Bauen über Ruinen – Archäologische Untersuchungen in Eschenz
Aufgrund eines geplanten Neubaus untersucht das Amt für Archäologie Kanton Thurgau am Rheinweg in Eschenz eine grössere Fläche, mitten im römischen «Tasgetium».

Der Ausflussbereich des Untersees in den Rhein ist historisch und archäologisch eine äusserst spannende Region, wie das Amt für Archäologie des Kantons Thurgau schreibt. Von den Pfahlbauten bis in die Neuzeit haben die Menschen im Boden erhaltene Überreste hinterlassen.
Neubauvorhaben führen daher immer wieder zu archäologischen Untersuchungen. Ausgewählte Zeugnisse unserer Vorfahren bleiben aber im Boden erhalten.
Nasser Boden hat Bauhölzer und andere Objekte über Jahrtausende konserviert
Auf dem Schwemmdelta bei Untereschenz entstand nach der römischen Eroberung der Bodenseeregion vor 2000 Jahren die Kleinstadt Tasgetium. Die Lage war gezielt gewählt: direkt an der Wasserstrasse, dort wo sich das Gewässer mit einer Brücke leicht queren liess.
Dafür nahm man einschneidende bauliche Konsequenzen in Kauf. Die römischen Bauherren stabilisierten den sumpfigen Untergrund mit Holzrosten und erneuerten die Gebäude regelmässig.
Ein Glück für die Wissenschaft: Im nassen Boden haben sich die römischen Bauhölzer und andere Objekte aus organischem Material über die Jahrtausende konserviert.
Archäologische Untersuchungen haben Priorität
Aufgrund eines Neubauvorhabens in Untereschenz wird ein Teil der römischen Bauten momentan archäologisch untersucht und entfernt. Freigelegt wird die uferparallele, mehrere Meter breite römische Kiesstrasse mit beidseitig angrenzenden HolzFachwerk-Gebäuden.
Da die Holzkonstruktionen im feuchten Untergrund standen, mussten sie nach etwa 25 Jahren erneuert werden. Das belegt die Jahrringdatierung der Bauhölzer.
Die Befunde werden archäologisch Schicht um Schicht freigelegt, beschrieben und vermessen. Das zugehörige Fundmaterial – typischer Siedlungsabfall wie zerbrochene Gefässe, Speisereste und ab und zu verlorenes Kleingeld – wird geborgen. Nach den archäologischen Untersuchungen steht die Fläche frei zur Überbauung.
Der Grundriss der Vitus-Kirche bleibt erhalten
Im Mittelalter gehörte die aktuelle Bauparzelle zum Zentrum von Untereschenz: Genau hier befand sich spätestens seit dem 10. Jahrhundert die dem heiligen Vitus geweihte Dorfkirche.
Im frühen 18. Jahrhundert wurde sie zu klein für die Eschenzer Bevölkerung und war baufällig. 1738 brach man daher die Vituskirche ab und verlegte den Kirchenstandort ins Oberdorf. Die soliden Kirchen-Grundmauern blieben im Boden erhalten und wurden bei archäologischen Grabungen 2007 wieder freigelegt.
Für das aktuelle Vorhaben konnte mit dem Bauherrn vereinbart werden, dass die Mauern der mittelalterlichen Vituskirche bewahrt bleiben sollen, also über der Ruine gebaut wird.
Im Gelände kann die spannende Geschichte von Eschenz und der Umgebung durch einen archäologischhistorischen Rundwanderweg erkundet werden.






