Seit zehn Saisons ist Nicole Reist ungeschlagen. Die Ultracyclerin aus Weisslingen gewinnt am 19. September 2021 den Adriatic Cycling Marathon in Italien.
Nicole Reist Adriatic Cycling Marathon
Nicole Reist mit Begleitfahrzeug an der Küste am Adriatic Cycling Marathon. - FotoCrew

46 Stunden und 53 Minuten brauchte die Schweizer Ultracyclerin Nicole Reist für die 1200 Kilometer und 7000 Höhenmeter des Adriatic Cycling Marathon in Süditalien, bei dem sie am 19. September 2021 um kurz vor neun Uhr in Francavilla al Mare bei Pescara ins Ziel fuhr. Damit gewinnt sie erneut die Damenwertung und ist seit eindrücklichen zehn Saisons ungeschlagen.

Ihr Plan, ihren eigenen Streckenrekord vom Vorjahr zu unterbieten, ging allerdings infolge eines Sturzes nicht auf. Vorgestern Freitag startete Nicole Reist aus Weisslingen bei Winterthur zum zweiten Mal am Adriatic Cycling Marathon in Süditalien, ein Nonstop-Radrennen, das über 1200 Kilometer und 7000 Höhenmeter von Francavilla al Mare bei Pescara, auf der Höhe von Rom an der italienischen Ostküste gelegen, nach Südosten via Bari, um den Stiefelabsatz von Italien herum und wieder zurück führt.

46 Stunden und 53 Minuten später fuhr sie ins Ziel und gewann damit zum zweiten Mal die Damenwertung des Rennens.

Seitenwind und Sturz auf meerzsalzglatter Strasse

An dem noch eher jungen Rennen, das heuer zum vierten Mal stattfand, gelang Nicole Reist letztes Jahr als Frau der historische Overallsieg, mit einer Zeit von 43 Stunden und 40 Minuten.

Ein diesjähriges Ziel war es mitunter, diesen Streckenrekord nochmals zu unterbieten. Das ging aber nicht auf.

«Wir hatten von Anfang an mit sehr viel Seitenwind zu kämpfen, was für mich als leichte Fahrerin eine besondere Herausforderung ist», analysiert Nicole Reist. Dazu kam auch dieses Jahr wieder ein überraschender Sturz: «Da das Rennen fast ausschliesslich der Küste entlang geht, sind die Strassen oft von einer Art Meersalzfilm überzogen», erzählt sie.

Zieleinfahrt unter Schmerzen

«In einer etwas feuchten Kurve ganz im Süden war die Oberfläche derart glatt, dass mir das Vorderrad wie auf Eis einfach wegrutschte». Nicole Reist zog sich mehrere Schürfungen und Prellungen zu und brauchte einige Zeit, bis sie wieder aufs Rad steigen und weiterfahren konnte.

Als Folge dieses Sturzes plagten sie im weiteren Verlauf des Rennens stets Schmerzen, sodass an die Rekordzeit nicht mehr zu denken war. «Ich bin sehr froh, dass ich unter gegebenen Umständen überhaupt das Ziel erreichte und meine Siegesserie fortsetzen konnte», so Nicole Reist.

«Das habe ich vor allem meinem super Team zu verdanken, das mich in dieser besonderen Situation top unterstützt hat!»

Im Ultracycling muss jedes Puzzleteil passen

Enttäuscht ist sie deshalb nicht. «Es zeigt einmal mehr, dass bei Ultracycling-Wettkämpfen einfach sehr vieles zusammenpassen muss, damit alles aufgeht. Vor einem Monat ist mir und meinem Team am Race Around Austria schlicht das perfekte Rennen gelungen – jedes einzelne Puzzleteil hat gepasst, körperlich, mental, das Wetter und die Zusammenarbeit in der Crew.

Den Rekord nicht als Massstab nehmen

Das führte dazu, dass ich dort die 2200 Kilometer und 35'000 Höhenmeter in absoluter Rekordzeit von drei Tagen, 20 Stunden und 36 Minuten und damit als erste Frau unter der magischen Grenze von vier Tagen fahren konnte», erzählt Nicole Reist. «Ein solch perfektes Rennen darf man aber nicht als Massstab nehmen.

Wenn nur wenig nicht optimal läuft, macht das in einem Ultracycling-Rennen schnell ein paar Stunden aus. Das war nun in Italien mit dem Sturz der Fall und gehört zu dem Sport einfach dazu.»

Der Meerblick entschädigt

Ihre Teilnahme Medienmitteilung Nicole Reist, Ultracyclerin, 19. September 2021 2/3 am Adriatic Cycling Marathon bereut sie nicht: «Es ist ein kleines, aber feines Rennen. Die Streckenführung der Meeresküste entlang ist landschaftlich ausgesprochen schön – und für mich als «Bergeiss» eine sehr willkommene Abwechslung!»

Seit 2012 ungeschlagen

Mit ihrem Sieg am Adriatic Marathon beendet Nicole Reist ihre Saison 2021. Sie unterstreicht damit erneut ihre extreme Dominanz sowie ihre äusserst beeindruckende Konstanz.

Obwohl auch bei ihr manchmal nicht alles nach Plan läuft, hat sie seit 2012 bei den Damen jedes Ultracycling-Rennen gewonnen, zu dem sie gestartet ist und konnte die Siegesserie trotz Sturz in Italien fortsetzen. Damit ist sie seit unglaublichen zehn Saisons ungeschlagen und innerhalb der Damenszene eine absolute Klasse für sich.

Dass sie über so viele Jahre hinweg keinen einzigen Wettkampf hat aufgeben müssen – es waren 19 an der Zahl, etliche davon sehr namhaft – ist ebenfalls eine Auszeichnung, die in der Ultracycling-Szene ihresgleichen sucht.

Plan 2022: Zum dritten Mal am Race Across America Geschichte schreiben

Die Teilnahme am Adriatic Cycling Marathon war auch diesmal ein eher kurzfristiger Entscheid. Denn eigentlich wäre Nicole Reist Mitte Juni 2021 zum dritten Mal am Race Across America gestartet – dem härtesten Nonstop-Ultracycling-Rennen der Welt über 5000 Kilometer und 50'000 Höhenmeter von der amerikanischen West- an die Ostküste.

Sie wollte da nach ihren Siegen 2016 und 2018 erneut Geschichte schreiben. Doch der Traum platzte wenige Tage vor der Abreise: Der Schweizer Spitzenathletin und ihrem Team wurde aufgrund von Corona-Regelungen kurzfristig die Einreise in die USA verweigert.

Nachholbedarf in Amerika

Damit fiel Nicole Reists dritte Teilnahme am Race Across America schon zum zweiten Mal Corona zum Opfer. Ganz nach dem Motto «aller guter Dinge sind drei» steht Reist’s Plan für 2022 deshalb fest: Endlich zum dritten Mal das Race Across America fahren und zum dritten Mal Geschichte schreiben.

Sie will erneut gewinnen, dabei ihre eigene Zeit von 2018 unterbieten – und, wenn alles optimal läuft, auch noch einen schon sehr lange bestehenden, internationalen Rekord angreifen.

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