Chronologie: Babynahrungsskandal nahm im November seinen Lauf
Verdächtige Todesfälle und Dutzende erkrankte Kinder, Rückrufe in mehr als 60 Ländern, Klagen sowie eine Intervention der Europäischen Union: Eine Chronologie zum Bakteriengift Cereulid in Milchpulvern von Nestlé, Danone und anderen Herstellern.

- Ende November 2025: Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé entdeckt nach der Installation einer neuen Produktionsanlage in den Niederlanden geringe Mengen Cereulid in Milchpulverproben und stoppt dort die Produktion. Die Anlage wird zerlegt, weitere Tests folgen.
- 10. Dezember: Analysen bestätigen Spuren von Cereulid in Chargen von Babymilchprodukten. Nestlé beschliesst den Rückruf aller seit der Installation der neuen Anlage hergestellten Produkte – 25 Chargen in 16 europäischen Ländern. Der Konzern informiert Behörden, betroffene Länder, die EU-Kommission und Partner.
- 23. Dezember: Untersuchungen ergeben, dass die Kontamination nicht von der Maschine stammte, sondern von einer Ölmischung, die in mehreren Werken als Zutat verwendet wurde. Nestlé beginnt mit der Analyse von über 400 Proben von Arachidonsäureöl und entsprechenden Mischungen.
- 24. Dezember: Nestlé bestätigt, dass das Arachidonsäureöl mit Cereulid belastet ist. Laut Behörden stammte es vom chinesischen Anbieter Cabio Biotech aus Wuhan. Nestlé beendet die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten und blockiert die betroffenen Produkte.
- 30. Dezember: Der Konzern alarmiert Branchenverbände, um Mitbewerber mit demselben Lieferanten zu warnen.
- 2. Januar 2026: Nestlé beginnt, die Behörden von rund 60 Ländern zu informieren. Rückrufe betreffen Staaten in Europa, Südamerika und Asien sowie Nordafrika, den Nahen Osten, Australien und Neuseeland.
- 5. Januar: Öffentliche Rückrufe starten nach behördlicher Bestätigung. Betroffen sind unter anderem die Nestlé-Marken «Alfamino» und «Beba».
- 13. Januar: Nestlé-CEO Philipp Navratil entschuldigt sich in einer Videobotschaft bei Eltern und Betreuungspersonen für die Verunsicherung.
- 15. Januar: Der Hersteller Hochdorf ruft vorsorglich 10'000 Packungen «Bimbosan»-Ziegenmilchpulver zurück.
- 21. Januar: Der französische Konzern Lactalis ruft «Picot»-Säuglingsmilch in Frankreich und weiteren Märkten zurück.
- 23. Januar: Auch Danone startet in mehreren Ländern Rückrufe von Babymilchpulver, darunter Chargen der Marke «Aptamil».
- Gleichentags: In Frankreich werden Ermittlungen zu den Todesfällen zweier Säuglinge bekannt, die möglicherweise kontaminierte Nahrung erhalten hatten, wie Gesundheitsministerin Stéphanie Rist in einem TV-Interview sagt.
- 26. Januar: Der Hersteller Vitagermine ruft bestimmte «Babybio»-Produkte zurück.
- 29. Januar: Die Organisation Foodwatch reicht in Paris Klage gegen Unbekannt ein. Sie wirft den Konzernen vor, gesundheitsschädliche Produkte in Verkehr gebracht zu haben, und schliesst sich acht Familien mit neun erkrankten Kindern an.
- 2. Februar: Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA schlägt im Auftrag der EU-Kommission erstmals einen Grenzwert für Cereulid in Säuglingsnahrung vor. Bis dahin gab es keine systematischen Kontrollen. Der Richtwert definiert, ab wann Produkte aus dem Handel zu nehmen sind.
- 3. Februar: Nestlé ruft in der Schweiz weitere Chargen von Säuglingsmilch zurück.
- 5. Februar: Danone startet auch in der Schweiz Rückrufe mehrerer Chargen.
- 6. Februar: Die Stiftung Konsumentenschutz kritisiert die Rückrufe in der Schweiz als verspätet. Sie wirft Danone vor, die Öffentlichkeit wochenlang im Unklaren gelassen zu haben, und fordert strengere Gesetze.
- 9. Februar: Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen prüft einen möglichen Zusammenhang zwischen belasteter Säuglingsnahrung und zuletzt gemeldeten Krankheitssymptomen bei Babys.
- 10. Februar: In der belgischen Region Flandern werden bei fünf erkrankten Säuglingen Spuren des Toxins Cereulid im Stuhl nachgewiesen. Sie hatten zurückgerufene Nestlé-Produkte konsumiert.
- 13. Februar: Die Pariser Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass sie fünf Ermittlungsverfahren eingeleitet hat. Diese betreffen die Milchpulverprodukte von Nestlé, Lactalis, Danone, Babybio und La Marque en moins. Die Behörde untersucht, ob ein Kausalzusammenhang zwischen dem Konsum von kontaminierter Milch und dem Tod respektive den Gesundheitsproblemen von Säuglingen besteht.
- 18. Februar: Bei Labortests in der Schweiz werden bei 2 von 3 bei Familien mit erkrankten Babys abgeholten Babymilchproben Spuren des Gifts Cereulid nachgewiesen. Die Produkte stammten von Danone. Der Bund verlangt von den Unternehmen eine kritische Aufarbeitung.






