Wegen Trockenheit: Jetzt drohen sogar ganze Bäume umzustürzen!
Die Trockenheit hat Schweizer Wäldern stark zugesetzt. Experten warnen: Selbst bei Windstille können Bäume umfallen. Und das Schlimmste könnte noch bevorstehen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Trockenheit hat Schweizer Wäldern 2026 stark zugesetzt.
- Herabfallende Äste und später umstürzende Bäume werden wahrscheinlicher.
- Forstbetriebe priorisieren nun Sicherheitsholzschläge statt reguläre Ernten.
Meterhoch türmen sich gefällte Baumstämme am Rand eines Waldwegs. Daneben liegen weitere Stämme und Äste kreuz und quer. Ein Facebook-Nutzer zeigt sich angesichts der riesigen Holzmengen in Pratteln BL erschüttert.
«Es ist beängstigend, ja traurig», schreibt er. Wegen der Dürre müssten bereits jetzt unzählige Bäume gefällt werden, befürchtet er. Und fragt: «Wie wird unser Wald dann erst in zwei oder drei Jahren aussehen?»
Tatsächlich hat die Trockenheit den Schweizer Wäldern massiv zugesetzt. Das zeigen Antworten der kantonalen Forstdienste aus dem Aargau, Zürich und Baselland auf Anfrage von Nau.ch.
Besonders beunruhigend: Die Schäden könnten sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Jetzt steigt sogar die Gefahr umstürzender Bäume!
Im Aargau sind 5400 Hektaren Wald stark geschädigt
Wie aussergewöhnlich die Lage ist, zeigen neue Zahlen aus dem Aargau. Der Kanton hat Satellitenbilder ausgewertet und die Gesundheit seiner Wälder mit dem Vorjahr verglichen.
Das Ergebnis: Auf elf Prozent der Waldfläche, also rund 5400 Hektaren, hat sich der Zustand der Bäume deutlich verschlechtert.
In normalen Jahren sind lediglich 0,5 bis ein Prozent betroffen. Selbst im Dürrejahr 2018 waren es nur rund drei Prozent.
Die Schäden seien so stark, dass die Bäume im kommenden Frühling möglicherweise nicht mehr austreiben werden. Das erklärt Alex Arnet, Leiter der Sektion Waldbewirtschaftung des Kantons.
Besonders betroffen sind Buchen. Doch auf den trockenen Böden entlang des Rheins und der Aare sowie am Jura-Südhang leiden selbst robustere Arten wie Eichen.
Auch in Zürich und Baselland ist die Lage angespannt. «Der Wald leidet mehrheitlich unter grossem bis sehr grossem Trockenstress», teilt die Zürcher Baudirektion mit.
Und im Baselbiet verfärbten sich die Blätter vieler Bäume ungewöhnlich früh braun.
Bäume können selbst bei Windstille umfallen
Doch wie gefährlich wird das für Menschen, die im Wald spazieren gehen?
Zunächst steigt vor allem die Gefahr herabfallender Äste und Kronenteile. Ganze Bäume verlieren ihre Standfestigkeit meist erst später, erklärt Arnet.
Denn nach dem Absterben werden die Stämme zunehmend trocken und spröde. Pilze und Schädlinge können das Holz zusätzlich schwächen. Sterben auch die Wurzeln ab oder beginnen zu faulen, verlieren die Bäume ihren Halt.
Meist brechen sie bei stärkerem Wind. Doch Arnet warnt: «Auch bei Windstille ist es nicht ausgeschlossen, dass ein Baum umfällt.»
Ähnlich tönt es bei der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion. «Grundsätzlich gehören umstürzende Bäume und herabfallende Äste immer zu den waldtypischen Gefahren. Diese sind jetzt erhöht», erklärt ein Sprecher.
Besonders in sichtbar geschädigten Waldbeständen ist deshalb Vorsicht geboten.
Forstbetriebe müssen ihre Pläne über den Haufen werfen
Die Schäden haben bereits Folgen für die Waldpflege. Im Aargau setzen einzelne Forstbetriebe ihr ursprünglich geplantes Holzschlagprogramm für den Winter vollständig aus.
Statt regulär Holz zu ernten, entfernen sie nur noch gefährliche Bäume entlang von Strassen und Erholungswegen. Auch im Baselbiet haben solche Sicherheitsholzschläge Vorrang.
Wie viele Bäume aufgrund der Trockenheit zusätzlich gefällt werden müssen, lässt sich allerdings noch nicht beziffern. Die entsprechenden Arbeiten haben vielerorts erst begonnen.

Klar ist hingegen: Das Problem dürfte die Forstbetriebe noch lange beschäftigen.
Denn selbst wenn es wieder ausreichend regnet, können sich stark geschädigte Bäume nicht unbedingt erholen.
Eine langfristige Waldbeobachtung zeigt laut Arnet: Von Bäumen, deren Kronen mehr als 70 Prozent ihrer Blätter verloren haben, stirbt innerhalb von fünf Jahren etwa ein Drittel.
Die Zürcher Baudirektion erwartet ebenfalls grosse Folgeschäden. Sprecherin Myriam Hunn erklärt: «Auch mit normalen Niederschlagsmengen und Temperaturen im nächsten Jahr wird es sicher deutliche Folgeschäden des Sommers 2026 geben.»
Entscheidend sei nun, dass genügend Regen fällt und nicht bereits 2027 der nächste trockene Sommer folgt.
Forstwarte sehen jahrzehntelange Arbeit sterben
Die Situation belastet auch die Menschen, die sich täglich um den Wald kümmern.
Arnet: «Es tut weh, mitansehen zu müssen wie ein Wald, den man Jahrzehnte lang gepflegt hat, innerhalb kurzer Zeit abstirbt.»
Hinzu kommt, dass das Fällen abgestorbener Bäume aufwändiger und gefährlicher ist als die Arbeit mit gesundem Holz. Manche Forstbetriebe müssen angesichts der grossflächigen Schäden ihre Aufgaben völlig neu priorisieren.
Auch die Zürcher Baudirektion spricht von einer schwierigen Zeit. «Teilweise wird die Arbeit von Jahren plötzlich in Frage gestellt oder zunichte gemacht. Und wir wissen nicht, was auf uns zukommt.»
Die kommenden Jahre dürften vielerorts von der Bewältigung der Schäden geprägt sein.













