Das sagt Marc Sway zum Auftritt im Kinotheater Madlen

    Manuela Müller
    Manuela Müller

    St. Margrethen,

    Das Kulturbrugg Festival findet vom 16. bis 25. September im Kinotheater Madlen statt. Mit dabei ist auch Sänger Marc Sway.

    Marc Sway tritt im Rahmen des Kulturbrugg Festivals im 
Kinotheater Madlen auf.
    Marc Sway tritt im Rahmen des Kulturbrugg Festivals im Kinotheater Madlen am 25. September auf. - zVg

    Vom 16. bis 25. September findet das Kulturbrugg Festival im Kinotheater Madlen statt. Auf dem Programm steht auch Sänger Marc Sway, den sich die Veranstalter bereits seit Jahren auf der Madlen-Bühne wünschen.

    Redaktion: Denise Zellweger, wie lange hat das Kino-Madlen-Team bereits darauf gehofft, den Sänger Marc Sway zu sich auf die Bühne zu holen?

    Denise Zellweger (Kinotheater Madlen): Wir haben bereits seit mehreren Jahren versucht, Marc Sway für uns zu gewinnen. Entweder passte es nicht in den Tourplan oder es überstieg unser Budget.

    Nun ist es ein Glücksfall, dass Marc Sway mit seiner speziellen Unplugged Tour unterwegs ist, und so auch in kleineren Locations auftritt. Zudem konnten wir seine Schwester Carmen mit ihrem Kinderprogramm für das diesjährige Kulturbrugg Festival gewinnen.

    Redaktion: Welche Wünsche habt ihr bisher für die Künstlerinnen und Künstler erfüllt und gibt es vielleicht schon etwas, das sich Marc Sway vor oder nach seinem Auftritt im Madlen wünscht?

    Marc Sway
    Marc Sway wird auch seinen Auftritt haben. - keystone

    Zellweger: Marc hat gar keine Sonderwünsche. Bei anderen Künstlern mussten wir schon spezielle Getränke (vom Champagner bis zum Whiskey) oder Speisen organisieren. Teilweise sind auch spezielle Betten oder Ähnliches gewünscht.

    Teilweise werden auch spezielle Technikwünsche an uns herangetragen, welche dann sehr schwierig zu erfüllen sind oder bei uns im Theater gar nicht möglich sind. Aber wir haben schon mit jedem Künstler einen Weg gefunden.

    Redaktion: Das Kulturbrugg Festival findet jedes Jahr statt. Was macht das Festival so besonders?

    Zellweger: Das besondere am Kulturbrugg Festival ist, dass innerhalb von wenigen Tagen die verschiedensten Sparten der Kultur bei uns auf der Bühne vertreten sind.

    Ob ein besonderer Vortrag mit Brain Buster, alte Hasen und Newcomer der Comedy Scene, ein Chor mit Bigband Formation oder die Highlights aus der CH Musikszene – es findet sich für jeden etwas. Unser Ziel ist es, dass der interessierte Besucher mal auf eine andere Sparte stösst und diese Show besucht und so eine neue Sparte kennenlernt.

    Marc Sway: «Musik verändert sich»

    Auch Musiker Marc Sway verrät, worauf sich Konzertbesucherinnen und -besucher freuen können, was sich in 20 Jahren in der Musikbranche verändert hat und was er am Konzertort in Heerbrugg am meisten schätzt.

    Redaktion: Sie sind bereits seit über 20 Jahren im Musikbusiness tätig. Wie hält man sich so lange im Business, ohne dass man vergessen wird?

    Marc Sway: Ich glaube, indem man nicht versucht, krampfhaft relevant zu bleiben. Ich habe immer versucht, bei mir zu bleiben und gleichzeitig neugierig zu sein. Musik verändert sich, die Art, wie wir sie konsumieren, verändert sich – aber Emotionen verändern sich nicht.

