Im Kanton St. Gallen ist 2020 die Zahl der Interventionen der Polizei wegen häuslicher Gewalt erstmals seit zehn Jahren wieder angestiegen. Zu den Auslösern gehörten Geldmangel, enge Wohnverhältnisse, aber auch die Auswirkungen von Corona-Massnahmen wie Homeoffice und Fernunterricht.
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Im Jahr 2021 gab es bereits 21 Femizide. (Symbolbild) - Keystone

In den letzten Jahren musste die Polizei jeweils um die 1050 Mal zu Familien ausrücken. 2020 seien 1185 Polizeieinsätze gezählt worden, heisst es der Mitteilung der Staatskanzlei vom Mittwoch. Der Anstieg machte sich vor allem in der zweiten Jahreshälfte bemerkbar.

660 dieser Einsätze erfolgten aufgrund eskalierender Konflikte, «die verbal mit Beleidigungen, Anschreien und leichter psychischer Gewalt» begonnen hatten. In 136 Fällen waren gegenseitige Tätlichkeiten der Grund, und bei 389 Interventionen ging es um die Gewalttat eines Familienmitglieds.

Angebote wie die Opferhilfe SG-AR-AI, die Beratungsstelle für gewaltausübende Personen und das Frauenhaus St. Gallen hätten ebenfalls eine höhere Auslastung gemeldet.

Die Risikofaktoren für die Eskalation von Konflikten und für häusliche Gewalt hätten sich 2020 verstärkt bemerkbar gemacht, heisst es in der Mitteilung. Betroffene berichteten von Geldmangel und engen Wohnverhältnissen und der Schwierigkeit, über längere Zeit gemeinsam im Homeoffice und zeitweise im Homeschooling zu verbleiben.

In schweren Fällen häuslicher Gewalt könne «die durchgehende Anwesenheit der gewaltausübenden Person» eine Kontaktaufnahme bei einer Beratungsstelle oder bei der Polizei verhindern. Vermehrt hätten sich deshalb auch besorgte Nachbarinnen und Nachbarn gemeldet.

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