Kleine Braunkehlchen überqueren Sahara im Nonstop-Flug

Vogelwarte Sempach
Vogelwarte Sempach

Ruswil,

Forschende untersuchten die riskante Reise der Braunkehlchen. Trotz ihrer extremen Ausdauer im Wind ist die Vogelart in der intensiv genutzten Schweiz bedroht.

Braunkehlchen
Das Braunkehlchen ist ein Insektenfresser. Weil es im Winter bei uns nicht genug Nahrung findet, zieht es nach Afrika. Um erfolgreich brüten zu können, ist es auf spät gemähte Blumenwiesen angewiesen. - Daniele Occhiato, Sébastien Poirier/Schweizerische Vogelwarte Sempach

Wie die Vogelwarte Sempach berichtet, zeigt eine neue Studie, an der die Schweizerische Vogelwarte mitgearbeitet hat, dass das kleine Braunkehlchen jedes Frühjahr die Sahara in einem fast zweitägigen Nonstop-Flug überquert. Trotz solcher Fähigkeiten ist es in der Schweiz heute bedroht: Nur in Wiesen, die frühestens am 15. Juli gemäht werden, hat das Braunkehlchen eine Überlebenschance.

In einer neuen Studie haben Forschende unter Beteiligung der Vogelwarte die Zugrouten von Braunkehlchen zwischen den französischen Alpen und Westafrika rekonstruiert. Dabei haben sie Geolokatoren eingesetzt, die Licht und Luftdruck messen.

Die sieben Braunkehlchen, deren Daten ausgewertet werden konnten, haben auf dem Hin- und Rückflug unterschiedliche Routen genommen. Fachleute sprechen von einem «Schleifenzug».

37 bis 45 Stunden ohne Pause

Im Herbst fliegen sie in kleinen Etappen entlang der westafrikanischen Küste nach Süden. Im Frühjahr verläuft die Route anders und führt direkt durch die Sahara. Sechs der sieben Vögel haben diese in einem einzigen ununterbrochenen Flug von 37 bis 45 Stunden überquert, und das in Höhen von 4000 bis 6000 Metern.

«Dass ein kleiner Vogel von kaum 16 Gramm fast zwei Tage lang ununterbrochen in einer Höhe fliegt, wo die Luft sehr dünn ist und die Temperaturen auf bis zu minus 10 Grad Celsius sinken, zeigt, zu welch extremen körperlichen Leistungen diese Zugvögel fähig sind», betont Paul Dufour, Forscher an der Schweizerischen Vogelwarte und Mitautor der Studie.

Die Studie bezieht sich auf eine französische Population, deren Zugstrategie derjenigen der Schweizer Braunkehlchen sehr ähnlich sein dürfte. Trotz dieser unglaublichen Fähigkeiten geht der Bestand dieser Vogelart in der Schweiz zurück.

Blumenwiesen bleiben entscheidend

Durch intensive Bewirtschaftung sind Blumenwiesen als Lebensraum selten geworden, und die frühe Mahd setzt dem am Boden brütenden Braunkehlchen systematisch zu. Die Schweizerische Vogelwarte führt deshalb gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten in einigen Kantonen ein Programm zur Förderung des Braunkehlchens durch.

Nur dank diesem Engagement können Braunkehlchen heute noch bei uns brüten. Ein besseres Verständnis der Zugroute dieser Art hilft dabei, diesen lokalen Schutz durch eine ganzheitliche Betrachtung des Jahreszyklus – von der Schweiz bis zu ihren westafrikanischen Überwinterungsgebieten – zu verbessern.

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