    Wenn ich auf einer Bühne stehe, möchte ich Menschen berühren, sie zum Tanzen, zum Lachen oder vielleicht auch einmal zum Nachdenken bringen.

    Und vielleicht gehört nach über 20 Jahren auch dazu, dass man akzeptiert, dass eine Karriere Wellen hat. Manchmal bist du überall, manchmal etwas weniger sichtbar. Entscheidend ist, dass du weiterarbeitest und nicht aufhörst, dich zu entwickeln.

    Redaktion: In der Musikindustrie läuft vieles anders als noch vor 20 Jahren. Wie kommen Sie mit dem Lauf der Zeit zurecht?

    Sway: Ich finde die Entwicklung grundsätzlich spannend. Als ich angefangen habe, waren Plattenverkäufe, Radio und Fernsehen unglaublich wichtig. Heute kann ein Song innerhalb weniger Stunden über Social Media um die Welt gehen.

    Künstlerinnen und Künstler können viel direkter mit ihrem Publikum kommunizieren. Natürlich gibt es Seiten, die ich kritisch sehe. Alles ist schneller geworden und teilweise auch kurzlebiger. Manchmal fehlt mir etwas die Zeit, die Musik früher bekommen hat.

    Aber ich möchte nicht der Typ sein, der sagt: «Früher war alles besser.» Das stimmt nämlich nicht. Es war einfach anders.

    Meine Aufgabe ist es, neugierig zu bleiben und herauszufinden, wie ich meine Musik und meine Geschichten in dieser neuen Welt erzählen kann.

    Redaktion: Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen, wenn Sie wieder 23 und vor der Unterzeichnung Ihres ersten Plattenvertrages stünden?

    Sway: Wahrscheinlich würde ich meinem 23-jährigen Ich sagen: Entspann dich ein bisschen. (lacht)

    Man glaubt in diesem Alter, dass jede Entscheidung über die gesamte Karriere entscheidet. Heute weiss ich: Es gibt unglaublich viele Wege und Umwege.

    Besuchst du gerne Festivals?

    Natürlich habe ich Fehler gemacht und Entscheidungen getroffen, die ich heute vielleicht anders treffen würde. Aber genau diese Erfahrungen haben mich zu dem Musiker und Menschen gemacht, der ich heute bin. Deshalb würde ich wahrscheinlich gar nicht so viel verändern. Vielleicht würde ich einfach früher lernen, meiner eigenen Intuition noch stärker zu vertrauen.

    Redaktion: Den Start haben Sie bei einer deutschen Musikagentur gemacht. Nun sind Sie bei einem Schweizer Label unter Vertrag. Was würden Sie sagen, wo hat man als aufstrebender Künstler heutzutage die besten Karrierechancen?

    Sway: Ich glaube, diese Frage kann man heute fast nicht mehr geografisch beantworten. Die Grenzen sind viel weniger wichtig geworden. Du kannst heute einen Song in einem kleinen Studio in der Schweiz schreiben und plötzlich wird er irgendwo auf der anderen Seite der Welt gehört.

    Viel entscheidender ist, die richtigen Menschen um sich zu haben. Menschen, die an dich glauben, dich herausfordern und verstehen, wer du als Künstler bist. Natürlich ist die Schweiz ein kleiner Markt.

    Das kann eine Herausforderung sein. Gleichzeitig haben wir hier eine unglaublich hohe Qualität und Möglichkeiten, von denen junge Künstler früher nur träumen konnten.

    Ich würde deshalb nicht fragen: Schweiz oder Deutschland? Sondern: Wo finde ich das Umfeld, in dem meine Musik wachsen kann?

    Redaktion: Was hat sich in dieser Zeit am meisten an Ihnen als Mensch und Musiker verändert?

    Sway: Ich bin gelassener geworden. Früher wollte ich wahrscheinlich viel mehr beweisen. Heute weiss ich besser, wer ich bin – und auch, wer ich nicht sein muss.

