Stephan Müller, Szenograph und ehemaliger Einwohnerrat der Gruppe JETZT!, Aarau , schreibt im Gastbeitrag über fehlende Kandidaten für die Wahlen in Aarau.
Stephan Müller
Stephan Müller, Szenograph und ehemaliger Einwohnerrat der Gruppe JETZT!, Aarau. - z.V.g.

Im Herbst sind auf Gemeindeebene Wahlen in der Region Aarau. Eine Wahl ohne Auswahl ist keine Wahl. In der Aarauer Nachbargemeinde Suhr gibt es eine Kampfwahl ums Präsidium des Gemeinderates. Das ist für die Stimmberechtigten von Suhr gut so.

In der Stadt Aarau? Sind Kampfwahlen in Aarau üblich? Ich habe nachgeforscht. 1889 gab es eine Kampfwahl ums Stadtpräsidentenamt in Aarau; dann erst 2001 das nächste Mal!

112 Jahre, länger als ein Jahrhundert, hatten die Aarauerinnen und Aarauer keine Auswahl für dieses Amt. Die FDP schlug in dieser Zeit (mit Ausnahme von Stadtammann Laager, der zuerst zur FDP gehörte, dann jedoch zur damaligen BGB wechselte) jeweils einen Mann als Stadtammann vor, der wurde dann gewählt. Niemand getraute sich gegen diese zu kandidieren. Über Generationen!

Auch 2021 nur ein Kandidat?

Im 21. Jahrhundert wurde Aarau bunter. Auch ich trug meinen Teil dazu bei, indem ich 2001 und 2005 für die neue Gruppierung «JETZT!» als Stadtpräsident gegen den damaligen freisinnigen Amtsinhaber antrat.

Auch 2009, 2013 und 2017 gab es eine Auswahl für Präsidiumsamt. 2013 gewann mit Jolanda Urech gar zum ersten Mal die Linke und eine Frau diese Wahl in Aarau.

2021 sieht es – in einem Rückfall in alte Zeiten – danach aus, dass wiederum nur der bisherige freisinnige Amtsinhaber zur Wahl steht. Weit und breit ist heute keine Gegenkandidatur sichtbar.

Da am 13. August, also zwei Tage vor dem Erscheinen dieses Beitrages, die Anmeldefrist für die Wahl im September abläuft, könnte eine Kandidatur bis dann noch eingehen. Dieser Termin ist bei Redaktionsschluss dieses Beitrages noch nicht abgelaufen.

Und ja, ich überlege mir zum jetzigen Zeitpunkt, anfangs August, ernsthaft, ob ich nochmals antreten soll. Oder melden sich andere Kandidatinnen oder Kandidaten?

Wichtig, in Alternativen zu denken

Gegen bisherige Amtsinhaber hat man nur Aussenseiterchancen, das ist klar. Aber es ist wichtig, in Alternativen zu denken und über kontroverse Themen zu diskutieren. Da müssen Leute, die für anderes als die bisherigen Amtsinhaber einstehen, sich auch melden.

Alle vier Jahre kann diese grundsätzliche Diskussion stattfinden. Fällt sie aus, ist das für eine Stadt wie Aarau ein schlechtes Zeichen.

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