Anzeige gegen Mike Müller: Strafrechtler sieht wenig Chancen
Ein AfD-Wähler zeigt Mike Müller wegen dessen «Nazi»-Aussage an. Ein Strafrechtler sieht wenig Chancen für die Anzeige.

Das Wichtigste in Kürze
- Mike Müller wurde wegen eines Posts über AfD-Wähler angezeigt.
- Strafrechtler Matthias Michlig sieht «eher keine guten Erfolgsaussichten».
- Entscheidend könnte sein, dass Müller keine einzelne Person bezeichnete.
Für Mike Müller (62) hat ein Satz auf der Social-Media-Plattform «X» ein juristisches Nachspiel.
Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt schrieb der Schweizer Schauspieler und Satiriker dort: «Was ich nicht so verstehe, warum der Kanzler eines achtzig Mio.-Landes wegen einer knappen Million Nazis in einem gescheiterten Gliedstaat zurücktreten soll.»

Das liess Peter Müller (46) nicht auf sich sitzen. Der Sohn von «Müllermilch»-Gründer Theo Müller («Alles Müller … oder was?») ist selbst AfD-Wähler. Und lebt seit zehn Jahren im Kanton Zürich.
Er reichte bei der Zürcher Staatsanwaltschaft Anzeige ein. Die Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang einer Anzeige wegen Verdachts auf Verleumdung, übler Nachrede und Beschimpfung.
Doch wie aussichtsreich ist die Anzeige überhaupt?
Strafrechtler zweifelt an Erfolg
Der Zürcher Strafrechtler Matthias Michlig sieht für den Anzeigeerstatter wenig Chancen.
«Aus meiner Sicht hat die Anzeige deshalb eher keine guten Erfolgsaussichten», sagt Michlig gegenüber Nau.ch.

Der Vorwurf, jemand sei ein «Nazi» oder stehe dem Nationalsozialismus nahe, könne durchaus strafrechtlich ehrverletzend sein. Im vorliegenden Fall sei aber entscheidend, dass Mike Müller offenbar eine sehr grosse Gruppe und keine individualisierbare Einzelperson bezeichnet habe.
«Strafantragsberechtigt ist nur die unmittelbar verletzte Person», erklärt Michlig. Bei pauschalen Angriffen auf grosse Gruppen fehle diese unmittelbare Betroffenheit regelmässig.
Deshalb sei bereits fraglich, ob ein einzelner AfD-Wähler überhaupt persönlich antragsberechtigt sei. Michlig: «Genau daran dürfte ein Verfahren am ehesten scheitern.»
Der Strafrechtler stützt sich dabei auf die entsprechende Rechtsprechung des Bundesgerichts.
Darum könnte die Grösse der Gruppe entscheidend sein
Mike Müller hat in seinem Post keine konkrete Person als «Nazi» bezeichnet. Er sprach von «einer knappen Million Nazis».
Genau dieser Unterschied könnte für die Anzeige entscheidend sein. Bei Ehrverletzungsdelikten reicht es nicht automatisch aus, einer angesprochenen Gruppe anzugehören. Entscheidend ist, ob eine Person durch die Aussage unmittelbar betroffen ist.
Bei einer sehr grossen und nicht weiter eingegrenzten Gruppe sieht Michlig diese Voraussetzung als fraglich an.
Mike Müller selbst argumentiert ähnlich. Er sagte: «Ich sage nicht einzelnen Personen, dass sie Nazis sind.» Zudem verwies er auf die Einstufung des AfD-Landesverbands Sachsen-Anhalt durch den dortigen Verfassungsschutz.
Ob die Zürcher Staatsanwaltschaft aufgrund der Anzeige weitere Schritte einleitet, ist derzeit offen.
«Der Bestatter» machte Mike Müller zum TV-Star
Mike Müller ist seit Jahrzehnten eine feste Grösse in der Schweizer Unterhaltungsbranche. Der gebürtige Solothurner studierte an der Universität Zürich Philosophie und stand bereits in den 1980er-Jahren auf der Theaterbühne. Später folgten zahlreiche Engagements in Film, Fernsehen und Theater.

Einem breiten Publikum wurde Müller gemeinsam mit Viktor Giacobbo bekannt. Von 2008 bis 2016 führten die beiden durch die SRF-Satiresendung «Giacobbo/Müller». Auch im Circus Knie standen sie gemeinsam in der Manege.
Seine wohl bekannteste Schauspielrolle spielte Müller in «Der Bestatter». In sieben Staffeln verkörperte er Luc Conrad. Die Schweizer Erfolgsserie sorgt bis heute für Schlagzeilen. Erst Anfang September berichtete Nau.ch, dass der US-Sender ABC an einer amerikanischen Version arbeitet.
Seit der Spielzeit 2025/26 gehört Müller zudem zum Ensemble des Schauspielhauses Zürich. Dort sind auch seine eigenen Stücke «Klassentreffen», «Erbsache» und «Gemeindeversammlung» im Repertoire.
Mike Müller hält sich mit seiner Meinung nicht zurück
Politische und gesellschaftliche Diskussionen sind für Müller auf Social Media nichts Neues.

Schon während der Corona-Pandemie sorgte er mit deutlichen Aussagen für Schlagzeilen. Nau.ch berichtete etwa über seine Kritik an den Freiheitstrychlern und an Corona-Skeptikern. Müller räumte damals selbst ein, dass er auf Twitter manchmal «spitz» und «aggressiv» reagiere.












