Koexistenz statt Verbote: Neue Pläne für «Biken am Pilatus»
Kriens und Nachbargemeinden erarbeiten Lösungen für bestehende Wald- und Wanderwege. In Gesprächen mit Eigentümern und Vereinen wird das Netz nun verfeinert.

Die Gemeinden Malters, Horw und Schwarzenberg führen unter der Leitung der Stadt Kriens das Projekt «Biken am Pilatus» weiter und starten die nächste Phase der Angebots- und Wegnetzplanung, teilt die Stadt Kriens mit. Grundlage dafür bilden die Ergebnisse der abgeschlossenen Raumanalyse aus 2023.
Mountainbiken erfreut sich im Pilatusgebiet seit Jahren grosser Beliebtheit. Gleichzeitig bestehen im Raum Kriens, Krienseregg-Fräkmüntegg und Sonnenberg zunehmende Nutzungskonflikte zwischen Mountainbikenden, Wandernden, Waldeigentümerinnen und -eigentümer, Vertretenden der Landwirtschaft sowie Natur- und Wildschutz.
Da auf unbefestigten Waldwegen gemäss Luzerner Waldgesetz nur signalisierte Mountainbike-Routen zulässig sind, besteht seit längerer Zeit Handlungsbedarf für ein koordiniertes und legales Angebot. Bereits im Konzept Natur- und Erlebnisraum Pilatus von LuzernPlus (2017) sowie in der kantonalen Arbeitshilfe Mountainbike-Wege im Luzerner Wald (2020) wurde für das Pilatusgebiet ein hoher Bedarf ausgewiesen.
Klärung der Bedürfnisse und Handlungsmöglichkeiten
Mit der 2023 abgeschlossenen Raumanalyse wurde erstmals eine umfassende Grundlage für die zukünftige Mountainbike-Lenkung geschaffen. In mehreren Workshops mit Vertretungen aus Mountainbike-Community, Forst- und Landwirtschaft, Naturschutz, Luzerner Wanderwege, Jagdgesell- sowie Grundeigentümerschaften wurde das tatsächlich genutzte Wegnetz erhoben, Konfliktstellen identifiziert und mögliche Handlungsräume definiert.
Insgesamt flossen 186 Rückmeldungen aus den unterschiedlichen Interessengruppen in die Analyse ein. Die Ergebnisse zeigen insbesondere im Gebiet Krienseregg-Fräkmüntegg, Höchberg, Stösswald, Schachenwald und Sonnenberg einen hohen Nutzungsdruck. Konflikte entstehen unter anderem durch nicht bewilligte Trails, Erosionsschäden, Sicherheitsprobleme auf stark frequentierten Wanderwegen sowie Störungen sensibler Natur- und Wildräume.
Gleichzeitig zeigte sich in den Workshops deutlich, dass ein grosser Teil der heutigen Nutzung auf das Fehlen legaler und attraktiver Angebote zurückzuführen ist.
Gemeinsame Zusammenarbeit für zukunftsfähige Lösung
Die Mountainbikenden wünschen sich eine klare Lenkung und offiziell abgestimmte Routen. Die Gemeinden verfolgen deshalb weiterhin den Ansatz der Koexistenz. Konflikte sollen nicht primär durch Verbote, sondern durch gezielte Nutzungslenkung, klare Signalisation und abgestimmte Angebote reduziert werden.
Im Vordergrund stehen dabei die Harmonisierung bestehender Wege sowie punktuelle Optimierungen zur Verbesserung von Sicherheit und Wegqualität. Gleichzeitig soll die Lenkung dazu beitragen, sensible Natur- und Wildtierlebensräume zu entlasten, Nutzungskonflikte zu minimieren und die Erholungsnutzung auf geeignete Routen zu konzentrieren.
Dadurch können sowohl die Bedürfnisse der Erholungssuchenden als auch die Anforderungen des Natur- und Landschaftsschutzes besser berücksichtigt werden. Marco Frauenknecht, Stadtrat und Vorsteher des Bildungs- und Kulturdepartements, betont: «Sport und Bewegung in der Natur sind wichtig und erwünscht. Gleichzeitig müssen die geltenden Regeln eingehalten werden. Mit legalen Mountainbike-Angeboten schaffen wir Klarheit für die Nutzenden und schützen gleichzeitig Natur, Wald und Wildtiere.»
Doppelnutzung als Planungsgrundlage
Der Fokus der nächsten Projektphase liegt grösstenteils auf bestehenden Wald-, Forst- und Wanderwegen mit Doppelnutzung. Grössere Ausbauten oder neue Anlagen stehen derzeit nicht im Vordergrund. Als Grundlage für die weitere Planung wurden zwei mögliche Varianten für die Harmonisierung und Signalisation eines zukünftigen Wegnetzes erarbeitet.
Die Varianten unterscheiden sich hinsichtlich Umfang der Massnahmen und Investitionskosten. Zudem sollen die Erarbeitung flankierender Massnahmen, ein Monitoring der Auswirkungen sowie eine Erfolgskontrolle in die weiteren Arbeiten einfliessen. Ebenfalls sind die rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen für einen wirksamen Vollzug der vorgesehenen Massnahmen zu prüfen.
Offizielles Wegnetz zur Entschärfung der Nutzungskonflikte
In einem nächsten Schritt organisiert die Stadt Kriens gemeinsam mit der Projektleitung und der BikerNetzwerk AG Gespräche und Arbeitssitzungen mit den wichtigsten Anspruchsgruppen. Dazu zählen Grundeigentümerinnen und -eigentümer, Bewirtschaftende, Mountainbike-Vertretungen sowie Fachpersonen aus den Bereichen Natur, Umwelt, Landwirtschaft und Jagd.
Die Rückmeldungen werden geprüft und fliessen in die Erarbeitung des finalen Wegnetzes ein. Anschliessend erfolgt eine kantonale Vorprüfung des Projekts.
Mit dem Projekt «Biken am Pilatus» verfolgen die Gemeinden das Ziel, langfristig ein sicheres, legales und naturverträgliches Mountainbike-Angebot zu schaffen, das den unterschiedlichen Interessen im Naherholungsgebiet Pilatus gerecht wird und die bestehenden Nutzungskonflikte nachhaltig entschärft.










