Bern: Inselspital prägt neue Standards bei Darmerkrankungen

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Ärzte des Inselspitals Bern BE haben neue europäische Leitlinien für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa mitgestaltet. Rund 50'000 Schweizer sind betroffen.

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Blick auf das Berner Inselspital. - keystone

Die Behandlung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Neue zielgerichtete Medikamente, ein früherer Einbezug der Chirurgie und die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen ermöglichen heute eine koordinierte und individuell abgestimmte Behandlung. Drei neue Referenzpublikationen der European Crohn's and Colitis Organisation (ECCO) tragen dazu bei, dass dieser Behandlungsansatz zum europäischen Standard wird.

Experten des Inselspitals haben die neuen Leitlinien massgeblich mitgestaltet.

Rund 50 000 Menschen in der Schweiz leben mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Die Erkrankungen verlaufen sehr unterschiedlich und erfordern eine individuell abgestimmte, interdisziplinäre Behandlung. Die neuen ECCO-Leitlinien verankern diesen Behandlungsansatz in konkreten Empfehlungen für die medizinische, chirurgische und pflegerische Versorgung.

Behandlung frühzeitig und interdisziplinär planen

Die Leitlinien empfehlen, die Behandlung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa von Beginn an interdisziplinär zu planen. Medikamente, Chirurgie und spezialisierte Pflege werden dabei frühzeitig aufeinander abgestimmt. Chirurgische Eingriffe sollen früher geprüft und nicht erst nach Ausschöpfen aller medikamentösen Möglichkeiten in Betracht gezogen werden.

Entscheidend ist vielmehr, gemeinsam die Kombination der verfügbaren Behandlungsoptionen zu wählen, die im jeweiligen Krankheitsverlauf den grössten Nutzen verspricht.

Neu verankert sind zudem minimal-invasive Verfahren, organerhaltende Konzepte und die Behandlung komplexer Fälle an spezialisierten Zentren. Ziel ist es, Komplikationen zu vermeiden, die Lebensqualität zu verbessern und langfristig bessere Behandlungsergebnisse zu erreichen.

Patientinnen und Patienten stärker einbeziehen

Die Leitlinien betonen zudem, dass Patientinnen und Patienten von Beginn an aktiv in Therapieentscheide einbezogen werden und die Behandlung an ihre persönliche Lebenssituation angepasst wird. Neben der Kontrolle der Entzündung rücken auch Themen wie Kontinenz, Ernährung, Fatigue, chronische Schmerzen, Fruchtbarkeit, Sexualität und psychische Gesundheit stärker in den Fokus. Spezialisierte Pflegefachpersonen übernehmen dabei eine zentrale Rolle: Sie beraten Betroffene, koordinieren die Versorgung und begleiten sie während des gesamten Krankheitsverlaufs.

Bessere Vernetzung der Versorgung

Die Leitlinien empfehlen zudem eine enge Vernetzung zwischen spezialisierten Zentren, Hausärzt:innen und niedergelassenen Gastroenterolog:innen, damit die Behandlung über alle Versorgungsstufen hinweg koordiniert erfolgt. Komplexe Behandlungen sollen an spezialisierten Zentren erfolgen, während die langfristige Betreuung möglichst wohnortsnah stattfindet. «Entscheidend ist, dass jede Patientin und jeder Patient von einem erfahrenen Team begleitet wird, das gemeinsam die beste Strategie festlegt», erläutert Prof. Dr. Michel Adamina, Leitender Arzt der Viszeralchirurgie am Inselspital.

Er verfasste die chirurgischen Leitlinien als Erstautor und wirkte an den medizinischen Leitlinien sowie am Pflege-Konsensus in koordinierender Funktion mit.

Mehr als 70 Expertinnen und Experten aus verschiedenen Ländern entwickelten die drei Referenzpublikationen gemeinsam. Dabei floss auch die am Bauchzentrum Bern gewonnene Erfahrung in der interdisziplinären Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen in die neuen Empfehlungen ein. Die im Journal of Crohn's and Colitis veröffentlichten Leitlinien bilden künftig die Grundlage für die Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen in Europa.

Für Patientinnen und Patienten eröffnen sie bessere Chancen auf eine langfristige Krankheitskontrolle sowie eine koordinierte und individuell abgestimmte Behandlung nach aktuellen europäischen Standards. «Unsere Aufgabe als universitäres Referenzzentrum ist es, komplexe Fälle zu behandeln und gemeinsam mit Zuweisenden tragfähige Versorgungsnetzwerke aufzubauen», sagt Prof. Dr. Sebastian Zeissig, Direktor der Universitätsklinik für Gastroenterologie am Inselspital.

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