Infomaniak startet mit 56 Franken an Schweizer Börse
Die Schweizer Börse hat einen neuen Teilnehmer erhalten. Seit dem Donnerstagmorgen werden die Titel des Genfer Cloud- und IT-Dienstleisters Infomaniak gehandelt. Der erste Kurs für den Börsenneuling lag am Donnerstagmorgen bei 56,00 Franken.

Bis um 9.16 Uhr hatten zunächst 2256 Aktien die Hand gewechselt. Auf Basis des Eröffnungskurses und ausstehenden rund 4,7 Millionen Aktien ergibt sich für das unter dem Tickersymbol «INFO» kotierte Unternehmen ein Börsenwert von rund 260 Millionen Franken.
Infomaniak gelangt allerdings nicht über einen klassischen Börsengang, sondern über ein sogenanntes Reverse Takeover (RTO) an den Schweizer Aktienmarkt. Das Genfer Unternehmen hatte dafür die Kontrolle über die bereits kotierte Beteiligungsgesellschaft Perrot Duval übernommen.
Vergangene Woche hatte die Perrot Duval-Generalversammlung der Umbenennung in «Infomaniak» wie auch dem Verkauf einer verbleibenden Beteiligung und der Änderung des Gesellschaftszwecks zugestimmt. Zudem wurde das Kapital gegen eine Sacheinlage von Infomaniak-Aktien um rund 200 Millionen Franken erhöht.
Die vor über 30 Jahren gegründete Infomaniak will laut ihren Angaben eine «nachhaltige und souveräne» europäische Cloud schaffen und sich damit als Antwort auf die US-Cloud positionieren. Sie verfügt nach eigenen Angaben über mehr als eine Million Kunden. Der Umsatz belief sich 2025 auf 54 Millionen Franken.
Das ist Infomaniak
Innerhalb von drei Jahrzehnten hat sich Infomaniak von einem kleinen Genfer IT-Unternehmen zu einem wichtigen Akteur der europäischen digitalen Infrastruktur entwickelt. Ab dem heutigen Donnerstag wird das Unternehmen an der Schweizer Börse SIX gehandelt.
Das 1994 von Boris Siegenthaler gegründete Unternehmen war zunächst in den Bereichen IT und Internetzugang tätig, bevor es sich Ende der 1990er-Jahre auf das Hosting von Websites spezialisierte. Später kamen Domainnamen, Streaming, Cloud-Dienste und Anwendungen für die Zusammenarbeit hinzu. Heute bietet Infomaniak unter anderem Lösungen für Websites, E-Mails, Datenspeicherung und die Online-Veröffentlichung von Inhalten an.
Mit Standorten unter anderem in Genf und Zürich setzt Infomaniak darauf, seine Infrastruktur selbst zu betreiben. Server, Software und Rechenzentren werden von der Gruppe verwaltet. Besonderen Wert legt sie dabei auf die Speicherung der Daten in der Schweiz und deren Schutz.
Diese Strategie schlägt sich auch in den Zahlen nieder. 2025 steigerte Infomaniak den Umsatz um 12 Prozent auf 56 Millionen Franken. Für 2026 stellte Gründer Siegenthaler kürzlich gegenüber der Nachrichtenagentur AWP ein Umsatzwachstum von 15 bis 20 Prozent in Aussicht.
Europäische Präsenz
Obwohl Infomaniak weiterhin stark in der Schweiz verwurzelt ist, werden seine Dienstleistungen von Kunden in mehreren europäischen Ländern genutzt, wie Firmenchef Marc Oehler gegenüber AWP bei einem Besuch des D4-Rechenzentrums in Plan-les-Ouates Anfang September sagte. Das Unternehmen positioniert sich dabei als europäische Alternative zu den grossen US-Anbietern.
Infomaniak beschäftigt derzeit rund 340 Mitarbeitende und betreibt digitale Infrastrukturen für mehr als 300'000 Kunden, darunter Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen. Gleichzeitig investiert die Gruppe weiter in ihre Infrastruktur, unter anderem in Projekte zur Senkung des Energieverbrauchs ihrer Rechenzentren.
Ende Mai gab das Unternehmen die Gründung einer Stiftung bekannt. Damit will Infomaniak seine Unabhängigkeit auch bei weiterem Wachstum sichern und Investitionen in die eigenen Rechenzentren sowie deren Rechen- und Speicherkapazitäten ermöglichen.
Einige Monate später kündigte Infomaniak den Gang an die Schweizer Börse an. Dieser erfolgt über eine sogenannte umgekehrte Übernahme (Reverse Takeover). Dabei übernimmt ein bisher nicht kotiertes Unternehmen faktisch eine bereits börsenkotierte Gesellschaft – in diesem Fall die Beteiligungsgesellschaft Perrot Duval – und erhält so deren Börsenplatz. Die Transaktion wurde Ende September von der Generalversammlung von Perrot Duval gutgeheissen.
Die Börsenkotierung soll Infomaniak einen besseren Zugang zu Kapital verschaffen und das weitere Wachstum unterstützen. Gleichzeitig steht das Unternehmen vor steigenden Investitionen, einem intensiven Wettbewerb und einem wachsenden Energiebedarf.










