Ökonomen noch optimistisch – warnen aber vor Lockdown

    Michael Bolzli
    Michael Bolzli

    Zürich,

    Strengere Corona-Massnahmen belasten die Wirtschaft. Dennoch werden die BIP-Prognosen aktuell nicht angepasst.

    Coronavirus
    ...und auf die Politik. Hier abgebildet: Gesundheitsminister Alain Berset. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Seit Montag gelten wieder strengere Corona-Massnahmen.
    • Gibt es keinen Lockdown, dürften aktuelle BIP-Prognosen gültig bleiben.

    Der Bundesrat hat seinen Corona-Kurs verschärft. Seit Montag gilt fast überall eine Maskenpflicht und ein Verbot für spontane Versammlungen ab 15 Personen. Zudem empfiehlt die Landesregierung wenn möglich Homeoffice.

    Was bedeutet das für die Wirtschaft? Nau.ch hat bei mehreren Schweizer Ökonomen nachgefragt. Die gute Nachricht: Die Wirtschaftsprognosen werden wohl nicht angepasst. Die schlechte: Rosig ist das Bild nicht.

    wirtschaft schweiz Economiesuisse
    Die Wirtschaft werde gemäss Economiesuisse im kommenden Jahr gefordert sein. - Keystone

    «Die neuen Massnahmen erschweren auf der einen Seite sicherlich die wirtschaftliche Entwicklung, auf der anderen Seite sollten sie helfen, dass sich die Fallzahlen und die Hospitalisationen stabilisieren», sagt Claude Maurer, Leiter Konjunkturanalyse Schweiz der Credit Suisse. Letzteres sei wichtig, dass sich Konsumenten sicher fühlen.

    Wirtschaftlicher Schaden begrenzt

    «Basisszenario ist derzeit, dass sich die Zahlen dank den Massnahmen stabilisieren sollten und somit der wirtschaftliche Schaden begrenzt bleibt», sagt Mauer. Aktuell geht die Grossbank davon aus, dass dieses Jahr die Schweizer Wirtschaft um vier Prozent schrumpfen wird.

    Bei der UBS erwartet man, dass die steigenden Neuinfektionen zu «deutlich mehr» Unsicherheit führen wird. Das dürfte sich auf das Wachstum im vierten Quartal 2020 auswirken, glaubt Ökonom Alessandro Bee. «Allerdings erwarten wir keinen Rückfall in eine Rezession, solange uns ein zweiter Lockdown erspart bleibt.»

    Die Analysten der Grossbank glauben, dass dieses Jahr die Schweizer Wirtschaft um 4,5 Prozent schrumpfen wird. Bee sieht «eher weniger» Revisionsbedarf für diese Prognose. «Erstens könnte das Wachstum im dritten Quartal nach oben überraschen und zweitens hat das vierte Quartal auf das Jahreswachstum 2020 nur einen geringen Einfluss.» 2021 könnte eine Delle in der Erholung allerdings deutliche Spuren hinterlassen.

    Coronavirus
    Nicht nur das Coronavirus dämpft die Stimmung der Wirtschaft. - sda - KEYSTONE/AP/FABIAN BIMMER

    Erst vor wenigen Tagen hat das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO die Prognose für das aktuelle Jahr nach oben korrigiert. Dabei seien bereits gewisse temporäre und lokale Verschärfungen berücksichtigt worden, sagt Sprecher Fabian Maienfisch. «Die jetzige Situation ist daher im Grossen und Ganzen mit der aktuellen Prognose vereinbar. So dürften vermehrtes Homeoffice zwar gewisse Branchen – etwa das Gastgewerbe oder den Verkehr – belasten, aber die Erholung nicht grundsätzlich gefährden.»

    Coronavirus nicht einziges Problem

    Auch nicht korrigieren will die Prognosen der Wirtschaftsberater Wplus. Geschäftsführer Adriel Jost erklärt: «Wir waren für das Winterhalbjahr bereits sehr pessimistisch, und passen unsere Erwartungen darum zum heutigen Zeitpunkt nicht an». Er rechnet für dieses Jahr aktuell mit einem Minus von rund fünf Prozent.

    «Nicht nur die zweite Welle des Coronavirus sorgt für konjunkturellen Gegenwind», sagt Jost. Die Weltwirtschaft sei weiterhin stark angeschlagen, die Industrierezession voll im Gange und die Investitionen schwach.

    Lockdown
    Ein erneuter Lockdown würde die Schwez hart treffen. - dpa-infocom GmbH

    Jost rechnet im Basisszenario mit politischen Corona-Massnahmen, welche die Wirtschaft vergleichsweise schonen. «Andererseits erwarten wir, dass die Bevölkerung sich mehr an das Risiko gewöhnt hat und darum weniger auf Aktivitäten verzichtet als im Frühling.» Doch: «Wir müssten unsere Erwartungen weiter gegen unten korrigieren, wenn sich dieser ‹Mittelweg› gesundheitlich als zu wenig nachhaltig ausweist.» Etwa wie im Fall von Irland oder den Niederlanden.

    Die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich wird am Donnerstag die aktuelle Prognose publizieren. Die Fragen von Nau.ch wurden deswegen nicht beantwortet.

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