Wohnen sprengt Budget: Jeder Fünfte gibt zu viel für die Miete aus
22 Prozent der Mietenden in der Schweiz zahlen zu viel fürs Wohnen. Sie geben laut Comparis mehr als ein Drittel ihres Bruttohaushaltseinkommens dafür aus.

Das Wichtigste in Kürze
- Bei 22 Prozent der Mietenden übersteigen die Wohnkosten ein Drittel des Einkommens.
- Wer mehr als ein Drittel zahlt, muss womöglich bei Gesundheit oder Vorsorge sparen.
- 36 Prozent der Haushalte bis 4000 Franken Einkommen zahlen über ein Drittel fürs Wohnen.
Jede sechste Person in der Schweiz gibt fürs Wohnen mehr aus, als er oder sie eigentlich sollte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung im Auftrag von Comparis. Laut gängiger Budgetregel sollte dafür nämlich nicht mehr als ein Drittel des Bruttohaushaltseinkommens verwendet werden.
Bei den Mietenden sei es sogar mehr als jede fünfte Person (22 Prozent), deren Wohnausgaben darüber liegen, schreibt das Vergleichsportal Comparis in einer Medienmitteilung vom Donnerstag.
«Die Drittelregel ist kein Naturgesetz, aber sie ist ein wichtiger Warnwert», sagt Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser. Wer dauerhaft darüber liege, müsse bei anderen wichtigen Budgetposten sparen, möglicherweise sogar bei Gesundheitsausgaben oder der Vorsorge.
Wohnen ist besonders für Geringverdienende zu teuer
Wie Comparis vorrechnet, beträgt der Medianlohn in der Schweiz aktuell 7'024 Franken im Monat. Wer so viel verdient, dürfte nach der Drittelregel höchstens 2'341 Franken fürs Wohnen ausgeben. Tatsächlich zahlt aber ein Viertel der Erwachsenen mehr als 2'000 Franken pro Monat. Bei den Mietenden sind es 30 Prozent.
Laut der repräsentativen Befragung vom August bei 1'038 Personen ist Wohnen erwartungsgemäss besonders für Geringverdienende oft zu teuer. Bei einem Bruttohaushaltseinkommen von bis zu 4'000 Franken gaben 36 Prozent mehr als ein Drittel fürs Wohnen aus. Bei einem Einkommen von über 8'000 Franken waren es 6 Prozent.
Auch jeder 14. Eigentümer liegt über der Drittelmarke
Auch 7 Prozent der Eigentümerinnen und Eigentümer liegen über der Drittelmarke. Laut Comparis ist das bemerkenswert, weil Banken vor der Vergabe einer Hypothek prüfen müssen, ob die Finanzierung langfristig tragbar ist.
Dabei rechnen sie in der Regel mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 5 Prozent. Dieser liegt deutlich über dem aktuellen Marktniveau: Im Comparis-Hypothekenvergleich sind zehnjährige Festhypotheken derzeit ab rund 1,6 Prozent erhältlich.

«Die 7 Prozent bedeuten nicht automatisch, dass beim Kauf falsch gerechnet wurde», sagt Büsser. «Eine Tragbarkeitsrechnung ist immer eine Momentaufnahme. Wenn später ein Einkommen wegfällt, sich ein Paar trennt, jemand das Arbeitspensum reduziert oder pensioniert wird, kann eine ursprünglich tragbare Finanzierung plötzlich eng werden.»
Comparis verweist darauf, dass Eigentum bei den monatlichen Wohnkosten oft günstiger aussehe als Miete. Aber häufig werde dabei vergessen, dass viel Eigenkapital im Haus oder in der Wohnung gebunden ist.








