Mischa Schiwow übernimmt für das Amtsjahr 2021/22 das Präsidium des Zürcher Stadtparlaments: Der AL-Politiker ist am Mittwochabend mit 107 von 116 massgeblichen Stimmen gewählt worden.
AL-Partei
Mischa Schiwow, Christina Schiller, Andrea Leitner und Niklaus Scherr von der AL-Partei. (Archivbild) - Keystone

Über sein sehr gutes Wahlresultat zeigte sich Schiwow erfreut - und überrascht. Dies habe so nicht erwartet werden können, meinte der 59-Jährige in seiner Antrittsrede.

Denn mit ihm amtet zum ersten Mal ein Vertreter der linken Alternativen Liste als höchster Stadtzürcher. Und der Filmverleiher politisiert, wie er es auch selber bezeichnet, pointiert links von der rot-grünen Mehrheit in der Stadt Zürich.

Dies zeigte sich auch im Rahmen seiner kurzen, äusserst politischen Ansprache, in der er einen Bogen von der Pariser Kommune über jüdische Verfolgung bis zum Fichenskandal - Schiwow wurde als 14-Jähriger erstmals erfasst - spannte. Der Kapitalismus sei nicht das letzte Kapitel der Menschheitsgeschichte, sagte der AL-Politiker, der seit 2016 im Gemeinderat sitzt.

In seinem Präsidialjahr wolle er für eine Stadt einstehen, in der alle Zürcherinnen oder Zürcher seien. Und dies unabhängig davon, ob sie den roten Pass besässen oder nicht, ob sie über eine Aufenthaltsbewilligung verfügten oder nicht. Trotz seiner klaren Haltung - das Amt als höchster Stadtzürcher werde er unparteiisch und überparteilich wahrnehmen, hielt Mischa Schiwow fest.

Als erster Vizepräsident wird ihm Matthias Probst (Grüne) zur Seite stehen. Er erhielt 75 von 99 Stimmen. Neu auf dem Bock sitzen wird Urs Helfenstein (SP), der mit 104 von 116 Stimmen zum zweiten Vizepräsidenten gewählt wurde.

Helen Glaser (SP), die abtretende Ratspräsidentin, blickte in ihrer Abschiedsrede auf «ein besonderes, ein anstrengendes und ein schwieriges Jahr» zurück. Wegen der Geschäftslast habe es ungewöhnlich viele lange Sitzungen gegeben.

Ihr Ziel, die Traktandenliste zu verkürzen, konnte sie dabei aber nicht erreichen; einerseits weil in der wachsenden Stadt immer neue Aufgaben entstehen, andererseits weil die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte mit neuen Vorstössen äusserst produktiv waren, wie Glaser bilanzierte.

Wegen des Coronavirus und den damit verbundenen Einschränkungen war das Jahr anders, als sie es sich vorgestellt hatte: Glaser sprach von viel Pflicht, wenig Kür. Denn gerade die Veranstaltungen ausserhalb des Ratsbetriebes hätten ihr gefehlt. «Ich war neugierig auf die neuen Kontakte, auf neue Personen», sagte sie.

Von einem Jahr mit «viel Arbeit, wenig Feiern» sprach auch Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP). Und sie versprach, dass sie Helen Glaser nach der Corona-Pandemie zu Veranstaltungen einladen werde, auch wenn deren Jahr als Ratspräsidentin abgelaufen sei.

Mehr zum Thema:

Corine Mauch Coronavirus