St. Gallen: KI schneidet Haare – Start-up gewinnt Publikumspreis
An der AI@OST-Tagung in St. Gallen hat das Start-up SHAIVE den Publikumspreis gewonnen. Sein Gerät schneidet Haare mithilfe von künstlicher Intelligenz.

Die Wunschfrisur digital speichern und jedes Mal perfekt ausführen – das ermöglicht das intelligente Haarschneidegerät des Startups SHAIVE. Die Co-Gründer Patrick Wissiak und Lou Grolimund wurden für ihre Erfindung an der AI@OST-Tagung der OST – Ostschweizer Fachhochschule mit einem Preis ausgezeichnet. Von 22 interdisziplinären KI-Projekten überzeugten sie die Publikumsjury am meisten.
«Seit sieben Jahren schneide ich mir selbst die Haare», erzählt Patrick Wissiak, Co-Gründer von SHAIVE, an der AI@OST-Tagung. Dabei habe er sich immer wieder gefragt: «Wieso gibt es keine Maschine, die das besser, schneller und präziser kann als ich?» Statt auf eine Antwort zu warten, machte er sich selbst auf die Suche danach.
Von der Bachelorarbeit zum Start-up
Den ersten Prototyp des intelligenten Haarschneidegeräts entwickelte Wissiak im Rahmen seiner Bachelorarbeit im Informatikstudium an der OST. Damit erbrachte er den «Proof of Concept», also den Nachweis, dass seine Idee technisch machbar ist. «Das Thema hat mich seither nicht mehr losgelassen», sagt Wissiak.
Er holte seinen langjährigen Kollegen Lou Grolimund ins Boot, und gemeinsam gründeten die beiden dieses Jahr die Firma SHAIVE. «Shave – also rasieren auf Englisch – aber mit AI», erklärt Wissiak den Namen ihres Startups. Wissiak treibt die technische Entwicklung des Geräts voran, während Grolimund, der Soziokultur in Lausanne studiert hat, für die Vermarktung zuständig ist.
Seit September ist ausserdem ein dritter Co-Gründer dabei: Gianluca Fischer, ein Maschinenbauingenieur der ETH Zürich.
Mehr Kundschaft mit gleicher Qualität bewältigen
Die Zielgruppe von SHAIVE sind nicht etwa Hobbycoiffeure wie Wissiak, sondern echte Profis. «Wir wollen KI in den Haarschnittsalon bringen», sagt Wissiak. «Barber und Coiffeusen sollen die Wünsche ihrer Kundinnen und Kunden damit präzise erfüllen können», ergänzt Grolimund.
Doch wie funktioniert das Gerät? Zuerst wird die Kopfform einmalig erfasst. Daraus entsteht ein präzises digitales Abbild, das als Grundlage für Beratung und Haarschnitt dient.
«Der Profi und der Kunde stimmen den Fade, die Konturen und die Längen gemeinsam am Bildschirm ab», erklärt Wissiak. Anschliessend wird das Gerät auf die gewünschte Frisur programmiert: Mithilfe intelligenter Kameras erkennt es, welche Haarlänge an der jeweiligen Stelle gefragt ist, und stellt den Aufsatz automatisch darauf ein.
«Die Expertise der Coiffeuse oder des Barbers bleibt dabei entscheidend», betont Grolimund. Deckhaar, Konturen und das persönliche Styling übernimmt weiterhin der Profi. «Mit dem Gerät können Salons aber ein höheres Kundenvolumen mit gleichbleibender Qualität bewältigen.»
Derzeit testen die Jungunternehmer ihre Erfindung mit verschiedenen Salons, um Feedback zu sammeln und das Gerät weiterzuentwickeln. Als Nächstes planen die Gründer ein Patent einzureichen. Dann stehen Pilottests mit einer ersten funktionsfähigen Produktversion sowie eine Finanzierungsrunde mit Investorinnen und Investoren an.
Interdisziplinäre Teams entwickeln KI-gestützte Lösungen
An der AI@OST-Tagung werden jedes Jahr die interessantesten KI-Projekte der OST vorgestellt. In praxisnahen Forschungsprojekten entwickeln interdisziplinäre Teams aus Forschenden und Studierenden KI-gestützte Lösungen – viele davon im Auftrag von Unternehmen oder in Zusammenarbeit mit Organisationen.
Wie breit KI in der Praxis eingesetzt werden kann, zeigten auch die übrigen Projekte. Sie reichten von einem Velo-Radar, das mithilfe von KI automatisch auswertet, mit wie viel Abstand Autos Velofahrende überholen, über ein Tool, das aus dem gesprochenen Diktat einer Elektrikerin oder eines Elektrikers eine prüfbare Offerte mit echten Katalogartikeln erstellt, bis hin zu einem KI-Agenten, der Studierenden als Sparringpartner dient. Weitere Teams unterstützen Pflegefachpersonen in der mobilen Langzeitpflege mit evidenzbasierten Handlungsempfehlungen oder nutzen Datenanalysen, um die Schweizer Binnenschifffahrt nachhaltiger zu machen.
Die AI@OST-Tagung wird 2027 erneut unter dem interdisziplinären Schwerpunkt «Angewandte Künstliche Intelligenz» der OST durchgeführt. Aktuelle Projekte, News und Events dazu werden publiziert.
Die AI@OST-Tagung wird von der IT-Bildungsoffensive des Kantons St. Gallen (ITBO) unterstützt und vom ICAI Interdisciplinary Center for Artificial Intelligence der OST organisiert. Die ITBO wirkt dem Fachkräftemangel entgegen und fördert den Wirtschaftsstandort. Sie schafft die Grundlage, dass Bevölkerung und Wirtschaft zu den Gewinnerinnen und Gewinnern der Digitalisierung gehören.
Der Kanton St. Gallen soll führender Standort in der Digitalisierung von Geschäftsmodellen sein, und seine Bürgerinnen und Bürger sollen den digitalen Wandel aktiv und vorausschauend mitgestalten. Die IT-Bildungsoffensive berücksichtigt alle Schulstufen und hat schweizweit Pioniercharakter.






