Unternehmer hatte viel Geld investiert, auf Digitalisierung gesetzt und mit seinem Konzept im Dorf für Diskussionen gesorgt.

    Kürzlich bekam Rosser erneut Besuch vom SRF. Moderatorin Mira Weingart wollte wissen, was aus ihm und seinen damaligen Plänen geworden ist.

    Dabei zeigte sich schnell: Nicht nur geschäftlich hatte sich einiges verändert. Vor allem privat gab es eine Überraschung.

    Rosser erzählte von seiner Scheidung und davon, dass er sich erstmals in einen Mann verliebt hat. Sein Partner Mike war schliesslich sogar selbst Teil der Sendung. Heute leben sie in Interlaken zusammen.

    Chris Rosser
    Chris Rosser spricht bei «SRF bi de Lüt» offen über seine Beziehung zu Mike. Heute leben die beiden gemeinsam in Interlaken. - SRF

    Was diese Offenheit nach der Ausstrahlung auslösen würde, ahnte Rosser zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

    «80, 90 Leute haben sich bei mir gemeldet», erzählt er im Gespräch mit Nau.ch.

    Viele wollten nicht einfach gratulieren

    Die meisten Nachrichten seien weit mehr gewesen als ein Glückwunsch zur neuen Beziehung.

    Menschen erzählten Rosser von ihren eigenen Gefühlen, Unsicherheiten und Lebenssituationen. Einige hätten jahrelang nicht gewagt, offen darüber zu sprechen. Darunter seien auch verheiratete Männer gewesen, die schon lange wüssten, dass etwas in ihrem Leben nicht stimme, sagt Rosser.

    Chris Rosser
    Der Familientisch bei Chris Rosser sieht heute anders aus. - SRF

    Andere hätten eine Geschichte erlebt, die seiner eigenen ähnelt.

    Denn Rosser selbst hatte nach eigener Aussage zuvor nie damit gerechnet, sich einmal in einen Mann zu verlieben.

    «Ich wäre noch nie auf die Idee gekommen, dass das für mich eine Variante ist.»

    30 bis 40 persönliche Gespräche

    Bei Nachrichten blieb es nicht.

    Mit rund 30 bis 40 Menschen führte Rosser längere Gespräche. Manche riefen ihn an, mit anderen sprach er per Video-Call. Wieder andere traf er persönlich auf einen Kaffee oder Apéro.

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    Teilweise hätten diese Gespräche eine halbe Stunde, teilweise eine Stunde gedauert. Insgesamt seien so rund 40 bis 45 Stunden zusammengekommen.

    Rosser nahm sich die Zeit bewusst. «Ich hatte das Gefühl, ich konnte extrem viel geben.» Einige hätten ihm sogar angeboten, für ein Gespräch zu bezahlen. Für Rosser kam das nicht infrage.

    «Du hast mir Mut gegeben»

    Besonders berührten ihn Menschen, die ihm erzählten, sein Auftritt habe ihnen tatsächlich geholfen. «Du hast mir Mut gegeben», hätten ihm mehrere gesagt. Manche hätten danach selbst etwas in ihrem Leben verändert und sich später nochmals bei ihm gemeldet. Ihnen gehe es heute besser.

    Doch längst nicht alle Geschichten waren positiv. Rosser hörte auch von Menschen, die von ihren Familien ausgegrenzt wurden oder psychisch stark unter ihrer Situation litten.

    Chris Rosser
    Chris Rosser ist als «Mister Cordon» bekannt. Hier steht der Unternehmer vor der Cordon-bleu-Maschine seiner gleichnamigen Restaurantkette. - SRF

    «Teilweise schlimme Geschichten», sagt er. Manche davon hätten ihn noch lange beschäftigt.

    Für ihn selbst sei die Situation vergleichsweise unkompliziert gewesen. Sein enges Umfeld habe schon vor der Sendung von Mike gewusst. Negative Reaktionen auf die Beziehung habe er nach der Ausstrahlung keine einzige erhalten. «Null.»

    Das überraschte Rosser auch deshalb, weil er öffentliche Kritik durchaus kennt. Nach der früheren SRF-Begleitung über sein Hotel- und Gastro-Projekt in Adelboden habe er sogar Drohungen erhalten.

    Dieses Mal sei es völlig anders gewesen.

    «Ich hatte keinen Plan»

    Dass heute ausgerechnet Menschen bei ihm Rat suchen, findet Rosser selbst bemerkenswert. Denn einen grossen Plan hatte er bei seiner eigenen Geschichte nicht. «Ich hatte keinen Plan. Ich habe es einfach gemacht.»

    Menschen, deren Gefühle plötzlich nicht mehr zum bisherigen Selbstbild passen, gibt er deshalb einen einfachen Rat mit: «Go with the flow.»

    Und noch etwas sei ihm wichtig geworden. «Das schönste Gefühl, das man haben kann, ist, wenn man sich selber sein darf.»

    Kommentare

    User #4605 (nicht angemeldet)

    Warum muss man zuerst Familie haben, das ist unverantwortlich.

    User #2539 (nicht angemeldet)

    Cordon Bleu liebt erstmals einen Mann – 90 Menschen suchen 👀

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