Schweizer Industrie zwischen KI-Boom und verhaltener Konjunktur

Keystone-SDA
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Zürich,

Die Schweizer Unternehmen haben im ersten Halbjahr 2026 trotz einer schwachen Konjunktur und hoher Kosten besser abgeschnitten als von den Analysten erwartet. Besonders die Industrie zeigt sich vielerorts robust.

KI
Künstliche Intelligenz ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. - keystone

Dabei zeichnet sich eine zunehmende Zweiteilung ab: Unternehmen, die direkt oder indirekt vom Boom bei Künstlicher Intelligenz und Rechenzentren profitieren, verzeichnen teils kräftiges Wachstum, während andere weiterhin unter einer schwachen Nachfrage in ihren traditionellen Endmärkten leiden.

Besonders deutlich wird dies bei den Auftragseingängen. Bei den kotierten Unternehmen, für die entsprechende Daten vorliegen, ist der Auftragseingang in 12 von 16 Fällen gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Im Durchschnitt betrug das Plus rund 37 Prozent.

Auch gegenüber den Analystenschätzungen im AWP-Konsens ist das Bild aussergewöhnlich positiv: 13 von 14 Unternehmen übertrafen beim Auftragseingang die Erwartungen.

Zu den prominenten Beispielen gehört der Elektrotechnikkonzern ABB, dessen Auftragseingang die Erwartungen um 15 Prozent übertraf. Auch der Vakuumventil-Hersteller VAT, der Intralogistikspezialist Kardex, der Elektronikhersteller Cicor, der Stromsensorenhersteller LEM und der Maschinenbauer Bystronic lagen über den Prognosen.

Auch Komax – ein Hersteller von Kabelverarbeitungsmaschinen – vermeldete am Donnerstag ein besseres Resultat, sowohl bezüglich der Schätzungen als auch bezüglich der Vorjahreszahlen. Besonders die hohe Nachfrage im Bereich von Rechenzentren überlagerte die weiter gedämpfte Auftragslage im Automotive-Geschäft.

Die neuen Aufträge wecken damit Hoffnungen auf eine Belebung der Industrie. Doch ein Blick auf die einzelnen Unternehmen zeigt, dass sich die Erholung sehr unterschiedlich verteilt.

Ein wichtiger Treiber sind die hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz und Rechenzentren. Sie sorgen entlang verschiedener Wertschöpfungsketten für zusätzliche Nachfrage – von Halbleitern und deren Produktion über Kühlung und Automatisierung bis hin zur Infrastruktur. Und für höhere Gewinne.

Besonders deutlich zeigt sich dies bei Unternehmen, die direkt oder indirekt von diesem Investitionsschub profitieren. Der Vakuumtechnik-Spezialist Inficon steigerte den operativen Gewinn gegenüber dem Vorjahr um rund 67 Prozent. Beim Röntgen- und Hochfrequenzspezialisten Comet nahm das EBITDA um rund 37 Prozent zu, beim Verbindungstechnik-Händler Bossard das EBIT um gut 31 Prozent.

Auch der Befestigungstechnik-Spezialist SFS (+23 Prozent) und der Gebäudetechnikhersteller Belimo (+19 Prozent) gehören zu den Unternehmen mit kräftigem Gewinnwachstum.

Während der KI- und Rechenzentrenboom bei einigen Unternehmen für kräftige Wachstumsimpulse sorgt, bleiben andere auf die Nachfrage in ihren traditionellen Endmärkten angewiesen.

Und bei dieser stockt es teilweise noch, wie beim Maschinenbauer Bucher Industries: Der operative Gewinn brach im ersten Halbjahr um rund 41 Prozent ein. Das Unternehmen hatte vor allem im landwirtschaftsnahen Geschäft mit einer schwachen Nachfrage zu kämpfen.

Beim Automatisierungs- und Maschinenbauunternehmen Mikron betrug der Rückgang beim Betriebsgewinn rund 25 Prozent. Das Westschweizer Unternehmen spricht von einem insbesondere in Europa schwierigen Marktumfeld. In der Folge schmolz der Auftragsbestand weiter.

Dass ein kräftiger Auftragseingang nicht automatisch zu höheren Gewinnen führt, zeigt das Beispiel Kardex. Der Spezialist für Intralogistik meldete für das erste Halbjahr einen um 26 Prozent gestiegenen Auftragseingang. Getrieben wurde die Entwicklung von der fortschreitenden Automatisierung.

Beim Gewinn kam dieser Auftragsboom allerdings noch nicht an. Vor allem im profitabelsten Geschäftsbereich besteht laut Kardex weiterhin eine «Umsatzlücke». In der Folge sank das Betriebsergebnis um 38 Prozent.

Damit steht Kardex nicht ganz alleine da. Auch VAT braucht noch etwas mehr Zeit, um die neuen Aufträge in Gewinn umzumünzen. An der Börse jedenfalls kamen die Zahlen der beiden Unternehmen trotzdem gut an. Die Hoffnung auf Gewinne aus dem KI- und Rechenzentren-Boom überwiegt.

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