Irankrieg treibt Gaspreise auf neues Mehrjahreshoch

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Bern,

Die europäischen Gaspreise sind im Zuge der wochenlangen Eskalation im Irankrieg immer weiter angestiegen. Mittlerweile sind diese auf ein neues Mehrjahreshoch geklettert und notieren höher als in der Spitze nach Ausbruch des Konflikts Ende Februar.

bkw
Der Hauptsitz der BKW am Berner Viktoriaplatz. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/DOMINIC STEINMANN

«Es zeichnet sich keine kurzfristige Lösung im Konflikt ab und keine unmittelbare Öffnung der Strasse von Hormus, was die Situation am Gasmarkt entspannen würde», heisst es von Alpiq auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Im Sog der Gaspreise seien die Strompreise ebenfalls gestiegen.

«Konkret zeigt sich in diesen Tagen, dass sich die Lage im Iran-Konflikt vermutlich auf mittlere Frist nicht normalisieren wird», heisst es von der BKW. Sogar wenn politisch eine Lösung gefunden werden sollte, dürfte sich der weltweite Handel mit Öl und Gas erst mit monatelanger Verzögerung normalisieren – also erst 2027.

Der TTF-Gaskontrakt an der Energiebörse in Amsterdam zur Lieferung im kommenden Monat ist am Freitag bis auf über 63 Euro je Megawattstunde angestiegen – so hoch wie seit Januar 2023 nicht mehr. Im vorherigen Hoch im März 2026 war die Notierung bis auf 61,85 Euro geklettert, danach aber mit dem temporären Waffenstillstand wieder bis auf rund 40 Euro zurückgekommen.

Seit rund einem Monat kennt der Gaspreis aber nur noch eine Richtung, und zwar nach oben. Im bisherigen Jahrestief im Januar hatte pro Megawattstunde noch lediglich 27,40 Euro gekostet.

Damit werde es auch schwieriger, die europäischen Gasspeicher bis in den Winter zu angemessenen Preisen zu füllen, so der Energiekonzern Alpiq weiter. Zudem stehe eine weitere Hitzewelle an, welche die Atomkraftproduktion insbesondere in Frankreich weiter reduzieren dürfte, bei relativ geringer erwarteter Winderzeugung. Das lasse den Gasverbrauch noch weiter ansteigen.

Die Gasspeicher in der EU sind aktuell zu rund 55 Prozent gefüllt, verglichen mit einem langjährigen Durchschnitt von 70 Prozent zur selben Jahreszeit. In Deutschland mit der grössten Speicherkapazität liegt der Füllstand aktuell sogar unter 50 Prozent.

Das hat auch Auswirkungen auf die Strompreise: Diese sind stark von den Gaspreisen abhängig, wenn in Europa viele Gaskraftwerke laufen müssen, um den Strombedarf zu decken.

«Aktuell treiben natürlich weiterhin die Entwicklungen im Nahen Osten die Preise für Energie, vor allem Öl und Gas, und von dort aus Strom», sagt Axpo-Analyst Andy Sommer. Er verweist auf die wiederaufgeflammten Kampfhandlungen. Auch würden gestiegene Preise für CO2-Zertifikate eine Rolle spielen.

Der Kontrakt für die Stromlieferung im kommenden Jahr ist bis Freitag auf 111,40 Euro die Megawattstunde angestiegen. Damit befindet sich der Preis seit einem Monat ebenfalls stetig im Aufwind. Das Tief wurde im Februar mit weniger als 80 Euro erreicht. Im März lag der Preis zwischenzeitlich bei über 120 Euro.

Kommentare

User #2036 (nicht angemeldet)

Die Grünen jubeln.

User #3810 (nicht angemeldet)

Super. Dann "dürfen", nach dem Merrit-Order Prinzip, ja auch die Strompreise 'endlich' wieder steigen. Und da die Einspeisevergütung praktisch inexistent ist, zahlen spez. die PV-Besitzer doppelt...

Weiterlesen

sbb
88 Interaktionen
Falschsitzer-Ärger
abholschein
3 Interaktionen
Im Briefkasten

MEHR AUS STADT BERN

An der Sense
YB
66 Interaktionen
Nach starkem Spiel
Kohli
Philip Kohli
de
66 Interaktionen
4:2 gegen Sion