Der Walliser Gehörlosenverein möchte die Gebärdensprache vom Kanton anerkennen lassen. Das Wallis wäre erst der dritte Kanton der Schweiz.
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Die Gebärdensprache ist keine offizielle Landessprache. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Gebärdensprache ist in den meisten Kantonen keine anerkannte Sprache.
  • Die Kantone Genf und Zürich bilden die bisher einzigen Ausnahmen.
  • Jetzt soll der Kanton Wallis denselben Schritt machen.

Der Walliser Gehörlosenverein fordert eine Anerkennung der französischen und deutschen Gebärdensprache in der neuen Kantonsverfassung. Die Gebärdensprache dürfe nicht auf die Rolle eines Hilfsmittels beschränkt bleiben. Sondern sie müsse als eigenständige Sprache angesehen werden, die Kultur, Gedanken und Identität vermittle.

Der Walliser Gehörlosenverein brachte sein Anliegen am Internationalen Tag der Gebärdensprache am Donnerstag vor.

In der Walliser Verfassung von 1907, die zurzeit revidiert wird, ist die Gebärdensprache nicht erwähnt.

Gebärdensprache Symbolbild
Ausgeübte Gebärdensprache. (Symbolbild) - Keystone

Stéphane Faustinelli, Präsident des Walliser Gehörlosenvereins, äusserte vor Medien in Sitten: «Wir verfolgen die Arbeit der 130 Mitglieder des Verfassungsrats sehr genau. Und ganz besonders die der thematischen Kommissionen 1 und 2. Diese befassen sich mit den Sprachen und den Grund- und Sozialrechten.» Seine Worte wurden von einem Gebärdendolmetscher übersetzt.

Erst zwei Kantone haben Gebärdensprache anerkannt

Der Walliser Gehörlosenverein habe allen Mitgliedern des Verfassungsrats einen Änderungsvorschlag übermittelt, damit die Gebärdensprache in der Verfassung anerkennt werde.

Der Artikel 206 über die Rechte von Menschen mit Behinderungen soll entsprechend ergänzt werden. Die Walliser Stimmberechtigten hatten im März 2017 mit 72 Prozent Ja-Stimmen eine Volksinitiative für die Totalrevision der Kantonsverfassung angenommen.

Sollte Wallis Gebärdensprache in der Verfassung anerkennen, wäre es nach Genf und Zürich erst der dritte Kanton in der Schweiz. Bereits seit vielen Jahren kämpft der Schweizerische Gehörlosenbund (SGB) für eine Anerkennung der Gebärdensprache auf nationaler Ebene. Die Schweiz sei eines der letzten Länder Europas, das diesen Schritt nicht vollzogen habe, kritisiert der Verband.

Nach Angaben auf der Internetseite des SGB leben in der Schweiz etwa 10'000 gehörlose Menschen. Rund eine Million Menschen sind leicht bis hochgradig schwerhörig. Mehr als 10'000 davon nutzen die Gebärdensprache als Erst- oder Muttersprache.

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