Zürcher Plattform macht Freiwilligenarbeit attraktiv für Junge
Die Zürcher Plattform «Karma Lama» will Freiwilligenarbeit digitaler, niederschwelliger und alltagstauglicher machen.

Freiwilligenarbeit befindet sich im Wandel. Während der Bedarf an freiwilligem Engagement stetig wächst, verändern sich auch die Erwartungen der Menschen – insbesondere jener der jüngeren Generation.
«Zeitliche Flexibilität, digitale Angebote und unkomplizierte Zugänge gewinnen zunehmend an Bedeutung», sagt Sabrina Trachsler, Co-Gründerin und Co-Geschäftsleiterin der Stadtzürcher Plattform Karma Lama.
Hinter dem Projekt steht ein engagiertes Team und der gemeinnützige Verein Helferherz mit einer klaren Vision: Freiwilligenarbeit soll digitaler, einfacher und alltagstauglicher werden.
Flexible Einsätze
Die Schweiz gilt als Vereinsland. Dennoch haftet der Freiwilligenarbeit oft ein verstaubtes Image an. «Viele verbinden freiwilliges Engagement mit langfristigen Verpflichtungen und regelmässigen Einsätzen», sagt Trachsler.
Gerade Berufstätigen fehle dafür häufig die Zeit – obwohl der Wunsch nach einer sinnstiftenden Tätigkeit vorhanden sei. «Wir möchten zeigen, dass Freiwilligenarbeit auch anders funktionieren kann: flexibel, niederschwellig und passend zum individuellen Alltag.»
Die Geschichte von Karma Lama begann 2020. Sabrina Trachsler und Christian Schefer lernten sich über ein gemeinsames Anliegen kennen. Sie wollten der zunehmenden sozialen Entfremdung in der Schweiz etwas entgegensetzen.

Aus einer ersten Projektidee entstand gemeinsam mit anderen Engagierten der gemeinnützige Verein Helferherz. Heute zählt der Verein über 20 Mitglieder. Herzstück ist die Onlineplattform Karma Lama.
Sie bringt Menschen mit gemeinnützigen Organisationen zusammen und macht freiwillige Einsätze unkompliziert auffindbar. Interessierte können passende Engagements entdecken und sich mit wenigen Klicks anmelden.
«Wir möchten die Hürde, sich freiwillig zu engagieren, so klein wie möglich halten», betont Trachsler. Die Plattform vermittelt deshalb neben klassischen Ehrenämtern auch einmalige und zeitlich flexible Einsätze.
Zu den Möglichkeiten gehören etwa Kinderbetreuung während Deutschkursen, Schwimm- und Velofahrkurse für Geflüchtete, Begleitungen zu wichtigen Terminen, Mithilfe bei Erntearbeiten für einen Markttag, Reparatureinsätze oder die Unterstützung von Benefizveranstaltungen wie Konzerten im Zürcher Grossmünster.
Fakten und Zahlen
Gründung: 2022 wurde der Verein Helferherz gegründet. 2023 wurde die Plattform Karma Lama online geschaltet.
Aktivmitglieder: Mehr als 60 Non-Profit-Organisationen mit Einsätzen auf der Plattform. Mehr als 2100 registrierte Freiwillige.
www.karmalama.ch
«Die Vielfalt ist mittlerweile sehr gross», freut sich Sabrina Trachsler. Viele gemeinnützige Organisationen stehen vor der Herausforderung, ihre bisherigen Strukturen anzupassen.
«Gerade kleinere Organisationen sind stark auf Freiwillige angewiesen, verfügen jedoch oft nicht über die personellen Ressourcen, um diese zu gewinnen und langfristig zu binden», weiss Trachsler. Auch Studien wie der Freiwilligen-Monitor zeigen, dass sich die Formen des Engagements verändern.
Flexible und einmalige Einsätze gewinnen zunehmend an Bedeutung und sprechen neue Zielgruppen an. «Es freut mich besonders, wenn sich auch junge Menschen engagieren», sagt Trachsler.
«Viele Freiwillige sind pensioniert. Umso schöner ist es, wenn ich sehe, wie sich auch eine 18-jährige Person auf Karma Lama anmeldet und sich aktiv für die Gesellschaft einsetzt.» Denn ohne Freiwillige wären zahlreiche Angebote in der Schweiz gar nicht denkbar.
Ferienlager für Menschen mit Behinderungen, Integrationsprojekte für Geflüchtete, kulturelle Veranstaltungen oder soziale Unterstützungsangebote – sie alle leben vom Engagement unzähliger Menschen, das oft im Hintergrund bleibt und viel zu selten sichtbar wird.
Karma Lama versteht sich deshalb nicht nur als digitale Vermittlungsplattform, sondern als Bewegung für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine moderne Freiwilligenkultur in der Schweiz.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.








