Junge Schweizer entdecken Geschäftschancen in China

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Zürich,

Früher in der Kritik, heute im Trend: Junge Schweizer Unternehmerinnen und Unternehmer interessieren sich für China. Ein Start-up führt sie vor Ort. Laut Experten hat das auch mit dem Schweizer Kapitalmarkt zu tun.

Junge Menschen aus dem Westen wollen sich ein Bild von China machen. Gerade Unternehmerinnen und Unternehmer erhoffen sich dort Geschäftschancen. (Symbolbild)
Junge Menschen aus dem Westen wollen sich ein Bild von China machen. Gerade Unternehmerinnen und Unternehmer erhoffen sich dort Geschäftschancen. (Symbolbild) - KEYSTONE/EPA/ALEX PLAVEVSKI

Noah Pittet wollte sich «ein eigenes Bild machen» und «so viele Kontakte wie möglich knüpfen». Daher reiste der 22-Jährige im vergangenen Herbst mit dem Programm China Tech Fellowship nach Shanghai. Heute ist er überzeugt: «China wird dieses Jahrhundert anführen.»

Pittet hat an der Universität St. Gallen (HSG) studiert. Er arbeitet für sein Familienunternehmen L-Pittet, eine Fahrschulkette in Lausanne. Nach seiner Reise will er chinesische Motorräder importieren: «Die Qualität ist hoch und der Preis tief», sagt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.

Trotz Kritik an der autoritären Regierung und dem leistungsgetriebenen Wirtschaftssystem hat China im Westen einen Imagewandel erreicht. Westliche Business-Influencer schwärmen von Geschäftschancen. Für die junge Generation ist «Made in China» schon lange keine Abwertung mehr.

Mit dem China Tech Fellowship will die Schweizerin Louise Maunoir jungen Unternehmerinnen und Unternehmern sowie Studierenden einen Zugang zu China verschaffen. Die Lausannerin spannte dazu im vergangenen Jahr mit der Chinesin Catherine Duan zusammen, die vor Ort organisiert und übersetzt.

Die fünftägige Reise findet mehrmals jährlich statt und besteht aus Unternehmensbesuchen und Networking-Anlässen in Shenzhen oder Shanghai. Die jüngste Teilnehmerin war bisher 18 Jahre alt, der älteste um die 40. Sie zahlen dafür 2800 Euro.

In China sind persönliche Kontakte besonders wichtig, wie Personen aus dem Umfeld des Programms berichten. Oft spreche man zuerst stundenlang über Privates, bevor es ums Geschäftliche geht. Das Phänomen wird auch «Guanxi» genannt – analog zum westlichen «Vitamin B». Ein Unterschied ist aber, dass Kontakte in China oft nicht über westliche Plattformen wie Whatsapp und Facebook erreichbar sind, da diese dort gesperrt sind.

Für Schweizer Unternehmen ist China auch deshalb interessant, weil der hiesige Kapitalmarkt überschaubar ist. «Lokale Investoren sind bei grossen Finanzierungsrunden deutlich untervertreten», sagt Nils Rode, Chief Investment Officer der Investmentfirma Schroders Capital.

Investoren aus den USA und China hielten hingegen gezielt nach Schweizer Deep-Tech-Talenten Ausschau. «China war in den letzten 20 Jahren sehr offen dafür, Start-up- beziehungsweise Venture-Capital-Talente aus dem Ausland anzuwerben», so Rode.

Das Land habe dies als strategischen Schwerpunkt erkannt und sich als ein führender Kapitalmarkt etabliert. Dies zeige sich auch an der Zahl der entstehenden Unicorns, also Start-ups mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde US-Dollar.

In der Forschung werden Chinas Start-up-Programme auch kritisch gesehen. «China hat langfristig das Ziel, verschiedene Hightech-Sektoren zu dominieren», sagt Ariane Knüsel, Historikerin und Privatdozentin an der Universität Freiburg. Das sei in den letzten Fünfjahresplänen klar formuliert worden. «Da wird es keinen Platz für Schweizer Rivalen geben.» Ausserdem gebe es bei Partnerschaften das Risiko, dass Betriebswissen übertragen werde.

China fasziniert viele junge Menschen aber auch über die geschäftliche Seite hinaus. Unter den Stichwörtern «Becoming Chinese» oder «Chinamaxxing» testen sie in den sozialen Medien chinesische Praktiken, Mode und Rezepte.

Gleichzeitig hat die chinesische Regierung bewusst die Einreisebedingungen gelockert, um den Tourismus anzukurbeln. In der Folge reisten 2025 so viele Gäste nach China wie noch nie. Auch Schweizerinnen und Schweizer benötigen für einen kurzen Aufenthalt kein Visum mehr.

In einer Zeit, in der Russland und die USA als Aggressoren auftreten, positioniert sich China zudem als friedliche, innovationsgetriebene Kraft. Verbreitet werden Bilder von humanoiden Robotern, die Marathons laufen, und Drohnen, die Essen liefern.

Diese Seite Chinas hat auch den Lausanner Noah Pittet fasziniert. Einige Monate nach dem Programm reiste er erneut in die Volksrepublik – dieses Mal privat mit seinen Eltern. Er sagt: «Ich bin schon viel gereist, aber ein Land wie China habe ich noch nie gesehen.»

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