    Als Musiker habe ich gelernt, dass weniger manchmal mehr ist. Nicht jeder Moment muss laut sein. Gerade live können die leisen Momente unglaublich gross werden.

    Und als Mensch haben natürlich meine Familie, meine Kinder und all die Begegnungen der letzten Jahre meine Perspektive verändert. Erfolg bedeutet für mich heute etwas anderes als mit 23.

    Redaktion: Ihr bürgerlicher Name ist Stefan Marc Bachofen Lopes, wie kam der Künstlername Marc Sway zustande?

    Sway: Das ist eigentlich eine ziemlich einfache Geschichte.

    Jemand hat irgendwann zu mir gesagt: «Stop swaying!» – weil ich mich beim Singen ständig hin und her bewegt habe. Irgendwie ist dieses «Sway» hängengeblieben.

    Und es hat gepasst. Marc ist mein zweiter Vorname und aus Marc und Sway wurde irgendwann Marc Sway. Damals hätte ich natürlich nicht gedacht, dass mich über 20 Jahre später die meisten Menschen unter diesem Namen kennen.

    Redaktion: Wie hat Ihnen die Musik bei der Bewältigung des Alltags mit Legasthenie damals geholfen?

    Sway: Musik war für mich immer ein Ort, an dem andere Regeln galten.

    In der Schule gab es Momente, in denen ich gemerkt habe: Andere können gewisse Dinge einfacher oder schneller als ich. In der Musik war das plötzlich nicht entscheidend.

    Da konnte ich über Rhythmus, Melodie, Gefühl und meine Stimme ausdrücken, was in mir war. Das hat mir unglaublich viel Selbstvertrauen gegeben. Und vielleicht hat es mir auch früh gezeigt, dass Intelligenz und Talent ganz unterschiedliche Formen haben können. Wenn eine Tür etwas schwieriger aufgeht, bedeutet das nicht, dass es nicht noch zehn andere Türen gibt.

    Marc Sway
    Sänger Marc Sway. - keystone

    Redaktion: Worin finden Sie heutzutage die Leichtigkeit, die Sie in Ihren Songs übermitteln wollen?

    Sway: Sehr oft in kleinen Dingen. In meiner Familie, meinen Kindern, einem guten Gespräch, gemeinsamem Essen, Reisen – oder in einem Moment auf der Bühne, in dem plötzlich der ganze Raum dasselbe fühlt.

    Wir leben in einer Zeit, in der sehr viel über das gesprochen wird, was uns trennt. Mich interessiert immer stärker das Gegenteil: Was bringt uns näher zusammen? Wo finden wir Gemeinsamkeiten?

    Musik kann genau das. Für zwei Stunden spielt es keine Rolle, woher du kommst, wie alt du bist oder was du glaubst. Du singst denselben Song wie die Person neben dir. Diese Momente bedeuten mir heute sehr viel.

    Redaktion: Sie waren im Jahr 2019 bereits am «Sommer im Park» in Heerbrugg. Wie haben Sie die Umgebung und die Menschen wahrgenommen?

    Sway: Ich habe den «Sommer im Park» als sehr schönen und herzlichen Anlass in Erinnerung. Was mir besonders geblieben ist, ist die Nähe zu den Menschen und die Stimmung vor Ort. Es sind genau diese Konzerte, bei denen man sehr schnell das Gefühl bekommt, den Abend wirklich gemeinsam mit dem Publikum zu erleben.

    Umso schöner ist es, jetzt wieder nach Heerbrugg zurückzukommen – dieses Mal in einem ganz anderen, intimeren Rahmen im Kinotheater Madlen. Und wer weiss: Vielleicht ergibt sich ja irgendwann auch wieder die Gelegenheit, mit der grossen Band nach Heerbrugg zurückzukehren. Das würde mich auf jeden Fall sehr freuen.

