Die Metallgiesserei Matzendorf AG war Ziel der «Tour de Région» des Naturpark Thal. Bis zu 150 Tonnen Rohmaterial werden jährlich in der Firma verarbeitet.
Metallgiesserei Matzendorf
1. Metallgiesserei Matzendorf Martin Bobst erläutert Regierungsrätin Brigit Wyss und Naturparkpräsident Nino Joller die Herausforderung des Alugusses anhand eines Musters. - Naturpark Thal

Schutzbrille, Ohrenstöpsel und ein paar Sicherheitsinstruktionen – für einmal geht es nicht um Corona, sondern um einen sicheren Besuch bei der Metallgiesserei Matzendorf AG.

Regierungsrätin Brigit Wyss, Barbara Schär von der Standortförderung Solothurn, Jonas Motschi Chef des Amts für Wirtschaft, Nino Joller, Präsident des Naturpark Thal und die gesamte Arbeitsgruppe Thaler Wirtschaft starteten perfekt ausgerüstet und eingestimmt zu einem spannenden Rundgang.

Martin Bobst und Daniel Marti, seit 2020 Eigentümer des Betriebs und langjährige Mitarbeiter, führten vorbei an aufgetürmten Rohmaterial – Alublocks, die zu unterschiedlichsten Teilen vergossen werden. Bis zu 150 Tonnen Rohmaterial werden jährlich hier verarbeitet.

Die Firma hat eine optimale Nachfolgereglung mit Tradition

Die Firma wurde 1969 gegründet. Von Anfang an wurde auf Dienstleistungen aus einer Hand gesetzt. Hansjörg Zingg, Eigentümer bis 2020, erzählt den Besuchern über die Geschichte.

Schon er war langjähriger Mitarbeiter, bevor er die Firma übernahm. Auch 2020 gelang eine weitere erfolgreiche Nachfolge: Martin Bobst und Daniel Marti – auch sie langjährige Mitarbeiter, übernahmen die Firma und konnten sie aufgrund ihrer Erfahrung, Kenntnis und Expertise erfolgreich weiterführen.

Heute sind hier 22 Mitarbeiter beschäftigt, die überwiegend auch in der Region wohnen und verwurzelt sind. «Wir sind stolz auf die grosse Verbundenheit mit dem Thal und dem Standort», betont Daniel Marti. «Nachwuchsförderung ist uns wichtig. Deshalb werden wir ab Sommer 2022 wiederum eine Ausbildungsstelle als Polymechaniker anbieten.»

Die Arbeit mit 780 Grad heissem Material ist eine Herausforderung

Die Metallgiesserei bietet ihren Kunden eine komplette Dienstleistung aus einer Hand an: eigener Formenbau, Giesserei und mechanische Bearbeitung inklusive Nachbehandlung der Gussteile. Im Keller lagern inzwischen an die 1000 Formen, die immer wieder verwendet werden können.

In der Giesserei ist es sehr heiss und die ersten Besucher ziehen ihre Jacken aus. «Das Aluminium wird auf 750 bis 780 Grad erhitzt und die Formen auf 350 Grad», erklärt Herr Bobst «für die Mitarbeiter ist die Arbeit sehr herausfordernd. Es braucht viel Erfahrung und Präzision.»

Diese Präzision ist auch in der Nachbearbeitung zu sehen. Hier werden die Teile komplett mechanisch bearbeitet und durchlaufen die Qualitätskontrolle. 2014 wurde eine Röntgengenanlage angeschafft, mit dessen Hilfe 100 Prozentige Gussqualität für die Kunden garantiert werden kann.

Die Teile werden aus Matzendorf in die Welt exportiert

Die hergestellten Teile reichen vom Kleinteil von wenigen Gramm bis hin zum 45 kg Gussteil. Der Kundenstamm ist auch sehr breitgefächert – vom Seilbahnbau, über Fahrzeug- und Anlagenbau, Ölindustrie, Medizinaltechnik, Designmöbelteile bis hin zur Uhrenindustrie.

«Unsere langjährigen Kundenbeziehungen sprechen für die Qualität unserer Arbeit», sagt Daniel Marti überzeugend. «Die meisten Kunden kommen auf uns zu und wir machen eigentlich nur wenig Werbung.»

Und wenn man in Zukunft irgendwo auf der Welt die grosse Werbe-Uhren sieht, mit einem Durchmesser von über einem Meter, kann man als Thaler oder Thalerin sofort stolz berichten, dass dieses Teil in Matzendorf gegossen wurde.

Die «Tour de Région» dient dem Austausch und der Vernetzung

Die «Tour de Région» des Naturpark Thal wurde 2017 wieder ins Leben gerufen. Jährlich besucht die Gruppe zusammen mit der Regierungsrätin Brigit Wyss Unternehmen im Thal. Mit dabei sind auch Unternehmer aus dem Thal.

«Auch für uns ist es sehr spannend zu sehen, was andere Betriebe im Thal machen und den Austausch schätze ich sehr», so Benno Schmid, Verwaltungsratspräsident von Chemvalve-Schmid AG aus Welschenrohr.

Die Corona-Situation war auch für die Metallgiesserei eine Herausforderung

Für die Metallgiesserei hat die Corona-Lage auch grosse Auswirkungen, die sie aber momentan noch gut meistern, so Martin Bobst auf die Frage von Regierungsrätin Brigit Wyss.

Sorge mache ihnen vor allem die Verfügbarkeit und der Preis von Aluminium. Im Auftrag eines Kunden hätten sie seinen Zweijahresbedarf vorab eingekauft. Auch der Metallgiesserei sind Aufträge weggebrochen.

Aber sie haben auch gewonnen – Teile für die Labortechnik wurden zum Beispiel über die vierfache Menge als üblich geordert. Die Metallgiesserei ist gut aufgestellt und gerüstet für die Zukunft – die Teilnehmer der Tour de Région konnten sich davon eindrucksvoll überzeugen.

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