Finster und kalt ist es in dieser Dezembernacht. Ein junges Paar mit schwangerer Frau ist unterwegs. Die beiden suchen eine Herberge in Bethlehem – bei Bern.
Figuren eines Krippenspiels.
Im Berner Quartier Bethlehem gibt es auch ein Krippenspiel. - Pixabay
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bewohner des Berner Quartiers Bethlehem schauen dem Krippenspiel in ihrer Kirche zu.
  • Es scheint, als würde das multikulturelle Quartier so zusammenrücken.

Mit diesen Szenen beginnt die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel, die in Bern-Bethlehem alle zwei Jahre von den Bewohnern des Quartiers als Krippenspiel inszeniert wird.

Die römisch-katholische und die reformierte Kirchgemeinde spannen jeweils zusammen und studieren eine neue Inszenierung der biblischen Erzählung ein. Um die zwanzig Laien übernehmen die Rollen von Maria und Josef, der Heiligen drei Könige, der Hirten und Engel.

Anspannung und Vorfreude

Vor der Aufführung herrscht bereits am Nachmittag Hochbetrieb in der katholischen Kirche St. Mauritius. Die reformierte Pfarrerin kleidet gerade einen Hirten in sein Gewand. Ihr katholischer Kollege bespricht letzte Anweisungen mit dem Regisseur. Maria ist der Rock zu lang, Josefs Turban sitzt noch schief und der Engel sucht nach den Leuchtdioden, die sein Gewand zieren sollen.

Die Anspannung ist greifbar, denn dieses Jahr machen viele junge Neulinge mit. Da ist die Ruhe und Erfahrung der alten Hasen umso mehr gefragt. Regisseur Martin Gallati weiss, wie man die Nervosität bändigt, um der Vorfreude Platz zu machen. Er spielt mit den Laiendarstellern die sechs Szenen noch einmal durch, die sie bald draussen vor Publikum geben werden.

Ein Dach über dem Kopf

Ein Dach über dem Kopf haben in Bern-Bethlehem Menschen aus aller Herren Länder gefunden. Ob sie sich auch aufgenommen fühlten, mag eine andere Frage sein.

Über 34 Prozent beträgt der Ausländeranteil im Stadtteil VI, zu dem neben Bethlehem auch Bümpliz gehört. Die Arbeitslosigkeit ist überdurchschnittlich hoch.

Der Stadtteil im Westen Berns ist keine vornehme Adresse. Hier wohnt man, weil es noch bezahlbare Wohnungen gibt. Hochhaussiedlungen prägen das Bild: Tscharnergut, Gäbelbach, Holenacker und wie sie alle heissen. Rund 35'000 Menschen leben im Quartier - eine kleine Stadt am Stadtrand von Bern.

Das Krippenspiel, so hat man den Eindruck, bringt die Menschen im Quartier zusammen. Während man von einem Spielort zum nächsten wandert, parlieren die Menschen miteinander in unterschiedlichsten Sprachen, man ist freundschaftlich verbunden und kann sich – zumindest für einen Moment – aufgenommen fühlen.

Die Weihnachtsgeschichte passe gut nach Bern-Bethlehem, findet der katholische Seelsorger Joel Eschmann, der das Krippenspiel mitorganisiert. Denn: Die Weihnachtsgeschichte handle von einfachen Menschen, die vor Gott Gnade gefunden hätten.

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