Wirt wird wegen Nazi-Treffen mit Anrufen bombardiert
Ein Gastronom in La Chaux-sur-Cossonay (VD) wurde am Samstag mit Anrufen überschwemmt. Grund war ein rechtsextremer Anlass gegenüber seinem Restaurant.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Wirt in La Chaux (VD) wurde fälschlicherweise mit dem Anlass in Verbindung gebracht.
- Die Gemeinde annullierte die Reservation der rechtsextremen Résistance helvétique.
- Die Kantonspolizei sorgte für eine ruhige Räumung.
Francesco Lucia führt die Auberge communale in La Chaux-sur-Cossonay (VD). Am Samstagmorgen klingelte bei ihm ständig das Telefon.
Dutzende E-Mails und Anrufe von Unbekannten trafen ein, alle mit derselben Frage: Warum organisiert sein Restaurant ein Treffen mit der extremen Rechten?
Falscher Verdacht sorgt für Chaos
Der Grund für die Verwechslung: Direkt gegenüber seinem Restaurant befindet sich der Gemeindesaal. Dort hatte die rechtsextreme Gruppierung Résistance helvétique für den Vormittag eine Konferenz gebucht. Mehrere angekündigte Redner waren bereits wegen Leugnung des Holocaust verurteilt worden.

«Die Leute fragten, wieso wir eine Sitzung mit der extremen Rechten organisieren würden», erzählt Lucia gegenüber «RTS». «Ich war den ganzen Vormittag überlastet, die Anrufe hörten nicht auf.»
Auslöser war ein Aufruf von antifaschistischen Kollektiven auf Social Media. Sie forderten dazu auf, die Behörden mit Anfragen zu bombardieren, um den Anlass zu stoppen. Wie der Westschweizer Sender berichtet, planten Aktivisten zudem, selbst vor Ort zu erscheinen.
Gemeinde reagiert und kündigt Mietvertrag
Lucia informierte schliesslich den Gemeindepräsidenten Pascal Rossy über die Verwechslung. Dieser erfuhr dabei erst, worum es bei der Saal-Buchung wirklich ging.
Die Gemeinde kündigte den Mietvertrag umgehend und liess den Saal räumen. Die Kantonspolizei war vor Ort, um eine ruhige Evakuation sicherzustellen. Zu Ausschreitungen kam es nicht.
Am Samstag war das Gasthaus trotz des chaotischen Vormittags gut besucht. Die Gemeinde will künftig genauer prüfen, wer ihre Räume mietet und wofür.
Nicht der erste Fall dieser Art
Ähnliche Probleme mit unwissentlich vermieteten Räumen gab es bereits im Mai 2025 in Lenk BE. Dort nutzte die rechtsextreme Gruppierung «Junge Tat» ein Schulareal für ein Aktionswochenende, ganz ohne Bewilligung.

Der Gemeindepräsident sagte damals, eine Bewilligung wäre wegen der geübten Kampfszenen «bestimmt» nicht erteilt worden. Auch dort zeigte sich: Vermieter wissen oft nicht, wem sie ihre Räume überlassen.









