Wie die Gemeinde Glarus Süd berichtet, wird 2021 die Glarner Gemeindestrukturreform, mit der Glarus Süd, Glarus und Glarus Nord entstanden, zehn Jahre alt.
Gemeinde Glarus. - Keystone

Die Glarner Gemeindefusion von 2011 ist die weitreichendste Gebietsreform der Schweiz in jüngerer Zeit. Schon ein Jahr zuvor wurde der progressive Beschluss der Lands­gemeinde Realität:

Die bisherigen Behörden arbeiteten in einer Über­gangsphase von Januar bis Juni 2010 parallel mit den Amtsinhabern der neuen Gemeinden zusammen. Die Übergabe war am 1. Juli 2010 abge­schlossen.

Die Gemeinden wendet den Blick nach innen

Glarus Süd wurde über Nacht zur damals flächengrössten Gemeinde der Schweiz. Vor zehn Jahren verhalf sie der grössten Schweizer Stadt zu mehr Platz: Zürich erhielt von Glarus Süd seine höchst gelegene Ruhebank auf dem Vrenelisgärtli mit Blick bis zur Limmatstadt.

Heute wenden die drei Gemeinden den Blick bewusst nach innen und schenken ihren Dörfern und Ortsteilen ein Jubiläumsbänkli. Glarus Nord machte im ersten Halbjahr den Anfang. Hier ist auch die Erfinderin Avoi zuhause. Die Übungsfirma für Stellensuchende produziert die Ruhebank in ihrer Schreinerei und Metallwerkstatt in Niederurnen.

Beim Material kommen die anderen Gemeinden ins Spiel: Das Holz stammt aus dem Forst in Glarus Süd und das Metall liefert die PS Metall AG aus Netstal in der Gemeinde Glarus.

In Glarus Süd sind drei Jubiläumsbänkli geplant

Die heutigen drei Glarner Gemeinden bestehen aus insgesamt 29 Dörfern beziehungsweise Ortsteilen. Bereits vor der grossen Glarner Gemeindefusion gehörten Luchsingen, Hätzingen und Diesbach sowie Nidfurn, Haslen und Leuggelbach zusammen.

Die acht Dörfer in Glarus Nord haben ihre Ruhebänkli bereits erhalten. In der Gemeinde Glarus wird das erste von vier Bänkli am Samstag, 9. Oktober 2021, auf dem Schlatt in Netstal eingeweiht. In Glarus Süd sind 2021 die ersten drei und 2022 weitere 14 Jubiläumsbänkli geplant.

Das ist die Entstehungsgeschichte des Jubiläumsbänkli

Ein Bänkli aus einheimischem Holz, gefertigt im Glarnerlandm erinnert symbolisch an die geschichtsträchtige Glarner Gemeindestrukturreform im Jahr 2011. Das Jubiläumsbänkli-Modell ist in Glarus Nord bereits bekannt. Es kommt auch in der Denkwerkstatt zum Einsatz, dem Seminarangebot von Glarusnord-Tourismus.

«Für die Jubiläumsbänkli hat jede Dorfkommission einen Standort definiert», weiss Gemeindepräsident Thomas Kistler und erklärt: «Ein Bänkli ist eine Einladung, sich eine Pause zu gönnen und die Umgebung auf sich wirken zu lassen. Sitzgelegenheiten gehören zum Freiraum und verdeutlichen die wertvollen Plätze direkt vor der Haustüre.»

Zudem betont Glarus Nord mit Avoi den sozialen Aspekt. Dieser passt zum Label «Fair Trade Town», das Glarus Nord 2016 als erste Schweizer Gemeinde erhalten hat. Nebst den Bänkli hat Glarus Nord im Rahmen des Jubiläums eine Familienfeuerstelle in Bilten eingeweiht und ein Menü kreieren lassen. Zudem stellt die Gemeinde der Bevölkerung Fahnen bereit.

