Wiler ETH-Studentin: «Habe schon früher lieber mit Autos gespielt»

Linda Bachmann
Linda Bachmann

Wil,

Julia Zingerle studiert Maschinenbau an der ETH Zürich und absolviert dank eines Stipendiums ein Austauschsemester in Melbourne.

Julia Zingerle hat in einer Projektgruppe einen Roboter gebaut.
Julia Zingerle hat in einer Projektgruppe einen Roboter gebaut. - zVg

Wo die meisten Studentinnen und Studenten in der Schweiz noch die Semesterferien geniessen, drückt die Wilerin Julia Zingerle bereits seit mehreren Wochen wieder die Unibank.

Allerdings nicht wie gewohnt in den Vorlesungssälen der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH Zürich, sondern an der University of Melbourne in Australien – über 16'000 Kilometer weit weg von ihrem Zuhause.

Dass diese Reise möglich ist, hat die 22-Jährige ihrem Einsatz in ihrem bisherigen persönlichen und akademischen Werdegang zu verdanken, wofür sie mit einem Stipendium der Werner Siemens-Stiftung ausgezeichnet wurde.

Mit insgesamt 19'800 Franken unterstützt die Stiftung die Studentin im ersten Jahr des Masterstudiengangs Robotik. «Ich bin sehr dankbar», betont Zingerle. «Das ist eine Riesenchance und ein grosses Privileg. So kann ich mich voll auf das Studium konzentrieren. Mit einem Nebenjob wäre dies nicht möglich.»

Kletter-Roboter gebaut

Die Schweizerische Studienstiftung vergibt in Zusammenarbeit mit der Werner Siemens-Stiftung jedes Jahr zehn Stipendien an Studierende der Fachrichtungen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) sowie Humanmedizin.

Stipendium in Robotik-Studium: «Habe als Kind lieber mit Autos gespielt»
Der Roboter klettert auf Bäume und entnimmt dort Daten. - zVg

Voraussetzung für die finanzielle Unterstützung sind nicht nur herausragende Leistungen, sondern auch soziales Engagement. Julia Zingerles Bewerbung auf das Stipendium war dieses Jahr bereits zum zweiten Mal erfolgreich.

Überzeugt hat die 22-Jährige unter anderem mit einer Projektarbeit und der zugehörigen Bachelorarbeit im absolvierten Bachelorstudiengang Maschinenbau an der ETH.

In einem Team von zehn Studierenden hat sie einen Roboter gebaut, der auf Bäume klettert. Für die Teilnahme an diesem Projekt hat die Wilerin bereits im Jahr zuvor ein Stipendium erhalten.

«Der Roboter erfasst Daten auf Baumkronen. Er übernimmt also eine Aufgabe, die für den Menschen gefährlich ist», erklärt die Wilerin.

Schon vor der Schule gerechnet

Seit klein auf begeistert sich Julia Zingerle für Mathe und Technik. «Ich konnte schon rechnen, bevor ich überhaupt zur Schule gegangen bin», erinnert sie sich.

«Und ich habe schon als Kind lieber mit Autos gespielt als mit Barbies.» Der Studiengang Maschinenbau sei sehr breit gefächert und decke viele Themen ab.

«Das ist zwar anspruchsvoll, man muss sich aber im Bachelor noch nicht festlegen», so Zingerle. Der Wunsch für den Masterstudiengang Robotik habe sich durch das Roboterprojekt noch verfestigt.

Zehn Prozent Frauen

Neben dem Studium engagiert sich Julia Zingerle seit Beginn ihrer Studienzeit für die Schweizerische Studien Stiftung. Als Leiterin der Hochschulbotschafter koordiniert sie diejenigen Studentinnen und Studenten, welche die Stiftung an verschiedenen Unis bekannt machen.

Ausserdem ist die 22-Jährige Mitglied des Frauenverbands der ETH. «Unser Ziel ist es, möglichst viele Frauen dazu zu motivieren, sich für einen MINT-Studiengang anzumelden», erklärt sie.

Interessierst du dich für die Robotik?

Frauen seien in diesen Studiengängen nämlich noch immer stark untervertreten. Maximal zehn Prozent der Studierenden seien weiblich, weiss Zingerle. «Das ist für mich grundsätzlich kein Problem», betont sie.

Trotzdem wolle sie mehr Frauen ermutigen, sich etwas zuzutrauen. «Man muss schon ab und an den Ton angeben können. Aber das ist für die eigene Zukunft nur von Vorteil.»

Arbeiten in der Robotik

Nach ihrer Zeit in Australien studiert die Wilerin an der ETH in Zürich weiter. Auf die Frage, ob sie nun wegen des Erhalts des Stipendiums mehr Leistungsdruck verspüre, sagt sie: «Ich will etwas an die Gesellschaft zurückgeben. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich innerhalb der nächsten Jahre eine besondere Leistung erbringen muss.»

Wenn sie ihren Masterabschluss hat, möchte sie in der Robotik arbeiten. «Roboter bergen grosses Potenzial. Sie können das Leben der Menschen an vielen Orten einfacher machen. Das Forschungsfeld entwickelt sich aktuell so schnell – das ist unglaublich spannend», so Zingerle.

Angst davor, dass die Roboter die Menschen irgendwann komplett ersetzen, hat sie nicht. «Ich verstehe diese Sorge. Natürlich wird es einige Jobs nicht mehr geben, dafür entstehen neue. Wenn sich eine Tür schliesst, geht eine andere auf.»

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.

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