Zürich-Seebach: 28’000 Einwohner und kein Bancomat mehr – Ärger
Der Abbau des letzten Bancomaten sorgt in Zürich-Seebach für Ärger. Die Zürcher Kantonalbank sucht bislang erfolglos nach einem Alternativstandort.

Das Wichtigste in Kürze
- In Zürich-Seebach gibt es keinen einzigen Bancomaten mehr – und das trotz 28’000 Einwohnenden.
- Das sorgt im Quartier für Ärger.
- Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) sucht bislang erfolglos nach einem Alternativstandort.
Neben dem ehemaligen Bancomaten an der Schaffhauserstrasse im Stadtzürcher Quartier Seebach hängt ein Zettel der Zürcher Kantonalbank (ZKB): «Dieser Geldautomat wird aufgrund des Abbruchs der Liegenschaft ab 25. September ausser Betrieb genommen.»
Darunter verweist die Bank auf die nächsten Bancomaten in Oerlikon und Glattbrugg. Im Quartier sorgt das für Ärger, der sich vor allem in den sozialen Netzwerken entlädt. Denn Seebach hat damit nicht nur keine Bankfiliale mehr, sondern auch keinen einzigen Bancomaten.
Manuel Wirth, der sich im Quartier stark engagiert, kritisiert: «In allen umliegenden Quartieren und Gemeinden hat es einen Bancomaten, nur in Seebach nicht. Dies trotz 28’000 Einwohnerinnen und Einwohnern.»

Auch die ehemalige Seebacher Gemeinderätin Sandra Gallizzi (EVP) ärgert sich über den Abbau: «Ich bedaure es sehr, dass es den Bancomaten nicht mehr gibt. Es war schon schlimm genug, dass die ZKB-Filiale aufgehoben wurde und nun gibt es auch keinen Bancomaten mehr in Seebach.»
Als einzige Möglichkeit, im Quartier Bargeld zu beziehen, bleibe damit der Postomat. «Beim Geldabheben am Postomaten muss eine Gebühr bezahlt werden, welche je nach Bank variiert. Wenn es schon keinen Bancomaten mehr gibt in Seebach, würde ich es begrüssen, dass wenigstens die Gebühr am Postomaten abgeschafft würde. Das könnte allenfalls eine Alternative sein.»

Für Sandra Gallizzi ist klar, dass Seebach weiterhin einen Bancomaten braucht.
«Es gibt nach wie vor Personen, die lieber bar zahlen als mit Karte. Oder sie haben einen besseren Überblick darüber, wie viel sie ausgeben. Das ist legitim und ist ja tatsächlich auch so.»
Der Seebacher SVP-Gemeinderat Reto Brüesch hat der ZKB alternative Standorte für einen Bancomaten vorgeschlagen. Die Bank habe ihm versichert, diese zu prüfen.
Auch Brüesch sieht ein Bedürfnis nach einem Bancomaten. Insbesondere die ältere Bevölkerung sei darauf angewiesen.

Sven Sobernheim, Präsident des Quartiervereins Seebach und Zürcher GLP-Gemeinderat, betont: «Wir haben die ZKB bereits im März kontaktiert und alternative Standorte vorgeschlagen.»
Wie gegenüber Reto Brüesch habe die ZKB auch dem Quartierverein zugesichert, die Vorschläge zu prüfen. «Ebenso hat die ZKB bestätigt, dass sie den Bancomaten nicht aufgibt, weil er sich nicht lohnt, sondern weil das Haus abgerissen wird.»
Zu hohe Anforderungen
Auf Anfrage erklärt die ZKB: «Der Bancomat an der Schaffhauserstrasse musste im Zuge des Neubaus der Liegenschaft abgebaut werden, nachdem der Mietvertrag von Seiten der Vermieterschaft aufgelöst worden war.»
Daraufhin habe die Bank intensiv nach einem Alternativstandort in der Umgebung gesucht, bislang jedoch ohne Erfolg.

«Auch die von vielen erwähnte Migros haben wir geprüft. Aufgrund der hohen sicherheitstechnischen Anforderungen an Gebäude und Infrastruktur ist dort der Betrieb eines Bancomaten leider nicht möglich.» Auch im geplanten Neubau am bisherigen Standort sei nach aktuellem Stand kein Geldautomat vorgesehen.
Grundsätzlich sieht die Bank jedoch weiterhin ein Bedürfnis nach Bargeldbezug in Seebach. «Die Zürcher Kantonalbank betreibt das dichteste Automatennetz im gesamten Kanton Zürich. Bargeldversorgung bleibt – trotz eines sehr starken Trends hin zur Verlagerung in bargeldlose Zahlungsmittel – weiterhin ein Grundbedürfnis unserer Kundinnen und Kunden und ist ein zentraler Teil unseres Leistungsauftrags.»
Seitens ZKB sei es nicht vorgesehen gewesen, den Standort aufzugeben, hält die Bank fest. Als sie dann im Mai 2021 die Schliessung der Seebacher Filiale per Ende 2022 ankündigte, stellte sie dem Quartier zugleich den Erhalt eines Bancomaten in Aussicht.
Schweizweit nimmt die Zahl der Bancomaten seit Jahren ab. Gründe dafür sind die sinkende Bargeldnutzung sowie die hohen Kosten für Betrieb, Logistik und Sicherheit.
Insbesondere Automatensprengungen haben die Sicherheitsanforderungen und damit die Kosten zusätzlich erhöht. Gleichzeitig bezahlen immer mehr Menschen mit Karte oder Smartphone.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.