So feiert die Gemeinde Glarus

In der Gemeinde Glarus steht das Jubiläumsjahr unter dem Motto «mitenand wiiterguu». Das Jubiläumsjahr wird mit unterschiedlichen Aktivitäten für und mit Jung und Alt gefeiert. Ausgehend vom neuen Flurnamenbuch entsteht ein Flurnamenweg, welcher Netstal, Riedern, Glarus und Ennenda miteinander verbindet.

In jedem Ortsteil entsteht zudem eine Flurnamenterrasse mit Blick auf die anderen Ortsteile. Dazu Gemeindepräsident Christian Marti: «Der Flurnamenweg verbindet unsere vier Ortsteile nicht nur physisch, sondern auch mental. Denn wer die Flurnamen seines Ortsteils kennenlernen will, tut dies aus der Optik eines anderen Ortsteils.

Mit der Eröffnung der ersten Terrasse in Netstal am 9. Oktober weihen wir auch das erste Jubiläumsbänkli ein.» Ein weiteres Jubiläums-Highlight war die Kunstausstellung «Mini Gmeind Glaris».

Zahlreiche Schülerinnen und Schüler kreierten verschiedenste Kunstwerke und zeigten auf, wie sie ihre Heimatgemeinde wahrnehmen. Einige davon sind im Gemeindehaus ausgestellt. Ende Juli fand in Netstal der Jubiläumsgottesdienst mit Rahmenprogramm statt.

So feiert Glarus Süd

Glarus Süd hat die Jubiläumsaktivitäten bewusst den Vereinen in den 17 Dörfern übergeben und stellt Ressourcen dafür bereit. Aufgrund der Corona-Massnahmen wurden diese Aktivitäten verschoben.

Ihre Ideen können die Vereine bei der Gemeinde einreichen – vom Fussballturnier, über das Chorkonzert bis zum Kinder-Skirennen ist alles willkommen auf dem Programm, das sich durch ein ganzes Jahr zieht. Die südlichste Gemeinde nimmt die Idee aus der nördlichsten Gemeinde an, auch im tatsächlichen Jubiläumsjahr ein Zeichen zum Zehnjährigen zu setzen.

«Wir brauchen am meisten Jubiläumsbänkli», erklärt Gemeindepräsident Mathias Vögeli und ergänzt: «Es wird nicht einfach, die Standorte zu bestimmen, weil es Kraftorte sein sollen – und davon gibt es bei uns sehr viele.» Kraft ist auch das Motto, das die Gemeinde Glarus Süd seit 2011 als Slogan mit sich trägt.

So feiert der Kanton Glarus

Am 1. Januar 2021 erinnerten sich die Glarner Regierungsräte im Newsroom zurück, wie sie den epochalen Entscheid mit schweizweitem Widerhall persönlich miterlebt hatten. Klassische Jubiläumsfeiern sind während einer Pandemie schwierig umsetzbar.

Der Kanton Glarus lancierte deshalb mit «Wir sind Landsgemeinde» eine Artikelserie zu bemerkenswerten Landsgemeindeentscheiden. Es geht um Hochpolitisches wie das Frauenstimmrecht, das Proporzwahlverfahren oder das Stimmrechtalter, aber auch um manche Diskussionen, die heute schmunzeln lassen:

Wer darf an der Landsgemeinde den (musikalischen) Takt angeben? Wie soll die Maikäferplage eingedämmt werden? Wie viele Feiertage gönnt man sich? Nicht im Netz, dafür im Gelände, setzt das Kantonsmarketing auf ein 16 Quadratmeter grosses Glarnertuch.

Dazu Projektleiter Roland Wermelinger: «Das Glarnertüechli ist das Souvenir aus dem Glarnerland schlechthin. Zum Jubiläum haben wir es vom Tüechli zum Tuch gemacht: Es misst vier mal vier Meter und ist vielseitig nutzbar.» Das Mega-Glarnertuch wird von den Gemeinden und dem Kanton Glarus bei geeigneten Anlässen eingesetzt.

Mehr zum Thema:

Coronavirus Mini