Depressionen

    Wenn die Freude am Leben verlorengeht

    Olivier Diethelm
    Olivier Diethelm

    Aarau,

    Depressionen im Alter werden oft erst spät erkannt. Ein Vortrag des SRK Kanton Aargau zeigte, worauf Angehörige achten sollten und wie wichtig Gespräche sind.

    Sonja Nauer-Mäder, Kursleiterin SRK Kanton Aargau, erläutert die Ursachen, die zu einer Depression führen können
    Sonja Nauer-Mäder, Kursleiterin SRK Kanton Aargau, erläutert die Ursachen, die zu einer Depression führen können - Olivier Diethelm

    Es beginnt oft schleichend: Ein älterer Mensch zieht sich zurück, schläft schlecht oder verliert den Appetit. Schnell wird dies mit dem Alter erklärt. Doch dahinter kann eine Depression stecken.

    Am 28. September lud das SRK Aargau im Rahmen der kantonalen Aktionstage Psychische Gesundheit ins Rotkreuz-Haus in Aarau ein. Thema war «Depression im Alter – erkennen, ansprechen, begleiten». Sonja Geissmann, Leiterin Kommunikation des SRK, begrüsste die Gäste: «Wir begleiten Menschen, dass sie gut und selbstbestimmt durch das Leben kommen, dabei spielt die psychische Gesundheit eine grosse Rolle. Darauf richtet sich der heutige Anlass im Speziellen.»

    Mehr als ein schlechter Tag

    Referentin Sonja Nauer-Mäder, dipl. Pflegefachfrau und langjährige Kursleiterin, erklärte, wie sich eine Altersdepression bemerkbar machen kann. Betroffen sind Menschen ab 60 Jahren, Frauen häufiger als Männer.

    Die Ursachen sind vielfältig. Pensionierung, der Verlust eines Partners oder ein Eintritt ins Altersheim können sie begünstigen.

    Auch frühere traumatische Erlebnisse können wieder belastend werden. Hinzu kommen körperliche Faktoren oder Vererbung. Eine Depression zeigt sich durch Antriebslosigkeit, gedrückte Stimmung sowie den Verlust von Interesse und Freude.

    «Das ist nicht zu vergleichen mit einem schlechten Tag, den jeder von uns mal hat», betonte Nauer-Mäder.

    Körperliche Beschwerden können erste Anzeichen sein

    Bei älteren Menschen ist eine Depression nicht immer leicht zu erkennen. Schlafstörungen können ein erstes Anzeichen sein. Auch Schmerzen, Schwindel, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Müdigkeit oder innere Unruhe können auftreten.

    Solche Beschwerden werden leicht mit dem Alter erklärt.

    Die seelischen Folgen reichen von Traurigkeit und Angst bis zu Einsamkeit und Leere. Manche Betroffene empfinden «das Gefühl, innerlich tot zu sein». Auch Suizidgedanken können auftreten und sollten ernst genommen werden.

    Angehörige können helfen

    Was tun, wenn man solche Veränderungen feststellt? Nauer-Mäder rät, offen auf die Person zuzugehen: «Ich unterstütze dich, ich bin für dich da.» Kleine gemeinsame Aktivitäten können helfen – etwa einen Kaffee trinken.

    Gleichzeitig brauchen Betroffene Ruhe und Rückzug. Anerkennung seien wichtig. Auch Angehörige sollten auf die eigenen Kräfte achten und bei Bedarf Unterstützung annehmen.

    «Sie fühlen sich abgeschoben»

    Wie wichtig Entlastungsangebote sind, erläuterte Monika Wiederkehr, Leiterin der Tagesbetreuung des SRK Kanton Aargau. Im Rotkreuz-Tageszentrum in Aarau werden Menschen mit psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen betreut.

    Die Tagesstätte in Frick betreut vor allem ältere Menschen mit Demenz. «Wir begleiten die Leute über eine längere Zeit und merken Veränderungen, die oft schleichend kommen», sagte Wiederkehr. Antriebslosigkeit und Rückzug seien mögliche Alarmsignale.

    Der Einstieg sei nicht immer einfach: «Bei den Erstgesprächen erleben wir es oft, dass Betroffene nur widerwillig zu uns kommen. Sie fühlen sich abgeschoben.» Nach einem Schnuppertag ändere sich dies jedoch häufig. Die Betroffenen gewöhnten sich ein und knüpften Kontakte.

    Gleichzeitig würden die Angehörigen entlastet.

    Eine Tür zum Gespräch öffnen

    Beim Ansprechen einer möglichen Depression kommt es auf die Wortwahl an. Statt Vorwürfen empfiehlt Wiederkehr Ich-Botschaften: «Ich habe den Eindruck, ich stelle fest, dass du nicht mehr an unseren Aktivitäten teilnimmst. Wie erlebst du das?»

    Auch: «Ich merke, dass du oft so traurig wirkst. Wie geht es dir? Ich mache mir Sorgen um dich» könne ein Gespräch eröffnen.

    Sätze wie «Du machst ja gar nicht mehr mit, was ist los mit dir?» seien hingegen wenig hilfreich und könnten eine Abwehrhaltung auslösen.

    Depressionen sind gerade für ältere Generationen noch immer mit Scham verbunden. Dabei ist eine Depression keine persönliche Schwäche. Der erste Schritt kann deshalb einfach sein: hinschauen, zuhören und darüber sprechen.

    Wer Depressionen nicht länger tabuisiert, kann dazu beitragen, dass Betroffene wieder mehr Lebensfreude finden und Angehörige nicht alleine bleiben.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.

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