Umstritten: Sterbehilfe-Patienten könnten künftig Organe spenden

Simon Ulrich
Simon Ulrich

Bern,

Ein Gutachten hält Organspende nach assistiertem Suizid für zulässig. Kritiker warnen vor Druck auf vulnerable Menschen.

Organspende
Möglich wäre eine Spende nur im Spital, weil Organe rasch entnommen werden müssen. Das würde die Rolle der Kliniken verändern. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Organspende nach assistiertem Suizid könnte in der Schweiz möglich werden.
  • Ethikkommission und Rechtsgutachten halten sie grundsätzlich für zulässig.
  • Voraussetzung wären strikte Regeln zu Ethik, Recht und Organisation.

Organspende nach assistiertem Suizid könnte in der Schweiz künftig möglich werden.

Laut einer Stellungnahme der Zentralen Ethikkommission der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften und einem Rechtsgutachten ist sie grundsätzlich zulässig.

Allerdings müssten klare ethische, rechtliche und organisatorische Regeln gelten, wie SRF berichtet.

Bisher können Menschen, die Sterbehilfe in Anspruch nehmen, ihre Organe nach dem Tod nicht spenden. Anfragen gebe es aber immer wieder, sagen Swisstransplant und Exit.

Swisstransplant-Direktor Franz Immer berichtet etwa von einem dementen 60-Jährigen, der seit Jahren als Organspender registriert und Mitglied von Exit ist.

Ethikkommission betont die Selbstbestimmung

Die Ethikkommission betont die Selbstbestimmung der suizidwilligen Person. Wenn jemand bis zuletzt sowohl am Sterbewunsch als auch an der Organspende festhält, sei diese Entscheidung autonom.

Kritiker sehen darin ein Risiko. Alex Frei, Vizepräsident der Organisation Ärzte und Pflegefachpersonen gegen Organspende am Lebensende, sagt gegenüber SRF: «Die Organspende nach assistiertem Suizid ist ethisch nicht vertretbar. Es schafft einen Anreiz für den Suizid.»

Würdest du Organe spenden?

Besonders vulnerable Menschen könnten dadurch zusätzlich unter Druck geraten.

Auch Paul Hoff, Psychiater und Präsident der Zentralen Ethikkommission, verweist auf mögliche Zweifel. Sterbehilfeorganisationen und medizinisches Personal müssten erkennen, wenn jemand unsicher werde.

Spitäler müssten Suizidhilfe akzeptieren

Praktisch wäre eine Organspende nach assistiertem Suizid nur im Spital möglich. Die Organe müssten wenige Minuten nach dem Tod entnommen werden. Das wäre ein bedeutender Schritt, weil assistierter Suizid in der Schweiz bisher meist in Privaträumen stattfindet.

Hoff sagt, dies würde das Selbstverständnis von Spitälern und medizinischem Personal verändern: Man würde «de facto akzeptieren, dass ein Spital ein angemessener Ort für Suizidhilfe ist».

Zentral wäre laut Rechtsgutachten eine strikte Trennung zwischen Suizidhilfe und Organspendeprozess. Zudem müsste geklärt werden, wie Strafverfolgungsbehörden eingebunden werden, da ein assistierter Suizid juristisch als aussergewöhnlicher Todesfall gilt.

In Ländern wie den Niederlanden und Belgien ist eine solche Organspende bereits möglich. Immer schätzt, dass in der Schweiz dadurch jährlich 50 bis 60 zusätzliche Organe gespendet werden könnten.

Kommentare

User #5705 (nicht angemeldet)

Ich würde nie ein Organ Spenden. Der Tod ist auch für die Menschen die neue Organe wollen allgegenwärtig

User #4846 (nicht angemeldet)

Bin doch kein Organdepot. Ich bin gegen automatische Organentnahme. Leider kann man dies nur mit E-ID ausschliessen, was ich auch nicht will.

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