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    Kanton Luzern: Drei Angebote machen Archäologie für Schulklassen erlebbar

    In Wauwil, bei der Kantonsarchäologie und mit einem neuen Lernkoffer erleben Schulklassen im Kanton Luzern, wie Fachleute die Vergangenheit erforschen.

    Kanton Luzern
    Drei Angebote machen Archäologie für Schulklassen erlebbar. - zVg

    Wie arbeiten Archäologinnen und Archäologen? Und wie lässt sich die Vergangenheit für Schülerinnen und Schüler greifbar machen? Drei Angebote im Kanton Luzern zeigen, wie Lehrpersonen archäologische Themen anschaulich vermitteln können. Im Klassenzimmer, an historischen Schauplätzen oder hinter den Kulissen der Kantonsarchäologie.

    Drei Angebote im Kanton Luzern machen Archäologie für Schulklassen erlebbar.

    In Wauwil entdecken Kinder, wie Menschen in der Steinzeit lebten.

    Bei der Kantonsarchäologie Luzern lernen sie, wie Fachleute die Vergangenheit erforschen.

    Ein neuer Lernkoffer bringt archäologische Fundstücke und Unterrichtsmaterial ins Klassenzimmer.

    Lehrpersonen können Führungen buchen und/oder den Lernkoffer ausleihen.

    Im nachgebauten Pfahlbauhaus im Wauwilermoos zeigt eine historische Alltagsszene, wie die Menschen vor über 6000 Jahren im Kanton Luzern gelebt und gekocht haben könnten.

    Eine Gruppe Kinder drängt sich vor dem kleinen Fenster eines nachgebauten Pfahlbauhauses im Wauwilermoos. Neugierig spähen sie ins Innere. Dort sitzt eine Frau am Boden neben einer Feuerstelle und bereitet in einem Topf Essen zu.

    Hinter ihr hängen Felle über Holzbögen und trocknen durch die Wärme des Feuers. Auch auf dem Boden liegen weitere Felle, die vermutlich vor der Kälte schützen sollten. Die Kinder beobachten fasziniert, was sich vor ihren Augen abspielt.

    Die Szene vermittelt einen Eindruck davon, wie die Menschen vor über 6000 Jahren im Luzerner Wauwilermoos gelebt haben könnten. Doch woher wissen wir eigentlich, wie sie damals wohnten, jagten und sich ernährten?

    Genau solchen Fragen gehen Archäologinnen und Archäologen nach. Sie untersuchen Spuren vergangener Zeiten und versuchen, daraus Erkenntnisse über das Leben früherer Menschen zu gewinnen. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit zeigt auch, wie Menschen mit ihrer Umwelt umgingen, sich an Veränderungen anpassten und ihren Alltag gestalteten.

    Drei Angebote von vielen im Kanton Luzern zeigen, wie auch Schulklassen diese spannende Detektivarbeit kennenlernen und sogar selbst aktiv werden können.

    Wauwil: Unterwegs in der Steinzeit

    Wer die Pfahlbausiedlung und das Jagdlager im Wauwilermoos besucht, begibt sich auf eine Reise in die Steinzeit. Und zwar an einen Ort, an dem tatsächlich schon vor Jahrtausenden Menschen lebten. Denn in der Wauwiler Ebene wurden bereits über hundert steinzeitliche Fundstellen entdeckt. Einige davon gehören heute zum UNESCO-Welterbe. Darunter befindet sich Egolzwil E3, eine der ältesten bekannten Pfahlbausiedlungen der Schweiz.

    Die nachgebauten Pfahlbauhäuser zeigen, wie die Menschen damals gewohnt und gelebt haben könnten. Bei einem Besuch dürfen die Schülerinnen und Schüler auch selbst Hand anlegen. So schneiden sie etwa mit einem Feuerstein, auch Silex genannt, verschiedene Materialien oder versuchen sich im Bogenschiessen sowie Speerschleuderwerfen und untersuchen eine nachgestellte archäologische Für Pilar Sanchez und Leah Dellenbach vom Verein ur.kultour, der bei der Pfahlbausiedlung und dem Jagdlager Wauwil Führungen anbietet, ist der Bezug zur heutigen Lebenswelt besonders wichtig.

    «Manche Dinge haben sich seit der Steinzeit stark verändert, andere gehören zum Menschsein und man findet sie auch in unserer heutigen Gesellschaft», erklären die beiden.

    Gleichzeitig erfahren die Schülerinnen und Schüler, wie Archäologinnen und Archäologen zu ihren Erkenntnissen gelangen. Oft ist das eine kleinteilige Detektivarbeit: Fundstücke werden sorgfältig ausgegraben, dokumentiert, untersucht und eingeordnet. Erst daraus entsteht allmählich ein Bild davon, wie die Menschen früher lebten.

    «Das Vermittlungsprogramm in der Pfahlbausiedlung und im Jägerlager Wauwil ist hauptsächlich auf Schulklassen der Primarstufe und der Sekundarstufe I zugeschnitten und deckt Kompetenzen des Lehrplans 21 ab», erklären Pilar Sanchez und Leah Dellenbach.

    Zur Auswahl stehen einstündige Führungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten sowie ein zweieinhalbstündiger Workshop, der durch die gesamte Steinzeit führt. Die Angebote der Kantonsarchäologie Luzern und der Gemeinde Wauwil eignen sich sowohl als Einstieg ins Thema als auch zur Vertiefung. Lehrpersonen können die zweimal pro Jahr ausgeschriebenen Termine auf der Website des Vereins ur.kultour reservieren.

    Zu Besuch bei der Kantonsarchäologie

    Auch bei der Führung «Archäologie hinter den Kulissen» vor Ort bei der Kantonsarchäologie Luzern können Lernende selbst in die Rolle von Archäologinnen und Archäologen schlüpfen. In fünf Workshops setzen die Klassen beispielsweise zerbrochene Gefässe zusammen oder versuchen, ein Skelett richtig anzuordnen. Dabei geht es nicht einfach darum, die richtige Lösung zu finden.

    Vielmehr sollen die Kinder und Jugendlichen genau beobachten, Fragen stellen, Vermutungen entwickeln und begründen. «So erfahren sie, wie aus einzelnen Funden und Sachquellen Wissen über die Vergangenheit entsteht», erklärt Bettina Akermann-Inderbitzin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Fachdidaktik der Gesellschaftswissenschaften der Pädagogischen Hochschule PH Luzern.

    Dabei begegnen ihnen nicht nur jahrtausendealte Fundstücke, sondern auch Dinge, die man an diesem Ort kaum erwarten würde: Barbie-Puppen. Diese ordnen die Schülerinnen und Schüler nach ihrem Alter und üben dabei spielerisch, Gegenstände anhand ihrer Merkmale zeitlich einzuordnen. «Das bleibt vielen in Erinnerung», sagt Bettina Akermann-Inderbitzin.

    Bereits vor der Führung erhalten die Lehrpersonen ein «Entdecker-Faltblatt», mit dem sich die Klasse auf den Besuch vorbereiten kann. Eine Comic-Archäologin führt die Kinder im Faltblatt durch verschiedene Aufgaben. Die Beobachtungen und Erkenntnisse können anschliessend wiederum im Unterricht vertieft werden.

    Ein besonderer Höhepunkt der Führung ist der Blick auf einen originalen Mammutstosszahn im Klimaraum.

    Das Angebot der Kantonsarchäologie Luzern gehört zum Kulturvermittlungsprogramm «Schule & Kultur Luzern» SchuKuLU. Die rund zweistündige Führung richtet sich an 3. bis 6. Primarklassen.

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