Viele Unfälle: Fussgänger wollen E-Roller-Fahrer in Kurse schicken
Mit Elektro-Trendfahrzeugen kommt es immer wieder zu Unfällen. Der Verband Fussverkehr Schweiz fordert obligatorische Kurse für E-Roller.

Das Wichtigste in Kürze
- E-Trottis und E-Roller liegen im Trend – und sind auch oft in Unfälle verwickelt.
- Die Schweizer Fussgängervertretung wünscht obligatorische Kurse für E-Roller.
- SVP-Nationalrat Jacques Nicolet hat auch die E-Trottis im Visier.
E-Trottis und E-Roller liegen im Trend – doch mit dem Fahrspass steigt auch das Risiko.
Immer häufiger kommt es zu Unfällen, die zeigen: Die kleinen Elektrofahrzeuge sind alles andere als ungefährlich.
Ein Blick auf die vergangenen Monate zeigt, wie schnell Fahrten gefährlich werden können.
Anfang Dezember verliert ein E-Scooter-Fahrer in Worb BE die Kontrolle über sein Gefährt und stürzt. Schwer verletzt muss er ins Spital gebracht werden.
Im November stossen ein 38-Jähriger auf einem E-Scooter und ein 70-jähriger Autofahrer bei einem Kreisverkehr in Goldach SG zusammen. Der jüngere Mann kommt mit leichten Verletzungen davon. An beiden Fahrzeugen entsteht Sachschaden im Wert von mehreren hundert Franken.
Einen Monat zuvor knallt ein E-Scooter-Lenker in einer Unterführung in Oberwil-Lieli AG in einen 66-jährigen Velofahrer. Der E-Scooter-Lenker ist ihm auf dessen Fahrbahnseite entgegengekommen. Ausweichen hat der Velofahrer nicht mehr können.
«Folgen sind oft gravierend»
Beim Sturz in der Unterführung zieht sich der Velofahrer leichte Verletzungen zu. Der E-Scooter-Rowdy flitzt derweil, ohne mit den Schultern zu zucken, weiter.
Ähnlich rücksichtslos verhält sich ein Typ auf einem E-Roller in Stäfa ZH Mitte Dezember. Dieser fährt eine Primarschülerin auf dem Trottoir an und lässt sie weinend und blutend am Boden liegen.
Pascal Regli macht sich mit dem Trend zu den elektronischen Gefährten Sorgen um die Sicherheit der Fussgängerinnen und Fussgänger. Er ist der Geschäftsleiter des Verbands Fussverkehr Schweiz.
«Neben vermehrten Polizeikontrollen wären aus Fussgängersicht obligatorische Kurse für E-Roller wünschenswert», sagt er zu Nau.ch.
«Es handelt sich hier schliesslich um motorisierte Fahrzeuge – und wenn es zu Unfällen kommt, sind die Folgen oft gravierend.»
Velokurse als Vorbild
Regli erinnert daran, dass Veloprüfungen in Schulen schon lange selbstverständlich seien. «Dort wird der richtige Umgang im Verkehr mit weitaus weniger schnelleren Fahrzeugen schon früh geschult», sagt er.
Ein E-Trotti oder einen E-Roller könne hingegen fast jede Person fahren, ohne je einen Kurs absolviert zu haben.
Tatsächlich ist einzig für 14- bis 16-Jährige ein Führerausweis der Kategorie M Pflicht. Ab 16 Jahren ist kein Führerausweis mehr erforderlich.
Der Zugang zu E-Trottis und E-Rollern ist zudem wegen der Miet-Angebote unkompliziert. An fast jeder Ecke können sich Passanten in Städten ein solches E-Gefährt schnappen, um von A nach B zu flitzen.
Im Kurs müsste den Teilnehmenden laut Pascal Regli zum Beispiel klargemacht werden, dass ihre Gefährte nicht auf das Trottoir gehörten.
«Auch müssten sie sich mit der Physik ihres Fahrzeugs auseinandersetzen, um die Folgen der Geschwindigkeit besser abschätzen zu können.»
Kurs als Strafe
Auch SVP-Nationalrat Nicolet Jacques fordert Massnahmen – wenn auch keine obligatorischen Kurse für alle. Neben E-Rollern hat er auch E-Trottis im Visier.
«Wer mit einem E-Trotti oder E-Roller einen Unfall baut, soll in einen obligatorischen Kurs gehen», fordert er bei Nau.ch.
Und auch wer zu schnell fährt und erwischt wird, soll zu einem Pflichtkurs verdonnert werden. «Oder wer mit dem Gefährt auf dem Trottoir unterwegs ist.»
Der Waadtländer sieht aber nicht nur bei den Verkehrssündern Handlungsbedarf.

«Es braucht generell vernünftigere Informationen im Umgang mit Elektro-Trendfahrzeugen», fordert er.
Als Chance dafür sieht er Informationskampagnen auf Social Media – und nimmt dabei die Händler in die Pflicht. «Wenn man ein solches Fahrzeug kauft, sollten die Händler einen direkten Link mit den Verkehrsregeln mitgeben.»
Als Beispiel dafür könnte ein Youtube-Video des Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich dienen. Darin erklärt ein Fahrer die wichtigsten Regeln für E-Roller.
«Kombiniert mit Verkehrsschulung»
Doch: Gegen obligatorische Kurse für E-Trottis oder E-Roller für alle wehrt sich Jacques Nicolet. «Ich bin der Meinung, dass man E-Trotti-Fahrer, die sich korrekt verhalten, nicht nerven soll», sagt er.
Strikt vorgehen solle man stattdessen gegen Nutzende, die sich nicht an die Regeln hielten und andere Verkehrsteilnehmende gefährdeten.
Auch Grünen-Nationalrätin Brenzikofer gehen obligatorische Kurse zu weit.

«Wenn, dann sehe ich eine Möglichkeit, dies mit der Verkehrsschulung in der Schule zu verbinden», sagt sie zu Nau.ch.
Dabei sollen alle Fahrzeuge und Geräte behandelt werden – insbesondere jene, die von vielen jungen Menschen genutzt werden. Dazu zählen neben Velos eben auch E-Roller und E-Trottis.
Viele Unfälle wegen Alkohol
Das Thema Alkohol dürfte in Kursen für Elektro-Trendfahrzeuge ein eigenes Kapitel sein.
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) macht darauf aufmerksam, dass Alkohol für 40 Prozent der Alleinunfälle von E-Trottinetten die Hauptursache sei.
«Vielen Verkehrsteilnehmenden ist nicht bewusst, dass bereits ein Glas Alkohol die Fahrfähigkeit beeinträchtigen kann», sagt Mediensprecher Christoph Leibundgut.
Die konkreten Folgen: Die Aufmerksamkeit und das Sehvermögen nehmen ab und die Reaktionszeit verlängert sich.
Auch der Bundesrat will seinerseits die Vorschriften verschärfen. So sollen unter anderem die Vorschriften zum Tuning angepasst werden. Also, wenn die Roller technisch so verändert werden, dass sie schneller fahren.
Zudem will die Landesregierung eine Helmpflicht zur Diskussion stellen. Eine Nummernplicht lehnt sie bislang ab.













