Martin Jucker: «Bargeld ist zu teuer!»
Bargeld gehört für viele zum Alltag. Martin Jucker erklärt in seiner Kolumne, warum Noten und Münzen für Betriebe trotzdem teuer sein können.

Das Wichtigste in Kürze
- Martin Jucker betreibt die bekannte «Jucker Farm» in Seegräben ZH.
- Auf Nau.ch schreibt Jucker regelmässig Kolumnen.
- Heute schreibt er über die Kosten von Bargeld.
Alle reden von den hohen Kreditkartengebühren. «Die Banken zocken uns ab», heisst es dann schnell. Und ja, Kreditkartenfirmen arbeiten nicht gratis. Sie verlangen Gebühren. Aber die ehrlichere Frage lautet: Was kostet uns eigentlich Bargeld?
Denn: Bargeld ist nicht gratis!
Es hat einfach keine Gebühr, die schön sichtbar auf jeder Transaktion steht. Darum unterschätzen wir es. Bei der Kartenzahlung steht an der Kasse ein Terminal. Der Gast hält die Karte hin, bezahlt, fertig. Wenn jemand bar bezahlt, braucht es eine Schublade.
Diese Schublade braucht Wechselgeld. Dieses Wechselgeld muss im Büro gezählt, bereitgestellt und einsortiert werden.
Am Abend muss alles wieder abgerechnet werden. Das Bargeld will gezählt, gelagert und gesichert sein. Und genau dort fangen die echten Kosten an.

Bargeld braucht Tresore, Versicherungen, Prozesse, Kontrollen. Und es bringt Risiken mit sich. Bei Jucker Farm wird jedes Jahr an mehreren Orten eingebrochen.
Die Täter denken wohl: Da läuft viel, da muss auch viel zu holen sein. Sie richten grosse Schäden an. Und gehen am Schluss trotzdem ohne Beute nach Hause, weil wir mit solchen Versuchen rechnen und entsprechend vorbereitet sind.
Aber die Schäden bleiben. Die Reparaturen bleiben. Der Aufwand bleibt.
Bargeld hat einen Wert – im Notfall
Wenn man all das ehrlich zum Bargeld dazurechnet, dann ist es für einen Betrieb wie unseren viel teurer als die Gebühren für digitale Zahlungen.
Heute laufen bei uns bereits über 70 Prozent der Transaktionen bargeldlos. Das zeigt auch: So viel Bargeld ist gar nicht mehr im Umlauf.
Trotzdem müssen wir sämtliche Bargeldprozesse weiterhin aufrechterhalten, haben also für immer weniger Bargeld denselben Aufwand. Das ist betriebswirtschaftlich eigentlich absurd.
Man könnte also sagen: Dann nehmen wir halt gar kein Bargeld mehr an. Nur noch Karte, Twint und andere digitale Zahlungsmittel. Die Kosten würden sinken.
Die Prozesse würden einfacher. Die Risiken würden kleiner.
Ganz so einfach ist es aber nicht. Wenn der Strom ausfällt, das Internet nicht funktioniert oder ein Zahlungssystem streikt, dann ist Bargeld plötzlich wieder sehr wichtig.
Als Notfallinstrument sind Münzen und Noten richtig und sinnvoll. Auch privat finde ich: Eine gewisse Bargeldreserve zu haben, ist vernünftig.
Die Frage ist nur: Muss man deshalb jederzeit und überall mit Bargeld bezahlen können? Das ist fast schon politisch. Es geht um Haltung, um Tradition, um Freiheit. Bargeld ist anonym, nicht rückverfolgbar.
Das ist für Leute, die viel Wert auf Privatsphäre legen, wichtig. Und natürlich auch für Schwarzgeld, Steuerhinterziehung und alles, was lieber nicht sichtbar sein möchte.
Digitales Geld macht vieles transparenter. Das mögen nicht alle.
Ich sage nicht, dass Bargeld verschwinden soll. Aber ich finde, wir sollten ehrlicher darüber reden.
Bargeld hat einen Wert – gerade im Notfall. Aber Bargeld hat auch hohe Kosten, die meistens jemand anderes trägt. Und zwar die Betriebe, die Mitarbeitenden, die Versicherungen, am Ende wir alle.

Darum wäre es aus meiner Sicht an der Zeit, Bargeld im Alltag deutlich zu reduzieren. Und digitale Zahlungsmittel konsequent zu fördern.
Nicht, weil alles Digitale automatisch besser ist. Sondern, weil wir aufhören sollten, Dinge künstlich komplizierter und teurer zu machen, nur weil wir uns an sie gewöhnt haben.
Zur Person
Martin Jucker ist gelernter Obstbauer und hat sich mit der «Jucker Farm» in Seegräben ZH über die Landesgrenzen hinweg einen Namen gemacht. Er steht für innovative, nachhaltige und unabhängige Landwirtschaft. 2014 wurde er zusammen mit seinem Bruder Beat als bisher einziger Bauer zum Schweizer Unternehmer des Jahres gewählt.








