Einheimische Bäume oder Exoten: Wer ist wertvoller?
Welche Bäume weisen einen hohen, welche einen geringen ökologischen Wert auf? Eine weiterführende Antwort findet sich in der Baumkrone einer grossen Eiche ...

Wenn heute im öffentlichen Raum, in Parks oder Gärten Bäume gepflanzt werden, steht für die Wahl der Baumart oft deren Robustheit im Vordergrund.
Die Bäume müssen Hitze und Trockenheit, Staub und Schadstoffe aushalten und sollten frei von Schädlingen sein. Ihr ökologischer Wert ist dagegen häufig kein Auswahlkriterium.
Baum ist nicht gleich Baum
Der Wert von Bäumen für das Lokalklima, unser Wohlbefinden und die Biodiversität ist unbestritten. Dabei ist Baum nicht gleich Baum, vor allem wenn es um die Biodiversität geht.
Welche Bäume haben einen hohen, welche einen geringen ökologischen Wert? Vereinfacht gesagt: Einheimische Baumarten sind in der Regel wertvoller als fremdländische.
Wie die Stadt Illnau-Effretikon schreibt, wollte die Stadt Zürich es genau wissen und gab eine Studie in Auftrag, welche die häufigsten Baumarten der Stadt nach ihrem Beitrag zur Biodiversität klassifizierte. Die Studie bestätigt die obige Regel, wie die folgenden Beispiele zeigen.
Einheimische Bäume sind besonders wertvoll
In der Kategorie der ökologisch wertvollsten Bäume sind ausschliesslich einheimische Baumarten aufgeführt, darunter Stiel- und Traubeneiche, Sommer- und Winterlinde, Feld- und Bergahorn, Silber- und Salweide sowie der Kirschbaum.
Ganz zuoberst auf der Hitliste steht die Stieleiche. Sie ist für unsere Tierwelt – salopp ausgedrückt – der Hammer.
Die hinteren Ränge lesen sich dagegen wie ein Prospekt für exotische Gärten – mit Chinesischem Guttaperchabaum, Amerikanischer Gleditschie, Ginkgo und weiteren nicht einheimische Arten.
In der Krone einer grossen Eiche leben bis zu 1000 Insektenarten
Im Handel wird beispielsweise der Chinesische Guttaperchabaum, der auch Gummiulme genannt wird, damit angepriesen, dass er hierzulande weder Krankheiten noch Schädlinge kennt. Das überrascht kaum, denn auch unsere Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer, Vögel und Säugetiere wissen mit dem fremdländischen Gewächs nichts anzufangen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Ginkgo, der ursprünglich aus China stammt. Seine hübschen, fächerförmigen Blätter, das Holz und die Wurzeln sind für fast alle Insekten giftig. Selbst der invasive, äusserst gefrässige Japankäfer rührt frische Ginkgoblätter nicht an. Entsprechend finden sich auf einem Ginkgo praktisch keine Insekten.
In der Krone einer einzigen grossen Eiche leben dagegen bis zu 1000 verschiedene Insektenarten!
Baumarten nach Standortbedingungen und Biodiversitätsbeitrag wählen
So viel ist klar: Einheimische Baumarten liegen im Rennen um den höchsten ökologischen Wert definitiv vorne. Aber was ist, wenn die Exoten besser ans Klima angepasst sind und Hitze sowie Trockenheit besser verkraften?
Ein ökologisch wertvoller Baum, der schon in jungen Jahren stirbt und ersetzt werden muss, trägt nichts mehr zur Biodiversität bei.
Für dieses Dilemma gibt es eine Lösung: Zuerst ermitteln, welche Baumarten bei den entsprechenden Standortbedingungen und Platzverhältnissen in Frage kommen. Anschliessend aus diesem Kreis einen Baum wählen, der möglichst viel zur Biodiversität beiträgt.
Die von der Stadt Zürich in Auftrag gegebene Studie ist auf der Webseite der Stadt Illnau-Effretikon verlinkt. Auch weitere Informationen zum Thema Biodiversität sowie Artikel können hier nachgelesen werden.










