Um die Mikroverunreinigungen in Rheineck zu eliminieren, werden im Abwasserwerk insgesamt 18,4 Millionen Franken in eine zusätzliche Reinigungsstufe investiert.
Abwasserwerk in Rheineck
Abwasserwerk in Rheineck soll zur «Öko-Fabrik». - radikom GmbH

Das Abwasserwerk Rosenbergsau wird mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe zur Eliminierung von Mikroverunreinigungen ausgerüstet. Die Delegierten genehmigten an der ausserordentlichen Versammlung einen anteiligen Baukredit in der Höhe von sechs Millionen Franken. Insgesamt werden rund 18,4 Millionen Franken für sauberes Wasser investiert.

Sauberes Wasser ist das höchste Gut. Entsprechend wichtig ist die Reinigung des Abwassers. Trotz gutem Ausbaustandard der Abwasserreinigung gelangen noch immer schädliche Spurenstoffe in Gewässer.

Um die sogenannten Mikroverunreinigungen zu eliminieren, werden im Abwasserwerk Rosenbergsau in Au in den nächsten Jahren insgesamt 18,4 Millionen Franken in eine zusätzliche Reinigungsstufe investiert. Dies ist nötig, um Wasserlebewesen und die Grundwasservorkommen im Rheintal und Bodensee zu schützen.

Realisierung dieser Verfahrenstechnik

Die Anlage mit mikrogranulierter Aktivkohle im Schwebebett soll mindestens 80 Prozent der organischen Spurenstoffe von Medikamenten, Pestiziden, Korrosionsschutz- und Reinigungsmitteln sowie Körperpflegeprodukte entfernen.

Mit der Realisierung dieser Verfahrenstechnik gehört der Zweckverband Abwasserwerk Rosenbergsau in der Schweiz zu den Pionieren. Erst in Penthaz im Kanton Waadt und in Delémont im Jura sind solche Anlagen in Betrieb.

Weitere sind in Luzern, Bern, Villette und Niederglatt in Planung. Das Bundesamt für Umwelt unterstützt die Investitionen für die Elimination von Mikroverunreinigungen mit einer finanziellen Beteiligung von 75 Prozent der anrechenbaren Kosten.

Der Zweckverband Abwasserwerk Rosenbergsau – welchem die Gemeinden Au, Balgach, Berneck, Diepoldsau, Marbach, Oberegg, Rebstein, Reute und Widnau angehören - wird nach heutigen Berechnungen noch einen Restbetrag von rund 5,3 Millionen Franken tragen müssen.

Ökologie hat hohen Stellenwert

Die Anlagen der neuen Reinigungsstufe werden in einem 38 auf 22 Meter grossen Gebäude untergebracht. In den vier Reaktoren können pro Jahr etwa 8 Millionen Kubikmeter Abwasser behandelt werden.

Um einen zusätzlichen Beitrag an die Ökologie zu leisten, wird dem neuen Gebäude eine Art zweite «Haut» mittels vertikaler Begrünung und begrünter Dachlandschaft versehen. Diese erstreckt sich über eine Fläche von rund 800 Quadratmetern und soll mit Kiesbänken, Grünflächen, Sträuchern und Holzstegen an die Schwemmlandschaft der Rheinebene erinnern.

Die Fassade wird unter anderem mit Hopfen, Wald-Geissblatt, Waldrebe, Feldrose sowie Rotfruchtige und Weisse Zaunrüben auf einer Fläche von weiteren 700 Quadratmetern begrünt. Die Pflanzung der Gehölzstruktur und von Einzelbäumen trägt zur CO2-Aufnahme und Luftkühlung bei.

Zur Förderung der Biodiversität wird zudem auf der nördlichen Freifläche ein Regenwasserrückhalt mit einer naturnah gestalteten Versickerungsfläche realisiert. Diese soll diversen Kleinlebewesen ein wertvoller Lebensraum bieten und stellt eine Quervernetzung zum Binnenkanal dar.

Werte und Wissen vermitteln

Mit den Investitionen in die neuen Anlagen, die naturnahe Architektur des funktionalen Gebäudes und der Aufwertung der Umgebung soll sich die ARA zur «Öko-Fabrik» entwickeln. Einem Ort, an dem Besuchenden Wissen und Werte vermittelt werden.

Mit der klaren Personen- und Besucherführung werden die idealen Grundlagen für Führungen von Schulklassen und interessierten Gruppierungen geschaffen, um die Bedeutung und den Nutzen der Anlage für die Gesellschaft aufzuzeigen.

Die Vorstellung des funktionalen und ökologisch wertvolle Projekts durch die Fachleute und den Vorstand des Zweckverband Abwasserwerk Rosenbergsau vermochte die Delegierten zu überzeugen.

Baukredit in der Höhe von sechs Millionen Franken

Diese genehmigten an der ausserordentlichen Versammlung im Rinova in Rebstein den anteiligen Baukredit in der Höhe von sechs Millionen Franken einstimmig und gaben damit grünes Licht für die Realisierung des Projekts. Die Baueingabe bei der Gemeinde Au soll noch dieses Jahr erfolgen.

Der Baustart ist auf den Sommer 2022 vorgesehen. «Wenn alles planmässig läuft, wird die neue Anlage im Frühling 2024 in Betrieb genommen», erklärt Andreas Eggenberger, Präsident des Zweckverband Abwasserwerk Rosenbergsau, und freut sich über das klare Bekenntnis zur Investition.

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