Jürgen Feigel übergibt die Leitung Bereich Gesellschaft

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Emmen,

Der Emmer Leiter Gesellschaft, Jürgen Feigel, tritt nach über zwei Jahrzehnten zurück. Er übernimmt beim Kanton Nidwalden die Leitung Jugend, Familie und Sucht.

Emmen Luzern Emmenbrücke
Ausblick auf die Gemeinde Emmen LU. - Keystone

Wie die Gemeinde Emmen berichtet, begleitet Jürgen Feigel seit mehr als 21 Jahren Emmer Familien, Kinder und Jugendliche durch kleine und grosse Krisen. Nun verlässt der Leiter des Bereichs Gesellschaft die Gemeinde Emmen. Ein Abschied von einem, der lieber früh unterstützt, als später repariert – und der bei aller Professionalität nie vergessen hat, worum es letztlich geht: um den Menschen.

Ein paar Schritte von seinem Arbeitsort entfernt wird Emmen leiser. Häuser und Strassen rücken in den Hintergrund, die Reuss fliesst vorbei, am Ufer übernimmt die Natur. Jürgen Feigel kommt oft hierher, um seine Mittagspause zu verbringen.

Weg vom Telefon, von Sitzungen, Fallbesprechungen und den Geschichten, die nicht einfach erledigt sind, sobald die Bürotür ins Schloss gefallen ist. Hier tankt er Energie und ordnet seine Gedanken.

Vom Jugendberater zum Bereichsleiter

Als Feigel vor über zwei Jahrzehnten nach Emmen kam, war er als Jugend- und Familienberater tätig. Zuvor hatte er in Jugendheimen gearbeitet. Es war ein bewusster Wechsel. Er wollte nicht länger erst dort ansetzen, wo Konflikte bereits eskaliert waren, sondern näher an die Familien heranrücken.

2018 wurde er Leiter des Bereichs Gesellschaft. Zu seinem Verantwortungsgebiet gehörten seither unter anderem die Regionale Jugend- und Familienberatung, das Jugendbüro, die frühe Förderung, das Pflegekinderwesen, die Integration und die Zusammenarbeit mit dem Verein Tageseltern sowie die personelle Führung der Mitarbeitenden.

Wenn das Leben aus den Fugen gerät

In seinem Arbeitsalltag trifft Jürgen Feigel auf Situationen, in denen das Leben seine übersichtliche Ordnung verloren hat. Eine Trennung eskaliert. Eltern wissen nicht mehr weiter. Ein Jugendlicher zieht sich zurück. Ein Kind braucht vorübergehend ein anderes Zuhause. Eine Familie findet sich im Schweizer Bildungssystem kaum zurecht.

Die Unterstützung durch Feigel und sein Team beginnt möglichst früh. Eltern und Bezugspersonen werden gestärkt, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung begleitet und gefördert.

Tageseltern und Pflegefamilien schaffen passende Betreuungsformen, Integrationsarbeit soll Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Vieles davon geschieht im Hintergrund. Und häufig lange bevor aus einer schwierigen Situation eine akute Krise wird.

Prävention statt Krisenbewältigung

Dieses «Davor» ist für den 53-jährigen Familienvater entscheidend. Eine der wichtigsten Entwicklungen seiner Amtszeit sei deshalb die stärkere Gewichtung der Prävention gewesen. «Wir denken heute mehr in Richtung vorbeugen, statt nur zu reparieren.»

Wichtigste Ingredienz dabei: Respekt. Und Geduld. Menschen müssten in ihrem eigenen Tempo vorankommen können. Es gehe nicht darum, ihnen ein vermeintliches Patentrezept vorzulegen oder ihnen «das Problem» zuzuschieben.

«Auch in belastenden Situationen gibt es Wege nach vorne», sagt Feigel. Entscheidend seien die passenden Werkzeuge, tragfähige Rahmenbedingungen und die Achtung vor der Würde des Gegenübers.

Hilfe wird sichtbar

Im Beratungsalltag zeigt sich dies oft in kleinen Verschiebungen: wenn Eltern nach einem festgefahrenen Konflikt wieder miteinander sprechen können; wenn eine Familie erkennt, dass sie nicht versagt hat, sondern Unterstützung braucht; wenn Handlungsfähigkeit die Überforderung zurückdrängt.

«Hilfe wird dann sichtbar, wenn Menschen ihre Kompetenz zurückgewinnen», betont Feigel. Nicht die Fachperson solle am Ende als Heldin oder Held dastehen. Entscheidend sei, dass Familien wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten fassen.

Zu den Entwicklungen, die ihm besonders wichtig sind, gehört der Aufbau der frühen Förderung. Auch die neue Leistungsvereinbarung für die Spielgruppen und die Kampagne «sicher Zuhause» gegen häusliche Gewalt zählt er zu den Projekten, die bleiben.

Abschied nach über 21 Jahren

Stolz sei er indes vor allem auf die Mitarbeitenden, die mit wenig Ressourcen viel bewirken. Auf die Kolleginnen und Kollegen im Bereich Gesellschaft, im Departement Soziales und Gesellschaft und in den anderen Teilen der Verwaltung. Menschen, mit denen er im Dialog Lösungen entwickeln konnte, die für die Bevölkerung einen konkreten Mehrwert schufen. Sie zurückzulassen, fällt ihm nicht leicht.

Bald wird Feigels täglicher Weg nicht mehr nach Emmen führen. Nach mehr als 21 Jahren bei der Gemeinde Emmen übernimmt er beim Kanton Nidwalden die Leitung des Bereichs Jugend, Familie und Sucht. Der Gang ans Reussufer endet damit fürs Erste.

Die Themen aber bleiben: Familien stärken, Konflikte aushalten, Entwicklungen ermöglichen. Was er mitnimmt, ist Erfahrung. Was er zurücklässt, sind gewachsene Strukturen, angestossene Ideen und eine Haltung, die ihn durch mehr als zwei Jahrzehnte getragen hat: Es geht immer um den Menschen.

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