«Sind Katzencafés wirklich ein Ort für Kleinkinder?»

Verena E. Brunschweiger
Verena E. Brunschweiger

Zürich,

«Katzen sind Lebewesen und keine Plüschtiere!», schreibt unsere Kolumnistin Verena Brunschweiger. Eine Kolumne über Sinn oder Unsinn von Katzencafés.

Verena Brunschweiger
Verena Brunschweiger schreibt regelmässig Kolumnen auf Nau.ch. - zvg

Das Wichtigste in Kürze

  • Dr. Verena E. Brunschweiger schreibt auf Nau.ch regelmässig Kolumnen.
  • Heute schreibt sie über Katzencafés - eines steht in Zürich.

Gerade häufen sich Artikel über Kreuzfahrtprogramme, die es vermehrt auch in der kinderfreien Version gibt. Nicht nur die Rainbow-Cruises, die sich an die LGBT-Community wenden, sondern solche, die «Kinder raus, Ruhe rein»-Werbung schalten.

Warum auch nicht? Man könnte meinen, Eltern würden auf so etwas ohnehin verzichten, aber scheinbar nicht. Sie wollen auf gar nichts verzichten, auch nicht auf den Besuch von Katzencafés!

Katzencafés? Ja, dieses Konzept, ursprünglich aus Asien, schwappte längst nach Europa: Unter anderem in Zürich gibt es eins. Zur Erklärung: Katzencafés sind Cafés, in denen man auch Hauskatzen vorfindet.

Katzencafé Casa del Gato
Besucher des Zürcher Katzencafés Casa del Gato erfreuen sich an den fünf Katzen. - keystone

Die Betreibenden müssen dabei Tierschutz-Auflagen beachten, beispielsweise einen Rückzugsraum. Zudem dürfen die Tiere nicht gefüttert, getragen und geweckt werden, damit ein 16-Stunden-Schlaf garantiert ist. Das Veterinäramt kontrolliert den Gesundheitszustand der Katzen.

Findest du Katzencafés grundsätzlich eine gute Idee?

Etliche Tierliebhaber:innen finden, dass Zoos abgeschafft werden sollten. Andere halten sich kein eigenes Haustier. Weil es sie schmerzt, den Nachfahren des Wolfs an einer Leine zu ziehen – und in eine kleine Stadtwohnung zu sperren.

Alles legitime Ansichten. Aber kann man guten Gewissens ein Katzencafé unterstützen? Auch hier scheiden sich die Geister.

Wie zu erwarten war, gibt es eine Gruppe, die keinerlei Probleme damit hat, den Tieren exorbitanten Stress zu verursachen, der nun wirklich nicht sein müsste: nämlich die Eltern (sehr) kleiner Kinder.

Werden Bedürfnisse der Katze berücksichtigt?

Ähnlich wie im Zoo, wo man bisweilen eher das Gefühl hat, im Kindergarten zu sein, glauben einige, das Katzencafé existiere ausschliesslich deswegen, um ihr güldenes Kind mit einem Kätzchen in Kontakt zu bringen. Welches dann gefälligst auch genau so stattzufinden hat, wie man sich das vorstellt.

Das heisst im Klartext, dass die Bedürfnisse der Katze nicht berücksichtigt werden. Sondern einzig und allein die des Kindes, welches dann schon mal laut mit den Worten ermutigt wird, doch «auf Katzenjagd» zu gehen.

katze
Katzen wollen gestreichelt werden. - Depositphotos

Und worin sind Eltern Weltmeister? Im gnadenlosen «Bewerten» von Etablissements, von denen sie der Meinung sind, man wäre nicht ausreichend vor ihnen auf den Knien gerutscht.

Lieber einen Clown bestellen

Ein Beispiel ist in Deutschland der Regensburger Katzentempel: Jede zweite Bewertung stammt dort von Eltern, die kein Verständnis dafür haben, dass Kellnernde darauf hinweisen, dass es auch und gerade für Kleinkinder im Katzencafé bestimmte Regeln gibt.

Wirklich bedenklich ist nicht nur die Tatsache, dass Eltern ernsthaft so etwas absondern. Sondern auch die extrem anmassende Haltung, die dahintersteckt. Sie glauben offenbar wirklich, dass Katzen aus dem einzigen Grund existieren, um ihr Kind zu bespassen.

Sorry, Leute, aber dann mietet doch einen Clown für den Kindergeburtstag!

Kinder
Ein fröhlicher Kindergeburtstag. - pexels

Altersgrenze für Katzencafés?

Ein Gast schrieb dort übrigens, man möge doch zum Tierwohl eine Altersgrenze für das Katzencafé einführen.

Zur Autorin

Dr. Verena E. Brunschweiger, Autorin, Aktivistin und Feministin, studierte Deutsch, Englisch und Philosophie/Ethik an der Universität Regensburg. 2019 schlug ihr Manifest «Kinderfrei statt kinderlos» ein und errang internationale Beachtung.

Das wäre ein vernünftiger Vorschlag, der gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen würde und bei den «Childless Cat Ladies» (nicht nur Taylor Swift und Kamala Harris!) dieser Welt grossen Anklang finden dürfte.

Kommentare

User #4522 (nicht angemeldet)

Das Problem sind nicht die Kinder sondern Eltern die ihre Kinder nicht erziehen! Keiner sagt mehr nein. Und wenn der arme Kellner was sagen muss - weil's ja offenbar die Eltern nicht können - gibts noch schlechte Rezessionen. Das ist schon sehr sehr frech!

User #6277 (nicht angemeldet)

Katzencafé, Dekadenz in Reinstform!

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