    Redaktion: Was erwartet das Publikum im Kinotheater Madlen am 25. September? Was sollten die Besucherinnen und Besucher bestenfalls im Nachhinein ihren Freunden und Bekannten über das Marc Sway-Konzert erzählen?

    Sway: Ich hoffe, sie sagen: «Du hättest dabei sein müssen.» Das ist eigentlich das schönste Kompliment für ein Live-Konzert.

    Wir wollen keinen Abend spielen, den man genauso auf Spotify erleben könnte.

    Wir erzählen Geschichten, wir lachen, wir verändern Songs, es entstehen spontane Momente und natürlich gibt es Musik aus über 20 Jahren. Gerade in einem Kinotheater kann man sehr nahe sein und trotzdem grosse musikalische Momente schaffen.

    Diese Mischung liebe ich. Ich möchte, dass die Leute nach Hause gehen mit etwas mehr Energie, vielleicht einem Song im Kopf – und vor allem mit dem Gefühl, gemeinsam einen besonderen Abend erlebt zu haben.

    Redaktion: Wie entscheidet man sich bei etlichen eigenen Songs für die jeweils passende Setlist fürs Konzert?

    Sway: Das wird tatsächlich immer schwieriger. (lacht) Nach über 20 Jahren gibt es Songs, von denen das Publikum erwartet, dass sie dabei sind. Gleichzeitig möchte ich nicht jeden Abend einfach dieselbe Best-of-Liste spielen.

    Eine Setlist ist für mich wie eine Geschichte. Sie braucht einen Anfang, Spannung, Überraschungen, Ruhe und natürlich einen Schluss. Wir überlegen deshalb nicht nur: Welche Songs spielen wir?

    Sondern: Was soll das Publikum in diesem Moment fühlen? Und manchmal merkt man während des Konzerts, dass der Abend etwas anderes braucht – dann muss man auch den Mut haben, spontan zu reagieren.

    Redaktion: Sie sind Vater zweier Töchter, die bereits mit Ihnen auf der Bühne standen. Werden Sie auch in Heerbrugg mit dabei sein?

    Sway: Im Unplugged-Programm sind meine Töchter nicht Teil der Show – aber sie sind natürlich immer wieder sehr gerne im Publikum dabei.

    Das Schöne an unserer Band und an dem, was wir über die Jahre aufgebaut haben, ist, dass wir heute in ganz unterschiedlichen Formationen und Projekten unterwegs sein können.

    Hast du schon mal ein Konzert von Marc Sway besucht?

    Mal ganz reduziert und nahe wie jetzt bei der Unplugged-Tour, mal mit grosser Band und einer entsprechend grossen Show, und manchmal entstehen wieder ganz andere Konstellationen.

    Ich finde das unglaublich schön, weil nicht jeder Ort und nicht jede Geschichte dasselbe braucht. Wir können für unterschiedliche Situationen die passende musikalische Form finden – und trotzdem bleibt es immer Marc Sway.

    Redaktion: Gibt es einen Traum, den Sie sich musikalisch noch erfüllen möchten?

    Sway: Sehr viele. Und das finde ich nach über 20 Jahren eigentlich das Schönste. Ich habe gerade wieder das Gefühl, dass ein neues Kapitel beginnt.

    Mich reizt es enorm, Musik ausserhalb meiner gewohnten Umgebung entstehen zu lassen, mit Menschen aus anderen Kulturen zusammenzuarbeiten und herauszufinden, was passiert, wenn unterschiedliche musikalische Welten aufeinandertreffen. Je länger ich Musik mache, desto weniger interessiert mich eigentlich das nächste «grössere» Ziel.

    Mich interessieren Geschichten, die ich noch nicht erzählt habe, Menschen, die ich noch nicht getroffen habe, und Orte, an denen ich noch keine Musik gemacht habe. Wenn diese Neugier irgendwann weg wäre, dann würde mir wahrscheinlich etwas fehlen.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst im «Rheintaler Boten» erschienen.

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