Tiersegnung im Grossmünster: Pfarrer erklärt, was dahinter steckt
Was steckt hinter der Tiersegnung im Grossmünster? Pfarrer Lars Simpson erklärt das Ritual zum 800. Todestag von Franz von Assisi.

Das Wichtigste in Kürze
- Am Sonntag findet im Grossmünster eine Feier mit Tiersegnung statt.
- Der christkatholische Pfarrer Lars Simpson erklärt, was hinter dem Ritual steckt.
Zum 800. Todestag von Franz von Assisi findet im Grossmünster eine Feier mit Tiersegnung statt. Der christkatholische Pfarrer Lars Simpson erklärt, was hinter dem Ritual steckt.
Redaktion: Warum führen Sie am 4. Oktober, zur Gedenkfeier für Franz von Assisi, im Kreuzgang des Grossmünsters eine Tiersegnung durch?
Lars Simpson: Das Segnen von Haustieren an diesem Sonntagmorgen ist eine Einladung, im Rahmen dieser Feier, besondere Tiere in unserem Leben an einen besonderen Ort zu bringen, Gott für sie zu danken und um ihren Schutz und ihr Wohlergehen zu bitten.
Weltweit gibt es eine lange kirchliche Tradition, um das Fest von Franz von Assisi, auch Franziskus genannt, am 4. Oktober Tiere zu segnen. Der Grund: Es wird erzählt und ist belegt, dass Franz ein inniges Verhältnis zur Natur und zu Tieren pflegte.
Redaktion: Was kann uns Franz von Assisi 800 Jahre nach seinem Tod noch über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier lehren?
Simpson: Franz von Assisi steht für eine verantwortungsvolle und vertrauensvolle Beziehung zwischen Mensch und Tier. Der Mensch steht nicht über der Schöpfung, sondern ist Teil davon und soll im Einklang mit ihr leben.

In seinem berühmten Sonnengesang, Cantico delle Creature, lobt Franz von Assisi Gott für all seine Geschöpfe und spricht beispiels- weise von Bruder Sonne (il sole) und Schwester Mond (la luna).
Das unterstreicht, was die Wissenschaft ebenfalls sagt: Nur wenn wir im Gleichgewicht mit der Natur leben, können wir auf unserem Planeten weiter existieren. Durch sein Leben und Vorbild kann Franz von Assisi uns inspirieren, eine fürsorgliche Beziehung von Mensch und Tier zu leben und pflegen – weg von Ausbeutung und Ausrottung.
Redaktion: Wenn Sie ein Tier segnen, was geschieht in diesem Augenblick aus theologischer Sicht?
Simpson: Ein Segen ist ein Zuspruch, dass Gott uns nahe ist und es gut meint, mit unseren Haustieren und mit uns selbst. Es ist ein Gebet, das uns bekräftigen soll, gesund und erfüllt zu leben – das gilt für Tiere, für uns und für unsere Mitmenschen.
Redaktion: Erkennt die Theologie Tieren überhaupt eine spirituelle Bedeutung zu?
Simpson: Die christliche Theologie erkennt Gott als Schöpfer. Tiere, wie wir Menschen, sind damit Geschöpfe Gottes und miteinander eng verbunden und verwoben. Die Zerstörung von Lebensraum, von Tieren und Pflanzen ist damit ein Sakrileg. Letztendlich zerstören wir uns selber dabei.
Redaktion: Tiersegnungen sprechen offenbar auch Menschen an, die sonst kaum eine Kirche besuchen. Welches Bedürfnis erfüllt dieses Ritual?
Simpson: Die Gründe, sein Haustier oder ein Foto davon für eine Tiersegnung mitzubringen, sind sicher vielfältig. Haustiere erhalten einen Namen und werden schnell zu einem Familienglied. In einer engen, gesunden und lebensfördernden Beziehung ist sicher der Wunsch da, dass es unserem Gegenüber, also auch unserem Haustier, gut geht.
Die Motivation, das besondere Tier in unserem Leben für einen Segen mitzubringen, kann ein Ausdruck unserer Liebe und Hoffnung für dieses Tier sein.
Info
Franziskus 800
Das Grossmünster erinnert am Sonntagmorgen, 4. Oktober, mit einer offenen Feier an den 800. Todestag von Franz von Assisi. Mitwirkende u. a.: Pfarrer Christian Walti, Bischof Joseph Maria Bonnemain. Tiersegnung mit Pfarrer Lars Simpson und Pfarrerin Cornelia Camichel Bromeis ab 10.15 Uhr im Kreuzgang. Alle Tiere sind willkommen. Auch Mitnahme eines Fotos möglich. Kein Zutritt von Tieren zum Gottesdienstraum.
Redaktion: Gab es in Ihrem Leben ein Tier, das Sie zu einer Tiersegnung gebracht hätten?
Simpson: Unser Zwerghamster Benaglio. So viel Persönlichkeit in diesem kleinen Tier, welches in meine Hand passte. Aber ich hätte nur ein Foto von ihm mitbringen können, so handzahm war Benaglio nicht, dass es möglich gewesen wäre, ihn selbst mitzubringen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.








