5 Fragen an Idorsia-Patron Clozel: Warum musste Chefin Gupta gehen?

Keystone-SDA
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Zürich,

Das Biotechunternehmen Idorsia hat zu Wochenbeginn mit einem Führungswechsel überrascht: Gründer Jean-Paul Clozel kehrte nach seinem Rücktritt 2024 unerwartet als Chef zurück und löste Srishti Gupta, die Ehefrau des Novartis-Chefs, nach weniger als einem Jahr ab. Im Interview mit der Nachrichtenagentur AWP erklärt er die Gründe.

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AWP: Warum sitzen Sie wieder auf dem Chefsessel bei Idorsia?

Jean-Paul Clozel: Das war so nicht geplant und an sich auch nicht mein Wunsch. Aber es gab wachsende strategische Unstimmigkeiten zwischen dem Verwaltungsrat und Frau Gupta, die ich für die Firma als problematisch empfand. Wir konnten nicht warten, bis ein neuer CEO in einem normalen Auswahlprozess gefunden wäre, daher habe ich interimistisch die Führung übernommen. Ausserdem war es mir wichtig, einige Werte wieder einzubringen, die ich für wichtig halte – kulturelle Werte, unternehmerische Werte und auch wissenschaftliche Werte.

AWP: Können Sie die Unstimmigkeiten genauer erklären?

JPC: Bei der Strategie selbst gab es keinen grossen Unterschied: Hier war klar, dass es darum geht, den Umsatz mit unserem Schlafmittel Quviviq anzukurbeln und weitere Medikamente zu entwickeln. Allerdings gab es dann bei der Umsetzung grosse Differenzen zwischen uns. Das kann auch an möglichen kulturellen Aspekten liegen. Es hat sicher etwas mit der schweizerischen Art unseres Unternehmens zu tun. Wir Menschen hier sind vielleicht manchmal etwas weniger offen und mehr auf die Umsetzung konzentriert. Es gibt hier nicht diese ständige Positivität, wo es überall heisst: grossartig, fantastisch, herzlichen Glückwunsch. Bei so einer Herangehensweise droht das Urteilsvermögen darüber, was normale und was aussergewöhnliche Arbeit ist, verloren zu gehen. Und ich möchte nicht in einem Unternehmen sein, in dem sich alle gegenseitig beglückwünschen, wenn die Leistung nicht optimal ist.

AWP: Sie sind jetzt seit ein paar Tagen im Amt. Was waren Ihre ersten Entscheidungen?

JPC: Viele Entscheidungen. Ich habe zum Beispiel entschieden, dass 30 bis 40 Meetings nicht notwendig sind. Ich möchte nicht, dass die Leute ständig in Meetings sitzen. Ich möchte, dass sie direkt miteinander sprechen – an der Kaffee-Ecke, ohne Computer oder Handy. Entdeckungen in der Pharmaindustrie entstehen durch Interaktion zwischen Menschen, nicht auf Social Media. Ich habe auch entschieden, Projekte und wissenschaftliche Ergebnisse anders zu analysieren. Ich möchte die Dinge vereinfachen: Entscheidungen treffen und dann ausführen, ohne endlose Diskussionen. Die Strategie ist klar, jetzt geht es um die Umsetzung.

AWP: Wie wollen Sie die Pipeline von Idorsia vorantreiben und gleichzeitig die Profitabilitätsziele 2027 erreichen?

JPC: Wir haben einige herausragende Assets und laufende Programme. Allerdings können wir nicht alles gleichzeitig machen und müssen uns daher fokussieren. Die Profitabilitätsziele für 2027 bleiben bestehen, aber wir erreichen sie primär durch Umsatzwachstum und nicht durch weitere Kostensenkungen – wir sind da ohnehin am Limit. Gleichzeitig können wir den genauen Zeitpunkt der Rentabilität noch anpassen, ohne die langfristige Strategie zu gefährden. Ich halte es für sehr schlecht, ein Team nur durch ein finanzielles Ziel zu motivieren. Wir setzen daher auf klare Umsetzung, Pragmatismus und Fokussierung auf wissenschaftliche und kommerzielle Ziele. Auch Partnerschaften prüfen wir weiterhin. Sie müssen aber sinnvoll sein – schlechte Deals würden den Wert für das Unternehmen mindern.

AWP: Wie will Idorsia die Finanzierung sichern und gleichzeitig die Unabhängigkeit des Unternehmens wahren?

JPC: Wissen Sie, wenn man anfängt, ein Produkt für 200 Millionen zu verkaufen und der Umsatz dann jährlich um 20 bis 30 Prozent steigt, sind die Leute bereit, einem Geld zu leihen; es gibt viele Wege, an Geld zu kommen. Generell denke ich aber, dass wir in einer viel besseren Verfassung sind. Aber natürlich müssen wir den Geldfluss in Gang bringen. Entsprechend haben wir einen Ansatz definiert, den wir verfolgen werden, aber noch nicht kommunizieren. Gleichzeitig schützt unsere bedeutende Beteiligung die Unabhängigkeit von Idorsia – wir wollen ein langfristiges Unternehmen in der Schweiz aufbauen, das nicht verkauft wird. Unabhängigkeit erreicht man durch Leistung, nicht automatisch; deshalb konzentrieren wir uns auf Ergebnisse und nachhaltiges Wachstum.

Kommentare

User #1962 (nicht angemeldet)

An der Spitze ist die Luft immer ein wenig dünn.

User #2635 (nicht angemeldet)

Cleverer Typ, der Gründer von Idorsia.

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