Winterthur: Stromtarife sinken erneut – neues Tarifmodell ab 2027

In Winterthur sinken die Stromtarife 2027 um durchschnittlich 8 Prozent. Zugleich gelten neue Leistungs- und Saisontarife sowie mehr Niedertarif-Stunden.

Winterthur
Der Bahnhof in Winterthur (Symbolbild) - Nau.ch / Simone Imhof

Unter der Woche profitiert die Kundschaft zudem neu von zusätzlichen Niedertarif-Stunden zwischen 13 und 16 Uhr.

Das Wichtigste in Kürze:

Die Stromtarife für die Haushaltkundschaft sinken um 8 Prozent. Ein neuer Leistungspreis ist ein Anreiz für die Haushaltkundschaft, ihren Stromverbrauch über den Tag zu verteilen. Ab 2027 gelten saisonale Energietarife, was die Preise an den Handelsmärkten widerspiegelt.

Strom soll möglichst dann verbraucht werden, wenn Solarstrom vorliegt. Ab 2027 gilt deshalb unter der Woche zusätzlich Niedertarif von 13 bis 16 Uhr.

Das Tarifmodell Strom 2027 o ist kostenneutral und führt nicht zu mehr Einnahmen. o verteilt die Kosten der Stromversorgung verursachergerechter. o fördert die Stabilität des Stromnetzes sowie den Verbrauch von Solarstrom und stärkt damit die Versorgungssicherheit. Die Stromtarife 2027 sinken in Winterthur erneut – für die Haushaltkundschaft um durchschnittlich rund 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein Familienhaushalt spart im Durchschnitt etwa 100 Franken Stromkosten pro Jahr gegenüber 2026.

Die Tarife sinken hauptsächlich wegen des Tarifbestandteils Energie. Seit dem Höchststand 2022 sinken die Strommarktpreise wieder. Sie sind jedoch immer noch über dem langjährigen Durchschnitt. Der Tarifbestandteil Netznutzung sinkt ebenfalls.

Gründe dafür sind tiefere Kapitalkosten, tiefere Kosten für Verwaltung sowie für das Übertragungsnetz der Swissgrid.

Neues Tarifmodell Per 2027 führt Stadtwerk Winterthur ein neues Tarifmodell ein. Das Tarifmodell wirkt kostenneutral und generiert keine höheren Einnahmen für Stadtwerk Winterthur. Da Strom nur in geringem Mass gespeichert werden kann, müssen Produktion und Verbrauch jederzeit im Gleichgewicht sein.

Auf der Verbrauchsseite belasten leistungsstarke Geräte und Elektrofahrzeuge das Stromnetz. Dieses muss auf die maximale Leistung ausgelegt werden.

Wird immer mehr Strom zur gleichen Zeit benötigt, ist ein teurer Ausbau des Stromnetzes notwendig. Das neue Tarifmodell führt deshalb einen Leistungstarif für die Haushaltkundschaft ein. Leistungstarif als Anreiz Für eine möglichst effiziente Nutzung des Stromnetzes führt Stadtwerk Winterthur per 2027 einen Leistungstarif für die Haushaltskundschaft ein. Ab 2027 spielt es eine Rolle, wie viel Strom bzw. Leistung die Kundschaft zur gleichen Zeit bezieht, d. h. wie viele elektrische Geräte gleichzeitig in Betrieb sind.

Der neue Leistungstarif von 1.50 Fr. pro Kilowatt (kW) und Monat berechnet sich nach der Leistungsspitze. Massgebend ist die Viertelstunde im Monat, in der am meisten Strom bezogen wird.

Mit dem Leistungstarif werden die Kosten für die Netzinfrastruktur verursachergerecht verteilt und netzdienliches Verhalten wird belohnt: Wer das Netz mit höheren Leistungsspitzen stärker belastet, bezahlt mehr. Wer hingegen seine Stromnutzung möglichst gleichmässig über 24 Stunden verteilt, kann Kosten sparen. Damit besteht ein Anreiz, hohe Leistungsspitzen zu verhindern.

Mit dem neuen Leistungstarif entfällt der bisherige Grundpreis, was die Kundschaft mit kleinem Stromverbrauch entlastet. Im letzten Jahr war die durchschnittliche Leistungsspitze der Haushaltskundschaft unter 4 kW pro Monat.

Für die Geschäftskundschaft gilt bereits ein Leistungstarif (Kundengruppen Profil, Profil Plus und Profil GK). Für sie ändert, dass für den Leistungstarif die Leistungsspitze per 2027 auch während der Niedertarifzeiten berücksichtigt wird. Indem der Leistungstarif anhand der absoluten Leistungsspitze im Monat berechnet wird (24/7), wird die effektive Belastung des Verteilnetzes an die Geschäftskundschaft weiterverrechnet.

Per 2027 ist der Leistungstarif daher für sie verursachergerecht gestaltet.

Saisonale Energietarife und zusätzliche Niedertarif-Stunden

Als weitere Neuerung führt Stadtwerk Winterthur saisonale Energietarife ein: Im Sommer führt die hohe Solarstrom-Produktion zu einem Stromüberschuss und zu tiefen Strommarktpreisen. Im Winter wird wetterbedingt weniger Solarstrom produziert und gleichzeitig mehr Strom verbraucht. Dieses Ungleichgewicht zwischen Verfügbarkeit des Stroms im Winter und höherem Bedarf wirkt sich auf die Strompreise an den Handelsmärkten aus: Die Strompreise in den Wintermonaten sind deutlich höher als im Sommer.

Dieser Unterschied wird an die Kundschaft weitergegeben. Auch dies ist ein Anreiz, mit dem Strom im Winter sparsam umzugehen.

Weil der Zubau von Photovoltaik in Winterthur so erfolgreich ist, soll Strom möglichst dann verbraucht werden, wenn viel Solarstrom verfügbar ist. Deshalb führt Stadtwerk Winterthur ein zusätzliches Zeitfenster für Niedertarif unter der Woche von 13 bis 16 Uhr ein. Die bisherigen Niedertarifzeiten unter der Woche von 20 bis 7 Uhr sowie an Wochenenden bleiben.

Mit dem zusätzlichen Zeitfenster für Niedertarif kann die Kundschaft bei den Stromkosten sparen.

Mit den saisonalen Energiepreisen und dem Leistungspreis für die Haushaltkundschaft bildet das Tarifmodell 2027 die tatsächlichen Kosten besser ab. Gleichzeitig bietet es der Kundschaft einen Anreiz, den eigenen Stromverbrauch zu steuern. Damit geht das Tarifmodell auf Chancen und Herausforderungen der Energiewende ein und motiviert die Kundschaft zum Umdenken: Strom soll möglichst dann genutzt werden, wenn Solarstrom verfügbar ist.

Und die Kundschaft soll ihren Stromverbrauch möglichst gleichmässig verteilen, um einen teuren Ausbau des Stromnetzes zu vermeiden.

Eine Übersicht zu den Stromtarifen kann hier heruntergeladen werden: stadt.winterthur.ch Rechenbeispiel Haushaltkundschaft (Kundengruppe Basic) Im Jahr 2027 bezahlt ein Familienhaushalt in Winterthur mit dem Standardprodukt Klima Silber rund 8 Prozent weniger für den Strom als 2026. Über alle Preisbestandteile (Energie, Netznutzung und Messtarif sowie Abgaben) entspricht dies einer Einsparung von rund 108 Franken gegenüber 2026. Das Rechenbeispiel beruht auf einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden (5-Zimmerwohnung, Elektroherd, Tumbler ohne Elektroboiler; Verbrauchskategorie H4 ElCom).

Wie kann ich die Leistungsspitze verkleinern? Der Leistungstarif wird nach der Leistungsspitze pro Monat verrechnet, d. h. nach der Viertelstunde, in welcher der Haushalt am meisten Strom gleichzeitig bezieht. Der Tarif beträgt 1.50 Fr./Kilowatt/Monat. 2026 betrug die durchschnittliche Leistungsspitze der Haushaltskundschaft unter 4 kW pro Monat.

Beispiele Stromnutzung und Leistungsspitze: Wenn Familie Müller gleichzeitig kocht, wäscht, die Wärmepumpe laufen lässt und das E-Fahrzeug mit Kilowatt lädt, wird der Leistungstarif mit 19 Kilowatt berechnet. Familie Meier hingegen lädt ihr E-Fahrzeug über längere Zeit nach dem Kochen, plant die Wäsche anschliessend und verzögert die Wärmepumpe mit einer Steuerung. Familie Meiers Leistungsspitze beträgt 3,7 kW. Sie ist damit rund fünfmal tiefer.

Leistungswerte Familie Müller: gleichzeitig kochen: 3 kW, waschen: 2 kW, Wärmepumpe: 3 kW, Ladung E-Fahrzeug: 11 Familie Meier: nacheinander kochen: 3 kW, waschen: 2 kW, Wärmepumpe: 3 kW, Ladung E-Fahrzeug Um Kosten zu sparen, empfiehlt Stadtwerk Winterthur der Kundschaft: Lassen Sie Geräte mit hoher Leistung nicht gleichzeitig laufen. Das sind zum Beispiel Geschirrspüler, Backofen, Kochherd, Staubsauger, Haarföhn, E-Ladestation, Wärmepumpe, Waschmaschine, Tumbler Laden Sie Ihr E-Fahrzeug mit kleiner Leistung über einen längeren Zeitraum.

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